24.09.2017 – Berlin Marathon

Bestzeit um vier Sekunden verpasst, EM-Limite erfüllt

In Berlin bestritt Ädu den ersten Marathon seit dem Ermüdungsbruch am Kreuzbein vor rund einem Jahr. Nach schnellem Beginn büsste er auf der zweiten Streckenhälfte zwar Zeit ein, dennoch beendete er das Rennen in 2:15.12 Stunden als bester Schweizer und viertbester Europäer.

Die unmittelbare Marathonvorbereitung verlief wunschgemäss, dementsprechend motiviert und zuversichtlich stand Ädu am vergangenen Sonntag hinter der Startlinie. Erstmals seit dem Ermüdungsbruch im Kreuzbein vor rund einem Jahr bestritt er wieder einen Marathon. Ädu entschied sich, offensiv ins Rennen zu starten und eine Zeit von unter 2:14 Stunden anzustreben. Mit der fünften Pace-Gruppe, die auf eine Endzeit von 2:13.30 Stunden anlief, absolvierte der 27-Jährige die ersten 15 Kilometer. „Bei diesem tollen Ambiente in so einer grossen Gruppe zu laufen machte extrem Spass. Dennoch liessen mich die Zweifel aufgrund des zu hohen Tempos nicht los.“ Nach 15 Kilometern lag er 30 Sekunden vor dem geplanten Marschplan und entschied, Tempo rauszunehmen. „Ich versuchte in der Folge meinen eigenen Rhythmus zu finden und liess die Gruppe ziehen.“ Fortan war er gemeinsam mit einem Norweger unterwegs. Nach 25 Kilometern versuchte Ädu das Tempo wieder zu steigern und sich nach vorne zu orientieren. „Die Gruppe lief rund 100 Meter vor mir, der Norweger hielt sich in meinem Windschatten. Ich wurde zwar etwas schneller, lief aber stets mit gewissem Respekt und konnte nicht wirklich Boden gut machen.“

Zwischen 35 und 40 Kilometer zu langsam unterwegs

Nach 30 Kilometern ging dann der Knopf auf. „Ich begann aufzuholen und kam den vor mir Laufenden immer näher. Das motivierte mich sehr.“ Bereits nach 33 Kilometern war er an ihnen dran. „Ich merkte, dass das Tempo der Gruppe zu langsam war. Deshalb zog ich etwas an und konnte die Gruppe sogleich abhängen.“ So war er wiederum auf sich alleine gestellt und lief in den Gegenwind hinein. „Während dem Lauf habe ich das zwar gar nicht gemerkt, rückblickend war ich aber im Abschnitt zwischen 35 und 40 Kilometern zu langsam unterwegs. Bei anderen Marathons war dieser Teil viel härter. Dennoch konnte ich am Sonntag nicht mehr aus mir herausholen.“ Nach rund 38 Kilometern erblickte er Philipp Pflieger, den besten deutschen Marathonläufer im Feld. „Ich kam ihm immer näher. Rund 30 Meter vor mir brach er zum dritten Mal zusammen, ein schockierender Moment. Als ich sah, dass er in guten Händen war und betreut wurde, lief ich an ihm vorbei.“ Wiederum war er alleine unterwegs.

Viertbester Europäer und bester Schweizer

„Beim Brandenburger Tor merkte ich, dass eine Zeit unter 2:15 Stunden nicht mehr möglich war, eine neue Bestzeit lag aber immer noch in Reichweite. Dennoch gelang es mir nicht, mit einem richtigen Schlussspurt die letzten Meter zu geniessen.“ So blieb die Uhr schliesslich nach 2:15:12 Stunden stehen – vier Sekunden über der Bestzeit, welche er vor zwei Jahren an selber Stätte aufgestellt hatte. „Im Ziel war ich zuerst enttäuscht. Es gelang mir nicht, das Maximum aus meiner momentanen Form herauszuholen. Hintenraus hat mir die Substanz gefehlt. Irgendwie war es nicht mein Tag. Im Nachhinein bin ich aber froh, dass ich trotz zu schnellem Beginn und bei teilweise starkem Regen eine so gute Zeit laufen konnte. Ich habe die EM-Limite klar unterboten, bin in einem tollen Feld 16. und viertbester Europäer sowie schnellster Schweizer geworden. Das freut mich und macht mich stolz.“ Mit Christian Kreienbühl (TV Oerlikon/2:17:17), Ädus ehemaliger WG-Mitbewohner Andreas Kempf (TSV Düdingen/2:19:22) sowie Geronimo von Wartburg (LV Winterthur/2:19:26) erfüllten drei weiter Schweizer die bei 2:19:30 Stunden fixierte Limite für die EM, die im kommenden August ebenfalls in Berlin stattfinden wird.

In Berlin in Topform sein

Nach einer dreiwöchigen Trainingspause wird Ädu anlässlich der CISM-Cross-Weltmeisterschaften, die vom 3. bis 7. November in Ungarn stattfinden, erstmals wieder einen Wettkampf bestreiten. „Danach werde ich entscheiden, ob ich im Winter weitere Crossläufe und womöglich auch die Cross-EM oder Strassenläufe bestreiten werde.“ Die ganze Planung wird auf die EM in Berlin ausgerichtet sein. „Dann will ich in Topform sein. Ich bin sicher, dass das ein interessantes und attraktives Rennen für mich geben wird.“ Auf dem Weg an die EM möchte der Oberaargauer Ende März oder anfangs April seine Halbmarathonbestzeit angreifen. „Ich hoffe, dass ich für die Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Valencia selektioniert werde. Ist dies nicht der Fall, suche ich mir einen anderen schnellen Halbmarathon.“


02.09.2017 – Switzerland Marathon light

Rang zwei in Sarnen

Anlässlich des Switzerland Marathon Light in Sarnen bestritt Ädu drei Wochen vor dem Berlin Marathon den letzten Wettkampf auf der Unterdistanz. Mit 1:06.22 Minuten beendete er den Halbmarathon als Zweitplatzierter.

Wie bereits vor zwei Jahren wählte Ädu den Switzerland Marathon Light in Sarnen als letzten Formtest vor dem Berlin Marathon. Nach 21.1 gelaufenen Kilometern erreichte der 27-Jährige das Ziel in 1:06.22 Minuten als Zweitplatzierter und war somit über eine Minute schneller als noch 2015. «Insgesamt war das ein gutes Rennen. Rangmässig habe ich das Maximum herausgeholt. Dennoch wäre ich gerne eine 65er-Zeit gelaufen.» Der spätere Sieger Sisay Yazew aus Äthiopien drückte von Beginn weg aufs Tempo. Lediglich Ädu sowie der ebenfalls aus Äthiopien stammende Temesgen Daba vermochten ihm zu folgen. Die ersten drei Kilometer absolvierte das Trio in extrem schnellen 9:03 Minuten. Danach musste Ädu abreissen lassen. Auch Temesgen Daba vermochte seinem Landsmann schon bald nicht mehr zu folgen. Sisay Yazew konnte seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen und feierte in 1:03.57 Minuten schliesslich einen überlegenen Start-Ziel-Sieg.

Bergan Zeit liegen gelassen

Ädu machte hingegen das hohe Anfangstempo zu schaffen. «Zwischen dem fünften und zehnten Kilometer versuchte ich mich etwas zu erholen. Gleichzeitig wollte ich den Rückstand auf Temesgen Daba, der zwischenzeitlich rund 50 Meter betrug, kontinuierlich verringern.» Zwischen dem zehnten und dem 15. Kilometer folgte ein hügeliger Streckenteil. «Ich versuchte mich nur noch auf meinen Laufstil zu konzentrieren, bergan zu pushen und bergab zu rollen. Das funktionierte vor allem gegen Ende dieses Abschnittes hervorragend.» Nach 15 Kilometern folgte eine lange Bergabpassage, bei der er den bis anhin Zweitplatzierten einholen konnte. Dieser hängte sich an Ädus Fersen und übernahm bei der nächsten Steigung wieder die Führung. «Sogleich fiel das Tempo etwas zusammen. Da liess ich rückblickend wichtige Sekunden im Hinblick auf eine bessere Endzeit liegen, konnte mich aber gleichzeitig etwas erholen.» Bei der nächsten Abwärtspassage griff er resolut an. Mit Erfolg – sogleich riss zwischen ihm und dem Äthiopier eine Lücke auf, die sich in der Folge stetig vergrösserte. Bis ins Ziel konnte Ädu den Vorsprung auf fast zwei Minuten ausbauen und beendete das Rennen als Zweitplatzierter.

Gelungene Hauptprobe

«Insgesamt war das eine gute Hauptprobe. Mental aber auch ernährungstechnisch hat alles gut geklappt. Ich konnte Abläufe testen, die auch für den Marathon wichtig sind.» Die unebene Strecke zählt nicht zu den schnellsten, dennoch hatte sich Ädu zeitmässig mehr erhofft. «Ich konnte noch nicht mein ganzes Leistungsvermögen abrufen. Dies ist jedoch nicht weiter erstaunlich. Ich habe mich noch nicht vollständig von der letzten Trainingsphase erholt und reiste direkt aus dem Höhenzimmer an. Alles in allem darf ich daher mit dem Rennen zufrieden sein.» Ende Woche wird der Langenthaler den letzten Longrun von rund 35 Kilometern bestreiten ehe dann die Tapering-Phase ansteht. «Das Ziel ist nach wie vor das gleiche. Ich will in Berlin meine zwei Jahre alte Bestzeit verbessern.»

LÄUFER-VIDEO , Luzerner Zeitung 

Switzerland Marathon light

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Die Startnummer war Programm. - Foto von Peter Wäfler


18.08.2017 – Erste Woche im Höhenzimmer

Road to Berlin

Seit einer Woche hat Ädu sein WG-Zimmer im Berner Liebefeldquartier wieder in ein Höhenzimmer umgewandelt. Zurzeit trainiert und lebt er dank der Schweizer Armee als Profi – ideale Bedingungen für die Marathonvorbereitung.

Im eigenen Höhenzimmer lebte Ädu schon mehrfach. Heuer bereitet er sich bereits auf seinen sechsten Marathon vor und setzt dabei neue Reize. «Momentan befinde ich mich in einer sehr harten Trainingsphase, in der ich sehr viele und vor allem auch sehr intensive Einheiten absolviere. Bei den einzelnen Trainings gehe ich voll ans Limit, dazwischen gelingt es mir aber, mich zu erholen.» Bis zum «Switzerland Marathon light» vom 3. September in Sarnen – der Hauptprobe über die Halbmarathondistanz – bleiben noch zweieinhalb Wochen Zeit. «Bis dann lebe ich im Höhenzimmer. Danach beginnt die dreiwöchige Taperingphase bis zum Berlin Marathon.«

Wettkämpfe mit Vorbelastung

Um neue Impulse zu geben, bestritt Ädu zwei Wettkämpfe mit Vorbelastung. So absolvierte er am Morgen des Sommermeetings in Langenthal vier Mal 3000 Meter und startete am Abend mit vorermüdeten Beine über 3000 Meter, welche er in 8:45 Minuten als Sieger beendete. Am vergangenen Samstag nahm er am Münsiger-Louf über zehn Kilometer teil. «Davor ermüdete ich mich mit einem 25 Kilometer langen Dauerlauf, wobei ich mich nicht schonte. Top motiviert lief ich die Vorbelastung in einem Schnitt von 3:40 Minuten pro Kilometer.» Knappe sieben Minuten vor dem Start traf er im Startbereich ein. «So blieb noch Zeit um etwas zu trinken sowie das Trikot und die Schuhe zu wechseln. Dann ging es auch schon los.» Trotz Vorermüdung versuchte Ädu möglichst kompetitiv zu laufen. «Doch ich wusste, dass es nahezu unmöglich würde, das Rennen zu gewinnen. Zu stark war die Konkurrenz.» Nach viereinhalb Kilometer musste er die ersten drei Läufer ziehen lassen und war fortan alleine unterwegs. «Mental wurde es extrem schwierig.» Doch Ädu kämpfte sich durch und erreichte das Ziel als Viertplatzierter.

Mental noch stärker werden

Den angepeilten Kilometer-Schnitt von 3:10 konnte er dabei einhalten. Mit solchen Trainings soll die harte Phase des Marathons trainiert werden. «Dadurch, dass ich den zweiten Teil der Belastung als Wettkampf absolviert habe, war ich nicht auf mich alleine gestellt. Dass ist besonders motivierend.» Bis zum Marathon müsse er vor allem mental noch stärker werden. «Nun bin ich noch auf schlechte Gedanken eingegangen. Ich habe zwar gekämpft, doch es war noch nicht der endlose Kampf. In der momentanen Phase geht das aber in Ordnung. Mit weiteren solchen wettkampfnahen Trainings werde ich mich wieder in diese Situation bringen und versuchen, mich mental zu verbessern.» Nun geht es an den Feinschliff. «Die Trainingsleistungen zeigen, dass der eingeschlagene Weg Richtung Berlin stimmt. Ich möchte in der Bundeshauptstadt Bestzeit laufen und bin guten Mutes, dass dies möglich sein wird.»

Sommermeeting Langenthal

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Nach den 4x3000m mit Ändu war ich bereits ziemlich erschöpft.


21.07.2017 – Ägeriseelauf

Ädu wird Zweiter

Als Abschluss des vierwöchigen Höhentrainingslagers in St. Moritz startete Ädu am Freitagabend am 19. Ägeriseelauf. Hinter dem Österreicher Valentin Pfeil lief er auf den zweiten Rang.

Am Freitagmittag brach Ädu „seine Zelte“ in St. Moritz ab und machte sich gemeinsam mit den Österreichern Valentin Pfeil und Christian Steinhammer auf den Weg Richtung Zug. Wie bereits in den Jahren 2014 und 2015 nahm er am Ägeriseelauf teil – eine ideale Standortbestimmung nach dem vierwöchigen Höhentrainingslager. Gemeinsam mit dem Holländer Jesper Van der Wielen sowie Marcel Berni und Fabian Kuert machte sich die Gruppe ans Aufwärmen. «Durch das gemeinsame Einlaufen entstand eine lockere Stimmung, vergleichbar mit einem Training.» Als um 19 Uhr der Startschuss zum Rennen über 14 Kilometer erfolgte, war es noch trocken. Niemand wollte zu Beginn für Tempo sorgen, so dass sich Ädu an die Spitze setzte. Nach rund drei Kilometern forcierte Valentin Pfeil, welcher in etwas mehr als zwei Wochen an den Weltmeisterschaften in London im Marathon starten wird, das Tempo. «Ich hatte zu diesem Zeitpunkt einen guten Rhythmus und beschloss deshalb in der Gruppe weiterzulaufen.» Niemand reagierte auf den Angriff des Österreichers, der sich so nach fünf Kilometer unangefochten die Zwischensprintwertung sicherte. Auch der Holländer Jesper Van der Wielen – in Ädus Augen der grosse Favorit – liess sich davon nicht beeindrucken und blieb in der Gruppe.

Mühe in den Wettkampfmodus zu wechseln

«Die Lücke zu Valentin wurde immer grösser. Deshalb beschloss ich nach sieben gelaufenen Kilometer etwas zu pushen. Komischerweise folgte mir niemand, so war ich in der Folge auf mich alleine gestellt.» Nun lief Ädu direkt ins Gewitter hinein und musste gegen Sturmwind und Regen ankämpfen. «Teilweise kam ich fast nicht vom Fleck. Ich versuchte mich gegen vorne zu orientieren, doch die Lücke zu Pfeil wurde eher grösser als kleiner. Auch von hinten kam niemand mehr an mich heran, so dass ich den zweiten Rang sicher nach Hause laufen konnte.» Auf den Sieger Valentin Pfeil verlor er rund eine Minute, dem Drittplatzierten Jesper Van der Wielen nahm er acht Sekunden ab. «Ich hatte Mühe vom Trainings- in den Wettkampfmodus zu wechseln und Spannung aufzubauen. Ich hätte natürlich gerne weniger Zeit auf Valentin Pfeil verloren. Den Umständen entsprechend bin ich mit diesem Ergebnis aber zufrieden. In einem Feld mit europäischen Top-Läufern wie Van der Wielen und Pfeil sowie regionalen Aushängeschildern zu laufen war extrem cool.»

Der Fahrplan Richtung Berlin stimmt

Mit einem gesteigerten Longrun schloss Ädu am Sonntag die erste Aufbauphase ab. «Der Longrun hat mir noch einmal gezeigt, dass der Fahrplan Richtung Berlin stimmt.» Bis zum Marathon in der deutschen Bundeshauptstadt verbleiben nun noch neun Trainingswochen. Nach zwei Erholungswochen verbringt Ädu vier Wochen im eigens eingerichteten Höhenzimmer im Liebefeld. Diese harte Phase wird mit dem SWITZERLAND MARATHON light in Sarnen abgeschlossen, ehe drei Tapering-Wochen folgen.

Ägeriseelauf

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v. l. n. r.: Bruno Schuler (OK-President), Christian Steinhammer, Valentin Pfeil, Adrian Lehmann, Jesper van der Wielen)


17.07.2017 – Trainingslager St. Moritz

Internationale Sparringpartner

Seit drei Wochen weilt Ädu im Höhentrainingslager in St. Moritz. Erstmals trainiert er dabei gemeinsam mit Athleten aus verschiedenen Ländern.

Am Berlin Marathon vom 24. September möchte Ädu seine Bestleistung über 42.195 Kilometer angreifen und sich vorzeitig für die Europameisterschaften, die 2018 in der deutschen Hauptstadt stattfinden, qualifizieren. Im vierwöchigen Höhentrainingslager in St. Moritz möchte er den Grundstein dafür legen. «Erstmals absolviere ich einzelne Trainingseinheiten mit Athleten aus verschiedenen Nationen. Dadurch entsteht eine coole Atmosphäre.» Mit dem Österreicher Valentin Pfeil hat Ädu einen Sparringpartner gefunden, dessen Bestzeiten nur leicht unter seinen eigenen liegen. «Da Valentin im August den WM-Marathon in London läuft, ist er im Training schon ein ganzes Stück weiter als ich. Die gemeinsamen Einheiten sind daher für mich eine coole Challenge.»

Weniger Kilometer, mehr Alternativeinheiten

Neben Steinhammer weilen zurzeit auch Tadesse Abraham, die Robertson Twins aus Neuseeland oder der Slowene Rok Puhar im Engadin. «Gemeinsam absolvierten wir einen Longrun. Nationaltrainer Luigi Nonella und Stefan Spahr begleiteten uns dabei auf dem Rad.» Die langen Läufe sind für ihn kein Problem mehr mehr. «Jedoch habe ich weniger Kilometer absolviert als in anderen Jahren. Stattdessen kamen Alternativeinheiten auf dem Rad und im Wasser dazu. Wie sich diese auf die Leistung im Marathon auswirken, wird sich zeigen.» Jeden Abend bietet Luigi Nonella ein geführtes 30- bis 45-minütiges Beweglichkeits- /Dehnprogramm an. «Eine coole Sache.»

Start am Ägeriseelauf am kommenden Freitag

Ein besonderes Highlight des diesjährigen Trainingsaufenthalts bildete ein 29 Kilometer langer Berglauf über Fuorcla Surlej. «Seit 2005 weilte ich in jedem Jahr in St. Moritz. Ich wollte diese Strecke unbedingt einmal absolvieren. Eine extrem coole Herausforderung mit starkem Muskelkater als Ergebnis.» Als Abschluss des vierwöchigen Trainingsblocks wird Ädu am 21. Juli am Ägeriseelauf starten. «Mit Fabian Kuert, Marcel Berni sowie den beiden Österreichern Valentin Pfeil und Christian Steinhammer treffe ich auf starke Konkurrenz. Der Lauf über 14.14 Kilometer dient als Standortbestimmung und soll zeigen, wie gut ich bereits in Form bin.»

Trainingslager St. Moritz

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Alternativtraining mit Chrigi und Michi. Sie waren es, die mich 2013 in die Marathon-Welt eingeführt hatten. Schön, dass wir immer noch gemeinsame Sachen machen.


18.06.2017 – Oberseemeeting 3000m

Der Start in die Marathonvorbereitung ist erfolgt

Anlässlich des Berlin-Marathons vom 24. September will Ädu seine zwei Jahre alte Bestzeit von 2:15.08 angreifen. Seit zwei Wochen befindet er sich in der spezifischen Marathon-Vorbereitung.

Der Berlin-Marathon soll zum Höhepunkt der zweiten Saisonhälfte werden. Dabei lockt die Qualifikation für die 2018 an selber Stätte ausgetragenen Europameisterschaften sowie eine neue Bestzeit. Die spezifische Vorbereitung hat vor zwei Wochen begonnen. Im ersten Monat des Marathontrainings steht das Herantasten an die längeren Läufe im Fokus. Der Umfang wird langsam gesteigert, so dass sich der Körper kontinuierlich an die grössere Trainingsbelastung gewöhnen kann. Während die spezifischen, langen Marathontrainings zunehmen und die Longruns von Woche zu Woche länger werden, verschwinden die richtig schnellen, kurzen Einheiten zusehends aus den Trainingsplänen.

Sieg trotz sauren Beinen

Nach einer Einstiegswoche mit einem 30 Kilometer langen Longrun wurde in der zweiten Woche der Umfang erhöht. Anstelle eines Longruns absolvierte Ädu am vergangenen Sonntag anlässlich des Oberseemeetings in Jona einen 3000-Meter-Lauf. «Mit nur zwei schnellen Vorbereitungstraining war die Verbesserung meiner PB eine Utopie. Ich war extrem nervös vor dem Rennen, da ich eine ungewohnte Belastung in Angriff nahm.» Nach einem guten Start wurde der Pacer Abraham Ashene zusehends langsamer. Statt der angestrebten 2:45 wurde der erste Kilometer bereits vier Sekunden zu langsam angelaufen. Nach 1.8 Kilometern setzte sich der Genfer Simon Porras an die Spitze, ehe Ädu nach fünf Runden die Führung übernahm. «Eine Runde vor Schluss wurde ich vom Deutschen Florian Röser angegriffen und überholt. Ich versuchte dranzubleiben und konnte trotz sauren Beinen 150 Meter vor dem Ziel zum Schlussspurt ansetzen.» So gewann Ädu das Rennen in 8:24 Minuten und fast zwei Sekunden Vorsprung.

Vier Wochen Höhentrainingslager in St. Moritz

«Das war eine coole Abwechslung in dieser Trainingsphase. Ich bin mit dem Resultat weder besonders glücklich noch extrem enttäuscht. Um schneller zu laufen, müsste ich mich anders vorbereiten.» In der dritten Woche wird der Umfang nun auf 180 bis 190 Kilometer gesteigert. Am Samstag wird Ädu nach dem Longrun für vier Wochen nach St. Moritz reist. In der Höhe wird sich der 27-Jährige intensiv auf den Berlin Marathon vorbereiten. «Nach einer lockeren Akklimatisationswoche folgen drei harte Wochen, worauf ich mich extrem freue»

Aufzeichnung  ab 6:11:00


27.05.2017 – Ottawa 10K

Spontaner Start führt zu Topresultat

Ädu ist zurzeit als Betreuer an den CISM-Marathon-Weltmeisterschaften in Ottawa. Spontan entschied er sich für einen Start am Ottawa 10K – einem Strassenlauf mit IAAF Road Race Gold Label. 

Das Ädu spontan ist, hat er schon mehrfach unter Beweis gestellt. So sprang er auch schon 30 Minuten vor dem Start als Pacemaker am GP ein. Während seines WK-Einsatzes anlässlich der CISM-Marathon-Weltmeisterschaften in Ottawa, wo er als Betreuer vor Ort ist, entschied er sich für einen Start über 10 Kilometer. «Nie zuvor bin ich an so einem grossen 10-Kilometer-Rennen gestartet. Die Überredungskünste meines Mitbewohners Chrigi Gmür reichten und kurz darauf hatte ich einen Startplatz.» Gemeinsam mit seinem Vater und Coach hatte er im Vorfeld abgemacht, ohne Uhr und somit nach Gefühl zu laufen. «Der Spass sollte dabei im Vordergrund stehen.»

Imposante Kulisse

Gleichzeitig mit dem topbesetzten Strassenrennen wurden die Kanadischen 10-Kilometer-Meisterschaften ausgetragen. «Demensprechend waren extrem viele Zuschauer vor Ort. Die Stimmung war wahnsinnig und hat mich sehr motiviert.» Die Laufstrecke führte zwischen imposanten Hochhäusern hindurch – keine alltägliche Wettkampfkulisse. «Gemeinsam mit der zweiten Gruppe lief ich die ersten drei, vier Kilometer. Danach begann ich die zwischen meiner Gruppe und der Spitzengruppe laufenden Läufer einzuholen und war ab Kilometer vier gemeinsam mit einem Kanadier unterwegs.  Dabei konnten wir mehrere Afrikaner einfangen. Nach sieben Kilometer holten wir einen Äthiopier ein, der uns in der Folge an den Fersen blieb. So liefen wir fortan in der Dreiergruppe.»

Den kanadischen Meister geschlagen

Die warmen Temperaturen sowie die stickige Luft machte Ädu zu schaffen. «Hinten raus konnte ich nicht mehr pushen. Deshalb lief ich einfach mit meinen beiden Begleitern mit. Im Schlussspurt konnte ich dann noch einmal Kräfte freisetzen und sowohl den Äthiopier Bonsa Gonfa als auch den Kanadier Eric Gillis abhängen.» Mit der Zeit von 30:04.6 lief der Langenthaler in einem starken Feld auf den tollen sechsten Platz. Danach wurde er zu seiner ersten Dopingkontrolle ausserhalb der Schweiz aufgeboten. «Dieser Lauf war wirklich eine tolle Sache. Cool, dass ich den kanadischen Meister schlagen konnte. Hier zu starten war eine gute Entscheidung.» Gewonnen wurde das Rennen vom Äthiopier Leul Gebresilase in 28:42.1 Minuten.

Resultate 

Ottawa 10k

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Foto von Marathon-Photos.com


19.05.2017 – 10’000m Schweizermeisterschaften Uster

Dämpfer als Mahnfinger / SM-Silber

An den 10’000m Schweizermeisterschaften auf der Bahn in Uster hatte sich Ädu die Titelverteidigung zum Ziel gesetzt. Doch der Langenthaler erwischte keinen guten Tag. In soliden 30:04 Minuten wurde er dennoch Zweiter.

Die 10’000m Schweizermeisterschaften sollten für Ädu den Abschluss und Höhepunkt der ersten Saisonhälfte bilden. Doch nach seinem vierten Rang am GP Bern waren einerseits die Beine nicht ganz frisch, andererseits spielte der Kopf nicht mit. «Ich stand sicher schon erholter hinter der Startlinie. Dennoch habe ich nicht wegen meiner physischen Form, sondern aufgrund meiner mentalen Einstellung verloren», so Ädu nach dem Rennen selbstkritisch. Die ganze Woche über war er viel unterwegs und musste auch am Renntag selber noch arbeiten. «Darunter litt die Erholung. Zudem schaffte ich es nicht, in den Wettkampfmodus zu kommen. Mir fehlten die Spannung und der Fokus.»

Mangelnder Kampfgeist

Gemeinsam mit dem Genfer Sullivan Brunet hatte Ädu sich vor dem Start auf 71-Sekunden-Runden und einen stetigen Führungswechsel geeinigt. Anfangs wechselten sich die zwei wie geplant ab und absolvierten die ersten vier Kilometer gemeinsam. «Doch dann hatte ich einen ersten Durchhänger. Ich fühlte mich zwar nicht wirklich schlecht, jedoch auch nicht locker. Ich hatte den Eindruck, mich in einem Training statt in einem Wettkampf zu befinden.» Nach ein paar langsameren Runden konnte sich Ädu zwar einigermassen erholen, dennoch wurde das Gefühl nicht besser. «Zwei Kilometer vor dem Ziel akzeptierte ich, dass es nicht mein Tag war, liess Sullivan kampflos ziehen und lief fortan mein eigenes Rennen.» Der Genfer blieb mit 29:44.25 Minuten erstmals in seiner Karriere unter der 30-Minuten-Marke und durfte sich über seinen ersten SM-Titel bei den Aktiven freuen. Für Ädu stoppten die Uhren als Zweitplatzierter nach 30:03.73 Minuten. «Sullivan ist stark gelaufen und hat sich den Titel wirklich verdient. Natürlich bin ich enttäuscht. Ich wollte gewinnen. Was mich jedoch noch mehr enttäuscht ist der mangelnde Kampfgeist. Dass ich dennoch nur knapp über 30 Minuten blieb zeigt, dass ich deutlich schneller laufen kann, wenn ich einen guten Tag erwische.»

Abschluss der ersten Saisonhälfte

Mit den 10’000m Schweizermeisterschaften schloss Ädu sein «comeback-stronger- Projekt» ab. «Ob ich wirklich stärker als vor der Verletzung bin, ist nach diesem Dämpfer schwer zu beurteilen. Ich denke, dass ich sicher wieder auf dem alten Niveau bin. Das Rennen vom Freitag ist dennoch ein Mahnfinger, dass ich weiterhin hart an mir arbeiten muss.» Die kommenden zehn Tage wird Ädu als Betreuer an den CISM-Weltmeisterschaften im Marathon in Ottawa (CAN) verbringen. «Ich werde mich in den Dienst der Mannschaft stellen und mich dabei aktiv erholen. Ziel ist es danach physisch aber auch psychisch ausgeruht und mit einem guten Gefühl in die Marathonvorbereitung zu starten.» Höhepunkt der zweiten Saisonhälfte soll der Berlin Marathon vom 24. September werden, wo Ädu eine persönliche Bestzeit anstrebt.

10'000m SM Uster

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Foto von athletix.ch


13.05.2017 – GP Bern

Starker vierter Rang am «Heimrennen»

Im Vorfeld des GP Bern hatte sich Ädu eine Zeit unter 50 Minuten zum Ziel gesetzt. Doch schon früh zeichnete sich statt einem Rennen um die Zeit ein Ausscheidungskampf um die Ränge ab.

Petrus meinte es am Samstag gut mit dem GP Bern. Sommerliche Temperaturen und leichter Wind sorgten dafür, dass die 10 schönsten Meilen der Welt sowohl für die Läufer als auch für die zahlreich erschienenen Zuschauer zu einem Lauffest wurden. Mittendrin war auch Ädu, der als Viertplatzierter und bester Schweizer einmal mehr für Furore sorgen konnte. «Das war ein richtig cooles Rennen. Ich hatte stets gute Beine und ein tolles Laufgefühl. Auch wenn es am Ende noch einmal richtig hart wurde, konnte ich die tolle Stimmung geniessen», so der 27-Jährige nach dem Rennen. Doch der Reihe nach.

Ohne Uhr lief es besser

Am Samstagnachmittag Punkt 16 Uhr wurden die Elite-Läufer auf die Strecke geschickt. Ädu hatte sich vorgenommen, nicht zu schnell zu starten. «So versuchte ich mich den Aargauerstalden herunter etwas zurückzuhalten und absolvierte den ersten Kilometer gemeinsam mit Marcel Berni in 2:48 Minuten. Angesichts der Tatsache, dass es bergab ging, eine vernünftige Zeit.» Durch den verhaltenen Start handelte sich Ädu bereits einen Rückstand auf die vor im laufende Gruppe bestehend aus rund 15 Afrikanern ein. Auch nach drei Kilometern war der Rückstand immer noch gleich gross. «Ich begann zu hinterfragen, ob ich vielleicht doch zu langsam gestartet war und steigerte in der Folge mein Tempo. So holte ich schnell mehrere Läufer ein.» Doch ein Blick auf die Uhr zeigte, dass Ädu langsamer unterwegs war als geplant. «Ständig studierte ich an der Zeit herum, was mich stresste. Als ich meine Mutter am Streckenrand erblickte, entschied ich mich kurzerhand ihr die Uhr zuzuwerfen und mich fortan auf den Rang statt auf die Zeit zu konzentrieren.»

Ständige Tempowechsel-Spiele

Vor der grossen Gruppe liefen die drei Favoriten ein einsames Rennen. Doch dahinter schien noch alles offen. So arbeitete sich Ädu kontinuierlich nach vorne, bis er nach fünf gelaufenen Kilometern an der Gruppe dran war. «Ohne Uhr lief ich viel entspannter und konnte mich auf meinen Lauf konzentrieren.» Mit zunehmender Streckenlänge wurde die Gruppe immer kleiner. «Sobald ich in der Gruppe war, lief es einfach super. Ich konnte mitlaufen ohne viel Kraft aufzuwenden.» Ab und zu folgten Tempoverschärfungen die Ädu zuerst tolerierte, jedoch geschickt konterte, indem er den Angreifer überholte und das Tempo dann von der Spitze weg drosselte. «So gelang es mir, das Rennen langsam zu halten und dafür zu sorgen, dass mir keiner davonlief.» Auch nach 13 gelaufenen Kilometern fühlte sich Ädu noch gut. Gemeinsam mit dem Marokkaner Abid Ezamzami und dem Äthiopier Sisay Yazew Tola konnte er sich vom Rest der Gruppe absetzen. «Am Aargauerstalden folgte dann der erwartete Angriff meiner letzten Gegner. Er fiel jedoch weniger heftig aus als erwartet.» Wiederum gelang es Ädu das Tempo zu drosseln. «Diese Tempowechsel im Aargauerstalden drin waren extrem heftig und dennoch nötig, um die Gegner zu kontrollieren.» Nach dem Rosengarten folgte dann der letzte Angriff des Äthiopiers. «Sofort riss eine Lücke zwischen ihm sowie dem Marokkaner und mir auf. Doch ich merkte bald, dass der Marokkaner auch mir nicht mehr folgen konnte.»

Rangmässig das Optimum herausgeholt

«Auf der langen Zielgeraden riskierte ich noch einmal alles. Die Zuschauer wurden extrem laut und ich merkte, dass ich dem zwischenzeitlich enteilten Sisay Yazew Tola immer näherkam. Ich kickte noch einmal und konnte ihn schliesslich ein- und überholen. Als starker Vierplatzierter erreichte Ädu in 50:33 Minuten das Ziel und kam sogar noch bis auf sechs Sekunden an den drittplatzierten Simon Tesfay heran. Gewonnen wurde das Rennen wie im Vorjahr vom Äthiopier Ghirmay Ghebreslassie. «Rangmässig habe ich sicher das Optimum herausgeholt. Ich konnte extrem starke Läufer schlagen und bin dementsprechend sehr zufrieden. Zudem hat mir das Resultat gezeigt, dass ich wieder auf meinem Level bin, welches ich vor der Verletzung hatte. Ich bin mir sicher, dass bei einem anderen Rennverlauf auch eine bessere Zeit möglich gewesen wäre.» Bereits am kommenden Freitag anlässlich der 10-Kilometer-Schweizermeisterschaften auf der Bahn wird Ädu erneut hinter der Startlinie stehen. «Ich werde alles daransetzen, in Uster meinen SM-Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen. Mir wird sicher nichts geschenkt, aber ich bin zuversichtlich, dass ich auch auf der Bahn eine gute Zeit laufen kann.»

Berner Zeitung, Finisher Clip

GP Bern

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Am Freitagabend zu Gast bei meinem neuen Partner Isostar. - Foto von isostar.ch


07.05.2017 – Trainingslager in Medulin und Tenero

Drei Wochen Trainingslager sind Geschichte

Nach drei Wochen Trainingslager im kroatischen Medulin und in Tenero nahm Ädu am vergangene Sonntag als Standortbestimmung am Zunzger Waldlauf teil. Dabei konnte er seine eigenen Streckenrekorde verbessern.

In der Nacht auf Karfreitag ging für Ädu und seine Vereinskollegen von der LV Langenthal die Reise Richtung Medulin los. Wie in den Vorjahren hatten die Oberaargauer die Küstenstadt in Istrien als Trainingslagerort gewählt. Diverse Athleten aus anderen Vereinen schlossen sich ihnen an, was zu einem Mix über die Kantonsgrenzen hinaus führte. Für Ädu bildete das Vereinstrainingslager den Auftakt in drei intensive Trainingswochen. Dank Fabian Kuert hatte er dabei einen tollen Trainingspartner an seiner Seite, mit dem er alle Einheiten absolvieren konnte. Insgesamt wurden 145 Kilometer zurückgelegt, wobei der Fokus auf der Schnelligkeit lag. «Gemeinsam konnten wir zwei sehr gute Belastungs-Einheiten absolvieren. Ich war überrascht, wie schnell wir bereits unterwegs waren.» Auch das Wetter spielte mit und sorgte für ideale Trainingsbedingungen. Neben dem Sportlichen kam aber auch der Spassfaktor nicht zu kurz. «Die Stimmung war wie immer genial. Am Abend blieb Zeit für gemeinsame Spiele und die Durchmischung von Jung und Alt sorgte für eine lockere Trainingslageratmosphäre.»

«Es fehlt nicht mehr viel»

Von Medulin ging die Reise direkt weiter nach Tenero, wo Ädu für zwei Wochen mit dem CISM-Marathon-Team trainierte. «Im Gegensatz zu Medulin war alles viel professioneller. So wurde die Freizeit zum Schlafen statt zum Spielen genutzt. Dennoch herrschte auch hier tolle Stimmung innerhalb der Trainingsgruppe.» Auch das schlechte Wetter konnte die Marathonläufer nicht von qualitativ und quantitativ hochstehenden Einheiten abhalten. So absolvierte Ädu in der ersten Woche 155 Laufkilometer. Hinzu kamen mehrere Trainings auf dem Rad und im Wasser. Eine Schlüsseleinheit bildete dabei die Belastung über 3x(3-2-1km). «Das ist ein Training, welches ich früher gemeinsam mit Viktor Röthlin gemacht habe. Nun absolvierten wir diese Einheit in der ganzen Gruppe.» Mit ein- und auslaufen wurden insgesamt 28 Kilometer zurückgelegt – eine so lange Belastung hat Ädu seit seiner Verletzung nicht mehr gemacht. «Das Training lief mir sehr gut und hat mir gezeigt, dass nicht mehr viel fehlt um einen guten Marathon zu laufen.» In der zweiten Woche absolvierte der 27-Jährige bis am Donnerstagabend 120 Kilometer, ehe er am Freitag die Heimreise antrat. «Mein Fazit über die drei Wochen hinweg ist ein sehr positives. Ich konnte auch die längeren Einheiten ohne Schmerzen absolvieren.»

Zunzger Waldlauf und GP Bern

Am Sonntag nahm Ädu als Abschluss der intensiven Trainingsphase am Zunzger Waldlauf teil, der gleichzeitig auch ein Fanclub-Event war. Bei diesem familiären Wettkampf gibt es statt fixe Startzeiten ein Zeitfenster, innerhalb dessen man den Lauf absolvieren kann. Ädu nahm dabei zuerst die Langstrecke über sieben Kilometer und im Anschluss die Kurzstrecke, die über dreieinhalb Kilometer führte, in Angriff. Dabei konnte er seine im Jahr 2013 aufgestellten Streckenrekorde über beide Distanzen verbessern. «Das ist cool und gibt mit Hoffnung für die kommenden Rennen. 2013 stellte ich meine Bestzeiten über 3000 und 5000 Meter auf. Das zeigt, dass ich auch jetzt schnell bin.» Am kommenden Samstag, 13. Mai, wird Ädu am GP Bern an den Start gehen und möchte seine gute Form vor dem Heimpublikum unter Beweis stellen. «Ich strebe eine Zeit unter 50 Minuten an. Gelingt mir das und stehen keine Überraschungsgegner am Start, traue ich mir eine Platzierung in den Top 6 zu.» Der GP Bern und die SM über 10 Kilometer auf der Bahn vom 19. Mai bilden den Abschluss seines persönlichen «comeback-stronger- Projektes». Gleichzeitig wird damit die erste Saisonhälfte abgeschlossen.

BZ Basel, Volksstimme

Trainingslager Medulin


26.03.2017 – 10km SM Strasse

SM-Gold für Ädu

An der SM über 10km auf der Strasse bewies Ädu, dass er in den vergangenen Monaten hart für sein Comeback gearbeitet hat. In 30:16 Minuten sicherte er sich seinen insgesamt vierten SM-Titel.

Oensingen im Kanton Solothurn war Austragungsort der diesjährigen 10km SM auf der Strasse. Lauffreundliche Temperaturen und Wind begleiteten die Startenden auf den zweieinhalb Lauf-Runden. Nach einem schnellen Start bildete sich bereits früh eine vierköpfige Spitzengruppe bestehend aus dem Eritreer Simon Tesfay (TG Hütten), Eric Rüttimann (LC Uster), dem OL-Läufer Daniel Hubmann (KTV Will) und Ädu. Das Quartett absolvierte den ersten Kilometer in schnellen 2:53 Minuten. «Im Gegenwind versuchte ich mich hinter Simon Tesfay zu verstecken und absolvierte den zweiten Kilometer dicht gefolgt von Hubmann und Rüttimann in 2:57 Minuten.»

Aufholjagd im Gegenwind

Nach dem dritten Kilometer begann Ädu das Tempo langsam zu drosseln und versuchte in einem 3-Minuten-Schnitt weiterzulaufen. Vorne zogen Tesfay und Rüttimann währenddessen davon. «Auf den Abschnitten mit Rückenwind konnten sie den Vorsprung auf mich stetig ausbauen. Ohne mir viel Gedanken zu machen, konzentrierte ich mich in der Folge auf mein eigenes Rennen.» Nach Rennhälfte begann Ädu wieder aufzuholen. Im Gegenwind harmonierte das Spitzen-Duo nicht mehr wie zuvor und begann langsamer zu werden. «So kam ich den beiden und insbesondere dem abfallenden Eric Rüttimann immer näher. Jedoch musste ich bei meiner Aufholjagd extrem viel Kraft investieren und war überrascht, dass ich Eric nach acht Kilometern ein- und bald auch schon überholen konnte.» Schnell tat sich eine kleine Lücke auf. Ädu konnte den Vorsprung auf den für den LC Uster startenden Läufer ausbauen und den SM-Titel in 30.16.9 Minuten nach Hause laufen.

Gold auch im Team

Während Ädu die letzten Meter noch geniessen konnte, sicherte sich Simon Tesfay in 30:05.1 Minuten souverän den Tagessieg . Dahinter lieferten sich der eingebrochene Eric Rüttimann und Michael Ott (LAC TV Unterstrass) einen packenden Zweikampf um Silber und Bronze, welchen Ott schliesslich mit 30:24 und zweieinhalb Sekunden Vorsprung zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Ädu zeigte sich mit seinem Rennen äusserst zufrieden. Auf seine Bestzeit von 30:05, aufgestellt beim für schnelle Zeiten bekannten 10-Kilometer-Lauf in Lausanne, büsste er trotz teilweise heftigem Wind lediglich zehn Sekunden ein. «Das Resultat zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ein SM-Titel ist immer etwas Spezielles und motiviert zusätzlich.» Dass Ädu in Oensingen gleich zweimal zuoberst auf dem Podest stand, verdankt er auch den starken Resultaten seiner Team-Kollegen. Gemeinsam mit Fabian Kuert, Christian Ackeret, Lucca Blum und Adrià Alcalà sicherte er sich mit dem Team LZO den SM-Titel in der Teamwertung.

Das ganze Rennen auf Facebook, Solothurner Zeitung

10km SM Oensingen

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Start zur diesjährigen 10km SM. - Foto von athletix.ch


18.03.2017 – Achter und bester Schweizer am Kerzerslauf

Geglücktes Comeback

Ädus Comeback ist geglückt. Am Kerzerslauf klassiert er sich als bester Schweizer in guten 47.21 Minuten auf dem achten Rang und meldet sich erfolgreich auf der Wettkampfbühne zurück.

Nachdem Ädu krankheitshalber sowohl auf den Start am Crosslauf in Gettnau als auch auf die Cross-SM in Köniz verzichten musste, stand er am vergangenen Samstag anlässlich des Kerzerslaufs endlich wieder hinter der Startlinie. Im Vorfeld hatte er sich eine Zeit von 47 Minuten und eine Platzierung in den Top10 zum Ziel gesetzt. Voller Vorfreude nahm er die 15 Kilometer in Angriff. Gleich nach dem Start bildete sich eine neunköpfige Spitzengruppe bestehend aus Ädu und acht Afrikanern, darunter auch der spätere Sieger Tom Mutie aus Kenia. «Als einziger Weisser mit den Kenianern unterwegs zu sein war ein tolles Gefühl, welches ich während meiner langen Wettkampfabsenz vermisst hatte.» Nach einem gemächlichen Start bergan wurde das Tempo in der Folge immer schneller und bald zu schnell für Ädu. «Bis drei Kilometer war ich an der Gruppe dran, doch dann musste ich abreissen lassen.» Ab Kilometer fünf war der Langenthaler auf sich alleine gestellt.

Keine idealen Wettkampfbedingungen

Zwischen fünf und neun Kilometer hatte der 27-Jährige einen kurzen Durchhänger. «Sowohl vor als auch hinter mir waren keine Gegner in Sicht und ich bekundete Mühe, mich ans Limit zu pushen.» Neben dem vom Regen aufgeweichten, sumpfigen Boden, hatten die Läufer auch mit starkem Wind zu kämpfen – alles in allem keine idealen Wettkampfbedingungen. Doch Ädu liess sich davon nicht beeindrucken. Am Golaten-Stutz, dem berüchtigten kurzen aber heftigen Anstieg, konnte Ädu noch einmal zusetzen und fand danach einen guten Laufrhythmus. «Ich begann die ersten Frauen einzuholen, was mich zusätzlich motivierte. Von weitem erkannte ich auch den in Winterthur wohnhaften Fikru Dadi, mit dem ich mich in der Vergangenheit schon öfters duelliert hatte, und den Kenianer Simion Sang. Jedoch kam ich den beiden nur minim näher.»

Vorfreude auf die SM

Die letzten zwei Kilometer bis nach Kerzers ging es nur noch bergab. «Ich konnte es rollen lassen und die gute Stimmung beim Zieleinlauf geniessen.» Mit einer Zeit von 47:20 Minuten lief Ädu rund zweieinhalb Minuten hinter dem Sieger als achter und bester Schweizer durchs Ziel. «Mit meinem ersten Rennen nach der langen Verletzungspause darf ich sehr zufrieden sein. Ich bin sicher, dass bei besseren Bedingungen eine Zeit unter 47 Minuten möglich gewesen wäre.» Bereits am kommenden Sonntag folgt mit der 10km SM auf der Strasse ein nächster Wettkampf auf Ädus Weg zurück. In Oensingen wird er unter anderem auf den Hallenschweizermeister über 3000 Meter Luca Noti (STB), den OL-Läufer Daniel Hubmann, seinen Mitbewohner Andreas Kempf (TSV Düdingen) sowie auf Michael Ott (LAC TV Unterstrass) treffen. «Ich freue mich extrem auf dieses Rennen. Ich bin gespannt, wo ich im Vergleich zur Schweizer Spitze stehe und ob ich eine Zeit unter 30 Minuten laufen kann.»

Berner Zeitung, Freiburger Nachrichten, Bieler Tagblatt, FinisherClip

Berner Zeitung: Adrian Lehmann ist wieder da – Foto von Raphael Moser


08.03.2017 – Zeit um die Misere zu beenden

Genug ist genug

Im Januar und Februar absolvierte Ädu in Magglingen ein vierwöchiges Trainingslager, bei dem die vollständige Rehabilitation im Vordergrund stand. Ädu kam immer besser in Form und freute sich auf seinen ersten Wettkampf nach der langen Verletzungspause. Doch bekanntlich kommt alles anders als man denkt.

Manchmal läuft es im Leben nicht so wie erwartet und erhofft. Eine Situation, die Ädu in den vergangenen Monaten gleich mehrfach durchleben musste. Rückblende: Seit anfangs September bekundete der 27-Jährige Schmerzen im Bereich des Gesäss und musste seine Saison frühzeitig beenden. Als Ursache wurden muskuläre Probleme diagnostiziert. Nach zweieinhalb Wochen ohne Lauftrainings liessen die Schmerzen nach und Ädu konnte wieder sanft ins Training einsteigen. Doch bereits in der ersten richtigen Trainingswoche kehrten die Schmerzen zurück. Eine erneute MRI-Untersuchung brachte Klarheit: Ermüdungsbruch im Kreuz- sowie eine Entzündung im Darmbein waren die Ursache für die wiederkehrenden Schmerzen. «Erst nach sechs Wochen wurden die wirklichen Ursachen meiner Probleme gefunden, dadurch verlor ich viel Zeit.» 

Häufung der «blöden Situationen»

Dank wöchentlichen Besuchen beim Physiotherapeuten, vielen Stunden im Wasser und auf dem Rad sowie dem AlterG, dem Anti-Schwerkraft-Laufband, ging es in der Folge langsam aber kontinuierlich aufwärts. In den Monaten Januar und Februar absolvierte der Marathonspezialist ein vierwöchiges Trainingslager in Magglingen, bei dem die vollständige Rehabilitation im Zentrum stand. Trotz stetiger Fortschritte entschied er sich dafür, die WM-Limite nicht anzugreifen und sich stattdessen auf die Schweizer Strassenläufe und auf den Berlin Marathon vom 24. September zu konzentrieren. Als Abschluss des Trainingslagers wollte Ädu am Gettnauer Crosslauf auf die Wettkampfbühne zurückkehren. Anstelle einer erfolgreichen Rückkehr musste er jedoch das Bett hüten. Eine langwierige Erkältung verunmöglichte einen Start behinderte auch mehrere Tage lang das Training. Nachdem er sich vollständig erholt hatte, freute sich Ädu umso mehr auf den Auftritt an der Cross-SM, welche unweit seiner WG in Köniz stattfand. Doch es sollte nicht sein. Eine Magendarmgrippe legte den Langenthaler erneut flach – an einen Start war wiederum nicht zu denken. «In den vergangenen Monaten haben sich die blöden Situationen gehäuft. Hinzu kam eine für mich persönlich schwierige Zeit, die ihren Teil zu meinen physischen Problemen beigetragen haben dürfte.»

Comeback am Kerzerslauf

Ein Blick in die Trainingstagebücher der vergangenen Jahre zeigt, dass Ädu in seiner ganzen Karriere wohl noch nie so oft krank und verletzt gewesen ist, wie in den vergangenen Monaten. «Das macht mich natürlich stutzig und ich frage mich, wieso das so ist. » Doch wer Ädu kennt weiss, das Trübsal blasen trotz Misserfolgen und Tiefs nicht zu ihm passen würde. «Wenn ich dafür bis zu den Olympischen Spielen in Tokio gesund und verletzungsfrei durchkomme, geht das in Ordnung. Mein Körper hat sich die Zeit der Erholung genommen, die er gebraucht hat. Nun reicht es aber und ich freue mich auf die vielen positiven Momenten, die der Sport mir geben kann.» Bereits in zwei Wochen, anlässlich des Kerzerslaufs, möchte er definitiv wieder hinter der Startlinie stehen und Hochgefühle erleben.

Wettkampfkalender

Höhenflüge

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Morgenstimmung


02.02.2017 – Schritt für Schritt zurück

«Land in Sicht!»

Momentan befindet sich Ädu in Magglingen, wo er ein vierwöchiges Trainingslager absolviert. Dabei steht die vollständige Rehabilitation im Zentrum.

In Magglingen oberhalb von Biel arbeitet Ädu zurzeit hart an seinen Defiziten. Momentan kann er rund 110 Kilometer pro Woche laufen, was einem Bruchteil seines normalen Pensums von 200 Kilometern entspricht. Dazu kommen Ausdauereinheiten auf dem Rad, dem Crosstrainer und im Schwimmbad. Zwei bis dreimal pro Woche stehen zudem Physiotherapie-Stunden an, wo gezielt an den Schwachpunkten im Bereich Kraft und Beweglichkeit gearbeitet wird. «Es läuft momentan sehr gut und ich mache stetig Fortschritte», so Ädu. Und die Hauptsache: «Ich kann meine Trainings ohne Schmerzen absolvieren und wieder normal rennen.»

Kein Angriff auf die WM-Limite

Dennoch geht es immer nur Schritt für Schritt voran: «Für mich als Sportler definitiv zu wenig schnell. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, im April einen Marathon in Bestzeit zu laufen.» Deshalb hat sich Ädu vor einigen Tagen entschieden, auf einen Angriff der Limite für die diesjährigen Weltmeisterschaften, welche im August in London stattfinden werden, zu verzichten. Stattdessen wird er sich auf die Schweizer Stadtläufe konzentrieren. «Ich möchte am GP Bern aber auch an der 10-Kilometer-SM auf der Strasse und auf der Bahn starten.» Ende Mai wird er eine Saisonpause einlegen und sich danach gezielt auf den Berlin Marathon vom 24. September vorbereiten. In der Hauptstadt soll die 2015 aufgestellte Bestzeit von 2:15.08 fallen. «Wenn ich mir genügend Zeit für den Aufbau lasse und die Übungen immer laufspezifischer werden, sollte mir der Übergang von der Reha zum normalen Trainingsalltag gelingen. Meine physischen Voraussetzungen sind besser denn je, deshalb bin ich überzeugt, dass 2017 trotz meiner langen Verletzungspause ein ziemlich gutes Jahr werden könnte.»

Den Sonnenaufgang aufgenommen aus meinem Zimmer in Magglingen.


14.12.2016 – Endlich wieder laufen

Der lange Weg zurück

Vor einer Woche lud Ädu Sponsoren, Gönner aber auch sein medizinisches Umfeld zum Saisonabschluss nach Langenthal ein. Nach einem Rückblick auf die vergangene Saison folgte ein Ausblick auf die kommenden Jahre.

Das Restaurant Braui in Langenthal war Treffpunkt für Ädus Sponsorenabend. 25 Personen, die ihn auf seinem Weg begleiten, folgten seiner Einladung. Nach einem kurzen Saisonrückblick, in dem die Highlights mit dem Team-EM-Titel im Halbmarathon und der Halbmarathon-PB im Mittelpunkt standen, folgte ein Ausblick auf die kommenden vier Jahre. Ädu wird alles daran setzten, um sich 2020 seinen olympischen Traum zu erfüllen. Ein vieldiskutiertes Thema an diesem Abend war aber auch sein aktueller Gesundheitszustand

Physio, Alternativtraining und ein wenig Lauftraining

Im Herbst wurde er durch einen Ermüdungsbruch im Kreuzbein gestoppt und musste wochenlang aufs Lauftraining verzichten. Nun geht es langsam aber sicher wieder aufwärts. Vor zwei Wochen ergab ein CT-Untersuch, dass Ädus Bruch am Kreuzbein nun verheilt ist. Was zurückbleibt sind Schmerzen im Gesäss, die vor allem in Bewegung auftreten. Wöchentlich besucht der Marathonspezialist deshalb die Physiotherapie und arbeitet gemeinsam mit seiner Therapeutin an seinen Schwachstellen. Neben den Alternativeinheiten wird der Laufanteil nun langsam gesteigert. «Letze Woche durfte ich erstmals wieder draussen in der Natur joggen gehen und war zusätzlich einmal auf dem AlterG, dem Anti-Schwerkraft-Laufband, bei dem man einstellen kann, mit wie viel Prozent des Körpergewichts man läuft.» Doch wer denkt, dass Ädu nun gleich wieder 30 oder gar 40 Minuten am Stück laufen kann liegt falsch. «Das Lauftraining besteht momentan vor allem aus vielen Gehpausen. Ich laufe beispielsweise zehnmal eine Minute und gehe dazwischen 30 Sekunden.» In der zweiten Wochen durfte er nun bereits zweimal joggen. Dazu kommen momentan acht Alternativeinheiten pro Woche, bei denen die Intensität und der Umfang langsam gesteigert wird.

Kein Trainingslager in Kenia

Der Trainingsplan wird von Ädus Vater und Coach in Absprache mit dem betreuenden Arzt, Dr. med. German Clénin, erstellt. «Langsam fühle ich mich wider wie ein richtiger Sportler. Ich kann auch alternativ hart trainieren. Klar ist es nicht die gleiche Zufriedenheit wie wenn ich in der Natur trainiere. Aber ich bin froh, dass ich mich auch auf dem Rad oder im Hallenbad richtig ausgeben kann.» Die Idee ist, dass Ädu nach sechs Wochen wieder die gewohnten Trainingseinheiten absolvieren kann. «Danach wird es sicher noch einige Wochen dauern, bis ich wieder die normalen Umfänge trainieren kann. Nach wie vor braucht es viel Geduld und ich freue mich extrem, wenn der Laufanteil an meinen Trainingseinheiten steigt.» Das im Januar geplante Trainingslager in Kenia wird Ädu nicht bestreiten können. «Ich kann dann noch zu wenig Laufeinheiten absolvieren. Zudem sind die alternativen Trainingsmöglichkeiten vor Ort sehr beschränkt, weshalb eine Reise nach Kenia keinen Sinn macht.» Wenn alles nach Plan läuft, möchte der Langenthaler im April einen Städtemarathon bestreiten. «Wenn ich aber sehe, dass ich nicht so weit bin, werde ich mich gezielt auf einen Herbstmarathon vorbereiten.»


13.10.2016 – Ermüdungsbruch

Verlängert Zwangspause

Vor zweieinhalb Wochen konnte Ädu das Training nach der Zwangspause endlich wieder aufnehmen. Jedoch kehrten die Schmerzen im Gesäss nach der ersten richtigen Trainingswoche zurück. Die niederschmetternde Diagnose lautet: Ermüdungsbruch am Kreuzbein und eine Entzündung im Darmbein.

Mitte September musste Ädu seine Saison frühzeitig beenden. Schmerzen im Gesässbereich verunmöglichten das Lauftraining. «Der behandelnde Arzt vermutete einen eingeklemmten Nerv als Ursache für meine Schmerzen. Anhand einer MRI-Untersuchung konnte diese Vermutung jedoch nicht bestätigt werden. Stattdessen wurden muskuläre Probleme als Ursache diagnostiziert.» In der Zwangspause liessen die Schmerzen nach. So stieg Ädu vor zweieinhalb Wochen wieder sanft ins Training ein und steigerte den Umfang langsam. Doch bereits in der ersten richtigen Trainingswoche kehrten die Schmerzen zurück. Das Resultat einer erneuten MRI-Untersuchung lautete Ermüdungsbruch im Kreuz- sowie eine Entzündung im Darmbein. Als Folge werden die Laufschuhe von Ädu für voraussichtlich sechs Wochen im Schrank bleiben. «Bis Ende Jahr falle ich aus und werde erst 2017 wieder an Wettkämpfen teilnehmen können.»

Sechs Wochen Laufpause

Bereits vor der zweiten Untersuchung hatte sich Ädu mit einem möglichen Bruch und der damit verbundenen Laufpause auseinandergesetzt. «Im Endeffekt bin ich froh, dass es nichts Schlimmeres ist.» Schmerzen habe er nur ab und zu bei «blöden» Bewegungen im Alltag. Zwei Wochen lang ist er auf Krücken angewiesen, um so das Gesäss zu entlasten. Statt Lauftrainings stehen nun Fussgymnastik, Schulterkräftigung, leichtes Dehnen und Wassertraining auf dem Trainingsplan. «Obwohl ich kein guter Schwimmer bin, überwiegt die Freude und Erleichterung, überhaupt Sport treiben zu dürfen.» So ist Ädu momentan sechs Mal pro Woche beim Aquajoggen oder Schwimmen anzutreffen, ein Pensum, welches er in Absprache mit dem Sportarzt laufend steigern darf. Gemeinsam mit seinem Vater und Coach wird Ädu in den nächsten Tagen anhand seines Trainingstagebuches analysieren ob in der Marathonvorbereitung zu viel oder falsch trainiert wurde und Schlüsse daraus ziehen.

Verletzungen können stärker machen

Ädu hat die momentane Situation akzeptiert und versucht das Beste daraus zu machen. «Ich bin weder demotiviert noch deprimiert. Das einzige Frustrierende an der ganzen Sache ist die Tatsache, dass ich insgesamt rund drei Monate im Aufbau verloren habe. Zudem werde ich nach der Pause nicht voll einsteigen können und noch mehr Zeit verlieren. Da ich noch nie verletzt war, fehlt mir in diesem Bereich die Erfahrung und eine gewisse Unsicherheit schwingt mit.» Jedoch motiviere ihn die Tatsache, dass schon viele Spitzenathleten nach einer Verletzung stärker zurückgekommen sind. «Negative Gedanken bringen mich nicht weiter. Stattdessen versuche ich mich jeweils auf die Tage und Wochen zu konzentrieren, welche vor mir liegen. So lautet mein momentanes Ziel besser schwimmen zu lernen.»

Hallenbad

Man hat zwei Möglichkeiten bei einer Verletzung: Entweder man blasst Trübsal und bemitleidet sich selbst oder man akzeptiert die Situation und holt das Beste daraus heraus. Mein Entscheid steht fest.


15.09.2016 – Verfrühtes Saisonende

Wenn der Körper nicht mehr mitspielt

Seit zwei Wochen kann ich nicht mehr rennen. Ein abstrahlender Schmerz in die Hamstrings hindert mich an brauchbaren Laufeinheiten. Nach ärztlichen Abklärungen habe ich nun meine Saison vorzeitig beendet.

Am Wochenende des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests traf ich mich mit Marcel Berni und Fabian Kuert für einen Longrun. Gemeinsam liefen wir 35km der Gürbe entlang. Auf den letzten 8km setzten wir in der brütenden Sonne einen Zacken zu. Es lief mir sehr gut und ich konnte bei den knapp 30 °C meine angestrebte Pace durchhalten. Beim lockeren Auslaufen verspürte ich dann ein Ziehen im Gesäss. Für mich war dies nichts Bedenkliches. Nach einer so intensiven Einheit kommt es ab und zu vor, dass etwas schmerzt. Zurück zu Hause versuchte ich die Muskulatur mit der Blackroll zu lösen.

Massage und Alternativtraining sind nicht genug

Auch am nächsten Tag verspürte ich den Schmerz. Den Versuch einen Dauerlauf zu machen, beendete ich nach wenigen Minuten. Alternativ nahm ich das Rennvelo aus dem Keller und spulte so mein Training ab. Ich unternahm alles in den folgenden Tagen. Massagen und Mobilisation in aller Art veränderten zwar mein Empfinden, laufen konnte ich aber trotzdem nicht. Mit Velo- und Aquatrainings versuchte ich meine Form aufrecht zu erhalten.

Kein ernsthafter Schaden

Es musste Klarheit hin. Darum liess ich am Dienstag ein MRI machen. Heraus kam, dass meine Knochen, Nerven und Bandscheiben in Ordnung sind. Somit konnten die schlimmsten Befürchtungen ausgeschlossen werden. Mein Problem ist eine zu hohe Muskelspannung, die wirklich tief in der Muskulatur sitzt. Im Gespräch mit Dr. Deitmer der Cross Klinik in Basel und anschliessend mit meinem Vater haben wir nun entschieden, dass ich meine Saison frühzeitig beende. Mein Körper braucht Ruhe, damit er entspannen kann. Da es unvernünftig wäre, sobald ich wieder schmerzfrei joggen kann, direkt einen Marathon zu laufen, werde ich in diesem Jahr nicht mehr über die 42.195km antreten.

Ziele noch unklar

Sofern die Pause ihre Wirkung tut, was ich schwer hoffe, plane ich anfangs Oktober wieder mit dem Training zu starten. Im Spätherbst und anfangs Winter möchte ich dann an Strassen- oder Crossläufen teilnehmen. Wo und wann ich den nächsten Marathon anvisiere, weiss ich noch nicht. Feststeht, dass ich mich für die WM 2017 in London zu qualifizieren versuche. Dafür muss ich bis Ende April unter 2:15 laufen.

Saisonende

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Die ganz harten Muskelstränge versuchten wir mit Nadeln zu lösen.


13.08.2016 – Trainingslager St. Moritz #2

Von Grenzerfahrungen

Während den letzten Tagen meines vierwöchigen Höhentrainingslagers in St. Moritz stiess ich einige Male an meine psychischen und physischen Grenzen. Doch ab welchem Zeitpunkt ist die Schmerzgrenze überschritten und wann könnte man trotz Müdigkeit, schweren Beinen und mentaler Schwäche seinem Körper noch mehr abverlangen?

Nach dem erfolgreichen Abschneiden am EM-Halbmarathon in Amsterdam, gönnte ich mir eine kurze Trainingspause, welche ich in England verbrachte. Mit der Fahrt nach St. Moritz fiel der Startschuss zur Vorbereitung auf die CISM-Militär-Weltmeisterschaften, die am 2. Oktober in Turin stattfinden werden. Die EM hat mit gezeigt, dass die Schnelligkeit stimmt. Die Motivation, um im Engadin qualitativ hochstehende Kilometer zu sammeln und mich optimal auf den bevorstehenden Marathon vorzubereiten, war dementsprechend gross. Doch meist kommt alles anders als geplant. Nach der Akklimatisierung wurde ich – wie bereits im Höhentrainingslager vor Amsterdam – krank. Ich verpasste die zweite Trainingswoche fast vollständig. Emotional war dies eine sehr schwierige Zeit. Ich war nach St. Moritz gekommen, um Vollgas zu geben und nun so etwas. Natürlich habe ich mich gefragt, warum ich bereits zum zweiten Mal im Höhentrainingslager krank geworden war. Hatte ich zu früh zu viel gemacht, die externen Reize durch die Höhe unterschätzt und bereits eine Grenze überschritten? Oder war meine Erkrankung einfach Zufall? Fragen über Fragen, die man so nicht beantworten kann. Auf jeden Fall werde ich als Folge im nächsten Trainingslager prophylaktische Massnahmen ergreifen, um einer erneuten Erkältung vorzubeugen. Weniger intensiv trainieren, werde ich hingegen nicht. Statt mich auszupowern, gab ich meinem Körper die nötige Ruhe und Erholung, um wieder zu Kräften zu kommen.

Der Kampf gegen den inneren Schweinehund

In der dritten Trainingslagerwoche konnte ich dann endlich richtig trainieren. Ich absolvierte Einheit um Einheit und kam in der Folge immer besser in Fahrt. Am Ende der dritten Woche, nach meinem zweiten Longrun über 39 Kilometer, machten sich die ersten „Wehwehchen“ bemerkbar. Ein Zehennagel begann sich zu lösen. Ich spielte mit dem Gedanken, ein Training auszulassen und zu pausieren. Schliesslich entschied ich mich durchzubeissen. Die Tage nach der ungewohnt langen und intensiven Belastung wurden richtig hart. Am Sonntag absolvierte ich zwei lockere Trainings mit einer pulsierenden Zehe, ehe am Montag bereits die nächste Belastung über fünf, vier, drei und zwei Kilometer mit je 600 Meter Trabpause dazwischen anstand. Dabei kam ich das erste Mal so richtig an meine physischen und psychischen Grenzen. Der erste Lauf ging relativ gut, doch schon den zweiten empfand ich als hart. Beim dritten Lauf über drei Kilometer, musste ich mich bereits ausbelasten, um die Vorgaben zu erreichen. Der letzte Lauf, der eigentlich der schnellste sein sollte, wurde danach richtig heftig. Bereits die erste Hälfte des Zwei-Kilometer-Laufes verging in gefühltem Schneckentempo. Nachdem ich den ersten Kilometer noch in 2:55 Minuten absolviert hatte, brach ich auf dem letzten Kilometer ein und lief lediglich noch eine Zeit von 3:10 Minuten. Danach war ich total zerstört. Nach dem Mittag versuchte ich zu schlafen, doch Fehlanzeige: Meine Beine fühlten sich an als wären sie elektrisiert und liessen mich kein Auge zu machen. Negative Gedanken wie „ich bin doch ein armer Kerl“ gingen mir stattdessen durch den Kopf. Doch einmal mehr wurde mir bewusst, dass das Leiden einfach „Part of the Game“ war und zum täglichen Leben eines Marathonläufers einfach dazugehört.

Ein Marathonläufer darf kein Weichei sein

Am Dienstag absolvierte ich einen zügigen Dauerlauf an 75 und am Nachmittag einen lockeren an 60 Minuten. Am Mittwoch stand dann der nächste Longrun an. Insgesamt 35 Kilometer mit fünf schnellen am Schluss standen auf meinem Plan. Meine Beine fühlten sich bereits beim Loslaufen richtig schwer und müde an. Während dem ganzen Lauf kämpfte ich gegen das Selbstmitleid. Besonders schlimm waren die Bergab-Passagen, bei welchen meinen Beine schmerzten. Schliesslich gewann ich den Kampf gegen mich selbst und konnte insgesamt ein gutes Training abliefern. Den freien Nachmittag verbrachte ich in der Sauna und mit Schlafen, was meiner Seele und meinem Körper gut tat. Mit dem Gedanken, dass es erst am Samstag wieder richtig hart werden würde, ging es mir gleich noch ein Stück besser. Am Donnerstagmorgen stand wieder ein zügiger Dauerlauf auf dem Plan, was in „normalem Zustand“ sicher kein Problem gewesen wäre. Doch so wie ich mich fühlte – ich konnte nicht einmal normal die Treppe herunterlaufen – war ein zügiger Dauerlauf eine echte Herausforderung. Nach einem langen Telefongespräch mit meinem Vater und Coach, entschieden wir uns das Training trotzdem zu machen und noch einmal durchzubeissen, schliesslich war es ja ein Trainingslager. Der Dauerlauf entwickelte sich dann zu einem inneren Kampf gegen mich selbst. Hatte ich mein Limit erreicht, ja gar überschritten oder war ich einfach ein Weichei und kein richtiger Marathonläufer? War ich auf dem besten Weg ins Übertraining zu laufen, wie ich es bereits in den Jugendjahren erlebt hatte oder brauchte es genau dieses eine Training noch, um besser zu werden? Ich versuchte mir einzureden, dass Spitzenathleten wie beispielsweise Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig noch viel härter trainierten und litten als ich. Schliesslich siegte der Sportlergeist und ich absolvierte den Dauerlauf unter der vorgegebenen Pace.

Sieg am „Münsiger Louf“ zum Trainingslagerabschluss

Am Freitag startete ich zu meinem letzten Dauerlauf des diesjährigen Trainingslagers. Es lief schon viel besser und meine Beine fühlten sich wieder etwas lockerer an. Ich frage mich, ob es sinnvoll wäre, permanent so hart zu trainieren wie in den vergangenen Tagen, um in den Flow zu kommen und die eigenen Grenzen nach oben zu verschieben. Schon lustig, wie widersprüchlich die Gedanken von Tag zu Tag sein können. Als Abschluss des Trainingslagers startete ich am Samstagnachmittag am „Münsiger Louf“. Auf der Hinfahrt spürte ich meine harten Waden und Beine. Das Körpergefühl vor einem Wettkampf war definitiv schon besser. Dennoch wollte ich noch einmal alles geben, und meine persönlichen Grenzen überwinden. Zu verlieren hatte ich nach der harten Vorbelastung der vergangenen Wochen definitiv nichts. Die Vorfreude auf den Kampf Mann gegen Mann war riesig, obwohl mir die grossen Temperaturunterschiede vom Engadin ins sommerliche Flachland etwas Sorgen bereiteten. Nach 10 Kilometern lief ich mit einer Sekunde Vorsprung auf Fikru Dadi in einer Zeit von 30.59.5 als Erster über die Ziellinie. Somit konnte ich meinen Sieg aus dem Vorjahr verteidigen und das Trainingslager versöhnlich abschliessen.

Rangliste

Trainingslager St. Moritz

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Der erste Abend zurück im Engadin. Es ist schön wieder hier zu sein.


10.07.2016 – Europameisterschaften Amsterdam

«Wir konnten es gar nicht glauben!»

Unglaublich. An der EM in Amsterdam gewinnt das Schweizer Halbmarathon-Team den Europameistertitel. Mittendrin: Ädu, der mit Rang 26 als drittplatzierter Schweizer einen grossen Teil zum Teamerfolg beiträgt.

Ädu wird in Amsterdam Team-Europameister im Halbmarathon und läuft in der Einzelwertung auf den sensationellen 26. Rang – wer hätte das gedacht? Im Vorfeld hatte der 26-Jährige eine Platzierung in den ersten 40 als Ziel formuliert. Mit dem Team träumte er von einer Rangierung in den Top 5. «Auch im Nachhinein war diese Einschätzung realistisch. Doch die Halbmarathon-EM hat gezeigt, dass man drei gute Leute braucht, welche das Rennen ins Ziel laufen können. Tade war in Topform, Julien wuchs über sich hinaus und zeigte ein gigantisches Rennen. Auch mein Resultat war top und nicht zuletzt hatten wir sicher auch ein wenig Glück», so Ädu. Tadesse Abraham kürte sich in 1:02:03 zum ersten Europameister im Halbmarathon. Julien Lyon lief in neuer persönlicher Bestzeit von 1:04:40 auf Rang 15. Für Ädu stoppten die Uhren nach 1:05:21. Die weiteren Schweizer liefen als 47. (Christian Kreienbühl, 1:07:09), 67. (Marcel Berni, 1:08:47) und 80. (Andreas Kempf, 1:11:10) durchs Ziel. Zur Teamwertung zählten jeweils die besten drei Resultate pro Nation. Die Schweiz gewann mit zwei, respektive 37 Sekunden Vorsprung vor Spanien und Italien den EM-Titel.

Vier Wochen Marathonvorbereitung in St. Moritz

«Dieser Erfolgt zeigt mir, dass viel mehr möglich ist, als man denkt. Es motiviert mich für die nächsten Trainingswochen und Rennen. Nicht zuletzt ist diese Goldmedaille für viele junge Athleten auch Motivation für einen Wechsel auf die längeren Distanzen. Ich bin sicher, dass wir an der EM 2018 in Berlin mit einem noch stärkeren Team an den Start gehen können», so der frisch gekürte Team-Europameister. Die Aussage von Christian Kreienbühl über die Faszination, wie aus vielen kleinen Schritten etwas Grossartiges, vorher Unvorstellbares entstehen könne, fasst die erbrachte Teamleistung in wenigen aber treffenden Worten zusammen. Nach ein paar ruhigeren Trainingstagen und einem Besuch in London, wo Freundin Miriam einen Sprachaufenthalt absolviert, wird Ädu sich ab kommenden Montag in St. Moritz vier Wochen lang auf den bevorstehenden Herbstmarathon vorbereiten. Auch vor dem Halbmarathon in Amsterdam bestritt er im Engadin ein Höhentrainingslager – ein gutes Omen also.

Wie Ädu das Rennen, seine Aufholjagd und den Gewinn des Europameistertitels erlebt hat, gibt es hier zum Nachlesen:

Vor dem Start:

Bereits beim Frühstück war ich relativ locker, nicht zu vergleichen mit der Heim-EM in Zürich, wo die Nervosität enorm war. Die Vorfreude auf das bevorstehende Rennen war gross, von Druck hingegen keine Spur. Gemeinsam mit meinem Zimmerkollegen und Mitbewohner Ändu Kempf hörte ich im Zimmer noch etwas Musik und legte meine Wettkampfsachen bereit. Dann ging es auch schon mit dem Bus los Richtung Startgelände. Dort angekommen, wechselte ich noch ein paar Worte mit meinen Eltern, trank einen ersten WINFORCE Booster und machte mich dann gemeinsam mit meinen Teamkollegen ans Einlaufen. Bereits 35 Minuten vor dem Start mussten wir in den Callroom. Da es recht heiss war, kühlte ich meinen Körper immer wieder mit Wasser herunter. Ich war nach wie vor sehr fokussiert aber trotzdem nicht wirklich nervös. Nach den letzten Steigerungen hiess es auch schon einstehen zum Start. Ich reihte mich, im Wissen um die Schikane bei der Startpassage, relativ weit hinten ein.

Start

Um 9.50 Uhr war es dann endlich so weit: Gemeinsam mit 91 anderen Athleten wurde ich auf die 21-Kilometer lange Strecke geschickt. Zu Beginn wurde sehr vorsichtig gelaufen. Dennoch kam es vor mir zu einem Sturz. Nach dem kurzen Schreckmoment kam ich gut ins Rollen. Erst nach drei Kilometer, sah ich die erste Zwischenzeit. Mit einem 3-Minuten-Schnitt war ich etwas zu zügig unterwegs. Obwohl mein Körpergefühl gut war, nahm ich etwas an Tempo raus und lief weiterhin hinter dem grossen Feld.

5 Kilometer: Zwischenrang 54

Nach fünf Kilometern stellte ich von der Startphase in die Rennphase um. Zur Kontrolle schaute ich noch ab und zu auf die Uhr, ansonsten versuchte ich mich jedoch auf mein Körpergefühl und meinen Rhythmus zu konzentrieren und möglichst viele Ränge gut zu machen. Ich konnte ständig überholen und mich Schritt für Schritt nach vorne arbeiten. Im Vondelpark, den wir insgesamt zweimal passierten, hatte es extrem viele Schweizer Fans. Zudem entdeckte ich im Publikum bekannte Gesichter aus meinem Fanclub. Das war extrem cool und motivierend und gab mir die nötige Lockerheit. Unterwegs versuchte ich meinen Körper mit Schwämmen herunter zu kühlen.

10 Kilometer Zwischenrang 36

Nach 10.5 Kilometern war die erste Runde absolviert und wir liefen erneut durchs Rijksmuseum. Im Wissen, dass ich bereits die Hälfte geschafft hatte, versuchte ich weiter zu rollen um noch mehr Plätze gut zu machen. Von weitem sah ich auch Julien Lyon laufen und nahm mir vor, ihn bis ins Ziel noch einzuholen. Unterwegs konnte ich immer wieder Leute überholen, die viel bessere Bestzeiten aufwiesen als ich. Das hat mich sehr motiviert und gefreut, trotzdem blieb ich ruhig und lief konzentriert weiter. Nach rund 13 Kilometer gab es eine Lücke zwischen mir und den vor mir laufenden Athleten. Ich ergriff die Initiative und versuchte die Lücke zu schliessen. Im Schlepptau folgten mehrere Läufer wie Julian Flügel (GER), David Nilsson (SWE) oder der Rumäne Marilius Ionescu, mit dem ich einen Grossteil des Rennens gemeinsam lief und zusammenarbeitete. Bei dieser Aufholjagd auf der anspruchsvollen Strecke mit acht kleinen Brücken pro Runde, Pflastersteinen, vielen Ecken und der Hitze, verbrauchte ich sehr viel Energie.

15 Kilometer: Zwischenrang 25

Fünf Kilometer vor dem Ziel liefen wir erneut durch den Vondelpark. Ich begann zu leiden, wusste aber, dass ich super im Rennen lag und versuchte weiter zu kämpfen. Peter Haas rief mir zu, dass es um eine Team-Medaille gehe. Obwohl ich nicht wusste, ob dies stimmte, motivierte mich der Gedanke. Ab Kilometer 18 musste ich mich richtig zusammennehmen, weiter effizient und locker zu laufen. Gemeinsam mit meiner Gruppe rund um Julian Flügel liefen wird auf die letzten Kilometer zu. Ich litt extrem, setzte aber alles daran, den Kontakt zur Gruppe aufrecht zu erhalten. Immer wieder dachte ich ans Teamresultat und biss mich durch.

20 Kilometer: Zwischenrang 23

Vom Museumsbogen bis ins Ziel waren es nur noch wenige Meter. Zu einem Schlussspurt war ich nicht mehr fähig. So musste ich mich noch von mehreren Läufern überspurten lassen, was mich im Nachhinein natürlich etwas nervte.

Ziel: Rang 26

Total ausgepumpt erreichte ich das Ziel als 26. Nachdem ich mich einigermassen erholt hatte, gratulierte ich Tade zu seinem sensationell erlaufenen EM-Titel und Julien zu seinem starken Rennen. Nach und nach erreichten auch die weiteren Schweizer Athleten das Ziel. Dann ging das lange Warten los. Man sprach von einer Team-Medaille, offiziell war jedoch noch nichts. Bereits da war die Freude riesig, mit einer Medaille hatte wirklich niemand gerechnet. Zuerst hiess es, wir hätten Bronze gewonnen. Doch dann ging das Gerücht herum, dass Julien Lyons Zeit nicht richtig registriert worden sei und wir sogar gewonnen hätten. Nach der Siegerehrung von Tade begaben wir uns in die Mixed-Zone. SRF-Moderator Jann Billeter bestätigte uns dann den Gewinn der Goldmedaille. Wir konnten es gar nicht fassen und liessen unserer Freude freien Lauf. Zurück im Hotel wurden wir vom Schweizer Team empfangen und gefeiert. Nach einem Auslaufen und Mittagessen machten wir uns auf den Weg ins Stadion.

Siegerehrung: Gold in der Teamwertung

Im Team empfingen wir unsere Medaille und sangen gemeinsam die Landeshymne. Ein unbeschreibliches Gefühl. Alles war extrem intensiv. Während wir unser Glück kurz nach dem Rennen gar nicht fassen konnten, war die Rangverkündigung schon viel realer. Ich versuchte, den Moment aufzusaugen und einfach zu geniessen. Anders als noch in Zürich, hatte ich nun meinen Teil zum Teamerfolg beigetragen, dadurch gewann die Medaille für mich persönlich eine noch viel grössere Bedeutung. Nach der Rangverkündigung verfolgten wir die letzten Entscheidungen im Stadion. Am Abend feierten wir unseren unerwarteten EM-Titel ausgiebig, ehe wir am Montagmorgen die Heimreise antraten.

Zusammenfassung SRF Sport, Fazit von Peter Haas, Chef Leistungssport, Bericht von Swiss Athletics, BZ, Blick, Tages-Anzeiger

EM Amsterdam

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Rijksmuseum Start und Ziel. - Foto von athletix.ch


06.07.2016 – Vorschau Europameisterschaften Amsterdam

Andere Ausgangslage als in Zürich

Am Sonntag wird Ädu in Amsterdam an seinen zweiten Europameisterschaften auf der Strasse teilnehmen. Gemeinsam mit Tadesse Abraham, Christian Kreienbühl, Julien Lyon, Marcel Berni und Andreas Kempf bestreitet er den Halbmarathon.

Am Donnerstagmorgen werden die Halbmarathonläuferinnen und –läufer nach Amsterdam reisen und das 50-köpfige Schweizer EM-Team komplettieren. Für Ädu wird es nach der Heim-EM in Zürich, wo er vor zwei Jahren den Marathon bestritt, der zweite Start an Kontinentalkämpfen auf der Strasse sein. Nach dem einmonatigen Trainingslager in St. Moritz wurde zu Hause in Bern noch einmal drei Wochen lang hart trainiert. Als Trainingswettkampf bestritt er zudem den Derendinger Abendlauf, welchen er vor seinem Teamkollegen Fabian Kuert für sich entscheiden konnte. «Bis Mitte letzte Woche standen intensive Einheiten auf dem Plan, die mich sehr zuversichtlich stimmen», so Ädu. Nun steht die Vorbereitung auf den Halbmarathon vom Sonntag im Fokus. «Mental aber auch physisch wird nun runtergefahren, was nicht immer einfach ist.»

«Einfach mitlaufen»

Der Start zum Halbmarathon erfolgt am kommenden Sonntag um 9.50 Uhr. «Wir erwarten Temperaturen um 20 Grad herum und viel Wind. Das wird sicher Einfluss auf die potenziellen Endzeiten haben», so Ädu. Nichtsdestotrotz möchte der 26-Jährige eine Zeit unter 65 Minuten realisieren. «Dies sollte auch bei nicht ganz perfekten Bedingungen möglich sein. Wenn alles aufgeht, möchte ich meine persönliche Bestleistung, welche seit dem Halbmarathon in Berlin bei 1:04.29 steht, angreifen.» Rangmässig ein Ziel festzulegen, sei hingegen schwer. «Im Bereich meines Leistungsniveaus gibt es sehr viele Läufer. Dementsprechend erwarte ich ein dichtes Feld. Das bringt den Vorteil mit sich, dass ich sicher nicht alleine unterwegs sein werde. Stattdessen kann ich einfach mitlaufen, hoffentlich ein super Rennen zeigen und versuchen, am Ende möglichst viele Ränge gut zu machen. Eine Platzierung in der ersten Ranglisten-Hälfte wäre toll.» Die drei besten Resultate pro Land kommen in die Team-Wertung. Ädu wird alles daran setzten, seinen Teil zu einem tollen Teamergebnis beizutragen. «Für einmal sind wir Schweizer Athleten eher Teamkollegen statt Gegner. Die ausländische Konkurrenz ist jedoch extrem stark. Wenn wir uns als Team in den Top-5 platzieren könnten, wäre das schlichtweg genial.»

Traum wird Realität

Die EM in Amsterdam sei nicht mit der Heim-EM vergleichbar. «Vor zwei Jahren hat das EM-Fieber bereits Wochen vor dem Tag X eingesetzt. Bis letzte Woche war ich vergleichsweise sehr ruhig. Doch nun ist alles sehr intensiv und die Spannung im Unterbewusstsein steigt stetig an.» Das letzte harte Training sei richtig schlecht gewesen, wie schon so oft vor wichtigen Wettkämpfen. «Ich habe gelernt, dies als gutes Omen anzusehen. Die steigende Anspannung zeigt, dass die EM für mich etwas richtig Grosses und Wichtiges ist und keine Selbstverständlichkeit. Ich werde am Tag X alles geben und versuchen mein Rennen zu laufen.» Dass mit Marcel Berni und Mitbewohner Andreas Kempf gleich zwei seiner besten Trainingskollegen gemeinsam mit ihm am Start stehen werden, ist für Ädu eine ganz grosse Sache. «Vier der sechs Team-Mitglieder gehören meiner Generation an, das ist extrem cool. Während wir früher an Länderkämpfen davon geträumt haben, einmal gemeinsam an einer EM bei den «Grossen» zu starten, wird dieser Traum nun Realität. Ich freue mich extrem auf die Anreise, die Vorbereitung und den Wettkampf mit meinen Jungs.»

Für Unterstützung ist gesorgt

Auch auf heimische Unterstützung darf Ädu in Holland zählen. «Die ganze Familie inklusive meinem kleinen Neffen Andrin sowie mehrere Mitglieder meines Fanclubs werden mich vor Ort lautstark unterstützen. Darauf freue ich mich sehr.» Bisher hat er lediglich den Flughafen von Amsterdam gesehen. «Ich freue mich, eine neue Stadt zu entdecken. Schon während dem Rennen werde ich etwas von Amsterdam sehen und danach bleibt sicher noch Zeit für einen kleinen Ausflug.»

SRF überträgt die Leichtathleitk-EM grösstenteils live. Am Sonntag wird ab 9.20 aus Amsterdam gesendet.

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18.06.2016 – 10‘000m Schweizermeisterschaften Thun

Ädu verteidigt seinen SM-Titel in neuer persönlicher Bestzeit

Aufgrund eines starken Unwetters mussten die 10’000m Schweizermeisterschaften, die ursprünglich am 27. Mai in Uster stattfinden sollten, verschoben werden. Als Ersatz für die wortwörtlich «ins Wasser gefallenen Meisterschaften» wurde die SM gestern im Lachen-Stadion in Thun nachgeholt.

Ädu war gemeinsam mit seinen Trainingskollegen Marcel Berni und Andreas Kempf direkt aus dem vierwöchigen Trainingslager in St. Moritz angereist. Das Trio, welches sich über die Halbmarathondistanz für die EM qualifiziert hatte, nutzte das Rennen über 25 Runden als Formtest. Im Vorfeld zeichnete sich ein spannender Dreikampf um SM-Gold zwischen Ädu, Julien Lyon und Marcel Berni ab. Mit dem ausser Konkurrenz laufenden Portugiesen Bruno Albuquerque, war zudem ein Athlet am Start, der die 25 Bahn-Runden in diesem Jahr bereits in schnellen 29:07.10 absolviert hatte. Ädu wollte seinen SM-Titel aus dem Vorjahr unbedingt verteidigen und hatte sich seine erste Zeit unter 30 Minuten zum Ziel gesetzt.

Schnelle Durchgangszeiten

Pünktlich auf das Rennen hörte es auf zu regnen und die Sonne zeigte sich sogar ein wenig. Abgesehen von leichtem Wind und einer etwas nassen Bahn, herrschten somit ideale Laufbedingungen. Um 18.30 Uhr starteten 18 Läufer und fünf Läuferinnen gemeinsam ins Rennen über 25 Runden. Überrundungen waren somit vorprogrammiert. Gleich von Beginn weg wurde in der Spitzengruppe mächtig aufs Tempo gedrückt. Der Steffisburger und für den TV Längasse Bern startberechtigte Eritreer Solomon Tesfamariam führte das Feld als Pacemaker über drei Kilometer an. Die Zwischenzeiten mit 8:45 bei drei und 14:37 bei fünf Kilometern, waren extrem schnell, fast zu schnell. So dezimierte sich die Spitzengruppe zuerst auf vier Läufer bestehend aus Albuquerque, Ädu, Julien Lyon und Marcel Berni. Doch schon bald mussten auch Lyon und Berni abreissen lassen. Ädu lief lange Zeit mit dem Portugiesen und übernahm zwischenzeitlich auch mal die Führung.

Starke Schlussrunde

Gut dreieinhalb Kilometer vor Schluss musste er Albuquerque jedoch ziehen lassen. Der für den BTV Aarau startende Läufer konnte die hohe Pace zwar nicht ganz durchziehen. Die Siegerzeit von 29:25.74 war dennoch sehr stark. Ädu sah lange Zeit wie der sichere Schweizermeister aus. Doch dann kam der zwischenzeitlich auf Rang vier zurückgefallene Julien Lyon gegen Ende des Rennens noch einmal stark auf. Mit einer extrem schnellen letzten Runde konnte Ädu den Vorsprung jedoch vergrössern und durfte sich am Ende mit 29:37.86 einerseits über eine starke neue persönliche Bestzeit und andererseits über die erfolgreiche Verteidigung des SM-Titels freuen. Auf den weiteren SM-Podestplätzen folgten Julien Lyon in 29:43.76 und Marcel Berni in 29:56.66. «Ich habe heute volles Risiko genommen und bin das hohe Tempo von Bruno Albuquerque von Anfang an mitgegangen. Auch nachdem ich abreissen lassen musste und auf mich alleine gestellt war, habe ich versucht, das Tempo hochzuhalten», so Ädu. Das primäre Ziel, die Verteidigung des SM-Titels, ist dem 26-Jährigen geglückt. «Dass ich zudem meine persönliche Bestzeit nach dem Trainingslager und der viereinhalbstündigen Autofahrt so stark verbessern konnte, ist super. Ich weiss aber, dass ich sicher noch schneller laufen kann.»

10'000m SM Thun

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Tesfamariam Solomon legte auf den ersten drei Kilometern ein flottes Tempo vor. - Foto von Ulf Schiller schillerphoto.com


17.06.2016 – Trainingslager St. Moritz

Nur mässig zufrieden

Die letzten vier Wochen verbrachte ich gemeinsam mit Andreas Kempf, Michael Ott und Marcel Berni im Engadin. In der Gegend rund um St. Moritz versuchten wir uns optimal auf den EM-Halbmarathon, der am 10. Juli in gut drei Wochen in Amsterdam stattfinden wird, vorzubereiten. Vor einem Jahr trainierte ich im Hinblick auf den Berlin-Marathon ebenfalls einen Monat im Engadin. In der Tabelle unten habe ich die beiden Trainingslager miteinander in Zahlen verglichen.

  Marathon Vorbereitung 2015 Halbmarathon Vorbereitung 2016
Datum 29.06.2015 – 24.07.2015 21.05.2016 – 18.06.2016
Anzahl Tage 26 29
Anzahl Tage krank 1 3
Anzahl Tage verletzt 0 0
Gelaufene Kilometer 686 604
Gelaufene Kilometer pro Trainingstag 27.44 23.23
Längster Lauf 41km 24km
Kürzester Lauf 7km 5km
Gelaufene Höhenmeter 16‘500 22‘600
Anzahl Belastungen 10 12
Schnellster Kilometer 2:58.7min 2:49.6min
Schnellste 10km – gelaufen in einem Intervall 33:10min 32:05min

Training: Insgesamt bin ich mit dem Trainingslager nur mässig zufrieden. Die Belastungen in der Gruppe waren gut. Jedoch war ich in der Mitte des Trainingslagers drei Tage krank. Eine starke Erkältung legte mich ins Bett. Ans Training war in dieser Zeit nicht zu denken. Somit verpasste ich drei Belastungen und den härtesten Teil des Trainingslagers. Nach der Zwangspause konnte ich die restlichen Trainingstage erholt in Angriff nehmen und die verbleibenden Einheiten qualitativ gut durchziehen. Wie es um meine Form nun steht, werde ich erstmals am kommenden Samstag sehen. Als Test starte ich an den 10’000 Meter Schweizermeisterschaften in Thun.

Trainingsgruppe: Dank Andreas Kempf, Michael Ott und Marcel Berni konnte ich von idealen Trainingspartnern profitieren. Auch der für den Olympiamarathon qualifizierte Christian Kreienbühl absolvierte gelegentlich Einheiten mit uns. Andreas, Michael, Marcel und ich wohnten gemeinsam im Hotel Waldhaus am See und verbrachten auch in der Freizeit viel Zeit miteinander. Langweilig wurde uns dabei nie!

Erholung: Die beste Erholung ist und bleibt der Schlaf. Zudem besuchte ich regelmässig die Massage oder machte einen Abstecher ins Thermalbad. Nicole Gerwig vom Heilbad St. Moritz trug einen wesentlichen Teil zur optimalen Erholung bei. Insbesondere mein Rücken war bei ihr in guten Händen. Die Düsen im Hallenbad Ovaverva erwiesen sich als optimaler Ort um die Beine zu lockern. Die Sauna und das Dampfbad im Hotel wurden ebenfalls rege genutzt. Nicht zu vergessen ist die frische Engadiner Bergluft, welche einfach gut tut.

Essen: Wer viel trainiert muss auch gut und viel essen um die Energiespeicher wieder aufzufüllen. Sportler sind im Waldhaus am See definitiv an der richtigen Adresse. Das Essen war wie immer spitze. Am morgen gab es für mich meistens frisches Brot mit Konfitüre und Kaffee. Nach nüchternen Einheiten stärkten wir uns mit einem Spiegelei oder einem frisch zubereiteten Birchermüesli. Dazu gab es meist Kaffee, Tee oder eine Ovomaltine. Zum Mittagessen bestellten wir uns etwas von der Menü-Karte. Mein diesjähriger Favorit waren ganz klar die Pilzravioli. Zum Nachtessen wurden wir mit einem 5-Gang-Menü verwöhnt. Ein Blick auf die Waage wird zeigen, ob das gute Essen seine Spuren hinterlassen hat…

Highlights: Stimmungsmässiges Highlight war sicher das Coldplay-Konzert im Letzigrund-Stadion, welches wir als EM-Team gemeinsam mit meiner Freundin und Läuferkollegen besuchten. Dieser Event stärkte unseren Zusammenhalt und sorgte für einen willkommenen Ausbruch aus dem Trainingslageralltag.

Trainingslager St. Moritz

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In der ersten Trainingslagerwoche trainierten wir am Montag im Neuschnee. Zum Glück konnten wir uns anschliessend im Hallenbad Ovaverva wieder aufwärmen.


27.05.2016 – 10’000m Schweizermeisterschaften Uster

Hagel anstatt Rennen

Die 10’000m Schweizermeisterschaften mussten wegen eines Unwetters abgesagt werden. Ein Ersatzdatum wird momentan festgelegt.

Die Steeple-Rennen wurden bei Sonnenschein und herrlichem Sommerwetter durchgeführt. Aus der Ferne näherten sich langsam die schwarzen Wolken. Pünktlich auf den Start des Frauenrennens über 10’000 Meter liess es Petrus hageln, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Nach gut zehn Minuten zogen die Wolken weiter und hinterliessen Eis und eine kaputte Zeitmessung. Die ausstehenden Rennen mussten abgesagt werden. Die Bilder von athletix.ch sagen in diesem Fall definitiv mehr als Worte:

10'000m Schweizermeisterschaften Uster

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Bilder von athletix.ch


21.05.2016 – SVM NLB St. Gallen

Disziplinensieg für Ädu an der SVM

Anlässlich der Schweizer Vereinsmeisterschaften (SVM) der NLB in St. Gallen konnte Ädu den taktisch ausgetragenen 3000-Meter-Lauf in 8:29.24 für sich entscheiden.

Ädu und seine Teamkollegen der LG LZ Oberaargau reisten mit dem klaren Ziel Ligaerhalt nach St. Gallen. Der Marathonspezialist startete dabei über 3000 Meter. Zu Beginn wechselte er sich gemeinsam mit Teamkollege Fabian Kuert in der Führungsarbeit ab. Nach Rennhälfte wurde Ädu etwas eingeklemmt. So führte Fabian Kuert das Feld bis 800 Meter vor Schluss an, ehe Fikru Dadi, Sieger des diesjährigen Bremgarten Reusslaufes, an die Spitze stürmte. Ädu blieb dran und konnte den gebürtigen Äthiopier überspurten. «100 Meter vor Schluss lancierte ich eine Angriff. Damit konnte ich mir den Sieg und wichtige Punkte für mein Team sichern. Der Lauf hat sich recht locker angefühlt und war ein guter Trainingswettkampf», so Ädu. Mit dem sechsten Rang von acht Teams sicherte sich die LG LZ Oberaargau den Ligaerhalt und wird auch im nächsten Jahr in der Nationalliga B antreten. Für Ädu ging es direkt nach dem Lauf weiter nach St. Moritz. Mit einem vierwöchigen Höhentrainingslager wird er sich im Engadin auf die bevorstehenden Europameisterschaften in Amsterdam vorbereiten. Am 10. Juli wird er dort im Halbmarathon antreten. Seinen nächsten Wettkampf bestreitet der 26-Jährige anlässlich der 10’000 Meter Schweizermeisterschaften in Uster am 27. Mai.

Resultate Disziplinen
Resultate Teams

SVM St. Gallen

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Von Beginn an führten Fäbu und ich das Feld an und diktierten das Tempo.


24.04.2016 – Zürich Marathon

Der grosse Traum von Rio ist geplatzt

Vorgestern war das Glück definitiv nicht auf Ädus Seite. Bei garstigen Bedingungen mit Regen, Hagel, Wind und Schnee brach er brutal ein und beendete das Rennen in 2:19.17.

Der Tag X hatte eigentlich vielversprechend begonnen. «Morgens um fünf habe ich auf meinem Smartphone den Wetterbericht überprüft. Bis 12 Uhr sollte es trocken bleiben. Gute Bedingungen also, um mir meinen grossen Traum zu erfüllen. Beim Einlaufen regnete es leicht. Allzu viele Gedanken habe ich mir jedoch nicht gemacht.» Als um 8:30 der Startschuss fiel, regnete es bereits stärker. Ädu liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen. «Ich hoffte, dass sich das Wetter während dem Rennen noch bessern würde.» Fehlanzeige. Es regnete, hagelte und begann sogar zu schneien. «Ich habe versucht, mein Ding zu machen und mich auf mein Rennen zu konzentrieren. Ab einem gewissen Punkt hatte ich jedoch extrem kalt.» Der Bewegungsapparat begann zu streiken. Während Ädu bei Rennhälfte mit 67:03 noch auf Limitenkurs lag und gemeinsam mit Julien Lyon und Boaz Kiplagat unterwegs war, brach er in der Folge brutal ein. «Das ist das Frustrierende an der ganzen Sache. Das Tempo fühlte sich lange Zeit sehr gut an und ich war relativ locker unterwegs. Ich weiss, dass ich dieses Tempo laufen kann.» Doch der Körper spielte nicht mehr mit. «Ich habe mein Gesicht fast nicht mehr gespürt und sah bereits nach Rennhälfte nur noch verschwommen. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt.»

Ab Kilometer 30 alleine unterwegs

Auch die Pacer bekundeten mit den für sie ungewohnten Bedingungen Mühe. «Die beiden Kenianer hatten zuvor noch nie Schnee gesehen. Dementsprechend überrascht waren sie von den garstigen Bedingungen.» Als Michi Ott bereits nach etwas mehr als 10 gelaufenen Kilometern Mühe mit dem Tempo bekundete, blieb Reuben Kiptugen bei ihm, während Boaz mit Ädu und Julien Lyon weiterlief. Nachdem Michi das Rennen aufgegeben hatte, versuchte Reuben wieder an Ädu und Boaz heranzulaufen. Doch die Lücke war bereits zu gross. Desto länger das Rennen, desto härter wurde es. Erste Zweifel hatte Ädu bereits bei Rennhälfte. «In der Steigung in Meilen merkte ich, dass ich die Beine nicht mehr so locker heben konnte. Doch ich setzte alles daran, diese negativen Gedanken zu verdrängen und weiter zu pushen. Mein Trainingskollege Marcel Berni hatte am Vortag bei ähnlich schlechten Bedingungen die EM-Limite im Halbmarathon geknackt. Wieso sollte ich es also nicht auch schaffen?» Mit Bauchkrämpfen musste er Julien Lyon nach rund 20 Kilometer ziehen lassen. «Ich versuchte die Lücke von rund 200 Meter, die zwischenzeitlich zwischen uns entstanden war, zu schliessen. Doch es war extrem kalt und windig. Ich merkte, dass Boaz Mühe bekundete. Deshalb beschloss ich, so lange wie möglich noch von seiner Hilfe zu profitieren.» Nach 29 Kilometer war es um Boaz geschehen. Er musste aufgeben. In der Folge war Ädu auf sich alleine gestellt. «Es wurde brutal hart. Ich habe aber immer wieder daran geglaubt, dass ich gegen Ende noch zusetzten könnte. Doch schliesslich musste ich einsehen, dass ich nur noch langsamer wurde.»

«Aufgeben kam nie in Frage»

«Ich wollte unbedingt noch unter 2:20 laufen. Aufgeben kam nie in Frage.» Nach 2:19.17 erreichte er völlig entkräftet und enttäuscht das Ziel. «Das war ein extrem emotionaler Moment. Meine Freundin, mein Mitbewohner Ändu und meine Mutter haben versucht mich zu trösten. Bei den Interviews standen den Journalisten teilweise selbst Tränen in den Augen.» Nach dem Ziel warteten die Mitglieder von Ädus Fanclub, sowie Freunde und Bekannte, die an diesem tristen Tag alle an der Strecke für mächtig Stimmung gesorgt und mit ihm mitgelitten hatten, auf ihn. «Das war einerseits sehr schön. Andererseits hätte ich ihnen natürlich gerne eine bessere Leistung gezeigt.» Das Feedback auf den Bericht im Sporpanorama, der Ädus Limitenversuch dokumentierte, war gigantisch. «Wildfremde Menschen haben mir geschrieben, dass ich sie berührt hätte. Alle wollten mich aufmuntern. Das ist schon sehr speziell und ein schönes Gefühl.» Zeit um das Rennen zu verarbeiten, blieb Ädu bisher nicht. «Heute war ich mit den beiden Pacemakern in Bern unterwegs und habe ihnen die Sehenswürdigkeiten gezeigt Sie haben ihren Job bei diesen schwierigen Bedingungen gut gemacht und wirklich alles gegeben. Reuben musste mit einer Unterkühlung sogar ins Spital eingeliefert werden. Nun geht es ihm aber besser und er kann die verbleibenden Tage in der Schweiz hoffentlich noch etwas geniessen.» Am Mittwoch werden die beiden Kenianer in ihre Heimat zurückfliegen. Für Ädu steht in den nächsten Tagen die Regeneration und die mentale Verarbeitung im Fokus. «Nächste Woche fliege ich mit meiner Freundin in die Ferien nach Kopenhagen. Die Laufschuhe bleiben nun ein paar Tage im Regal.»

Resultate
Bericht Swiss Athletics
Bilder athletix.ch
Sportpanorama, Blick, 20min, Tages-Anzeiger, NZZ

Zürich Marathon

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Nach dem Start gebe ich letzte Anweisungen an meine Pacemaker. - Foto von Ulf Schiller schillerphoto.com


23.04.2016 – Vorschau Zürich Marathon

«Ich will diese letzte Chance packen»

Morgen Sonntag gilt es für Ädu ernst. Er will seine letzte Chance packen und sich sein Ticket für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sichern. Nach einer geglückten Hauptprobe in Berlin und einer erfolgreichen Ankunft der Pacemaker steht dem Unterfangen Limiten-Jagd nichts mehr im Weg.

Das Ziel von morgen ist klar. Unterbietet Ädu über die Distanz von 42.195 Kilometer die Zeit von 2:14, ist er in Rio mit dabei. «Ich fühle mich zwäg und freue mich extrem auf das Rennen» so Ädu. Mit Zürich verbindet er unterschiedliche Gedanken. «An der Heim-EM bin ich mit grossen Erwartungen ins Rennen gestartet. Jedoch konnte ich nicht das abrufen, was ich mir im Vorfeld vorgenommen hatte. Die ganze Situation mit den vielen Zuschauern und der Heim-EM war für mich eine ganz andere Hürde als diejenige vom kommenden Sonntag.» Trotz misslungenem Rennen bei seinem erst zweiten Marathon, durfte er am Ende Team-Bronze entgegen nehmen. «Das war ein sportliches Highlight, dass mich extrem motiviert hat. Seither habe ich sehr viel dazugelernt.» Dass die Strecke in Zürich durchaus schnell sein kann, weiss Ädu aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr lief er praktisch während des gesamten Rennens alleine und konnte in 2:17.25 dennoch eine neue Bestzeit realisieren.

Pacemaker sorgen für Tempo

Dafür, dass er morgen nicht alleine laufen muss, hat der 26-Jährige gemeinsam mit Michael Ott, der ebenfalls die Unterbietung der Olympia-Limite anstrebt, zwei Pacemaker aus Kenia organisiert. Wie der Bund und der Blick berichteten, fanden Reuben Kiptugen und Boaz Kiptoo Kiplagat nach einer abenteuerlichen Reise von Zürich mit Zwischenhalt in Langenthal schliesslich wieder ins Hotel nach Zürich zurück. «Nun sind die beiden da und freuen sich auf ihren grossen Einsatz am Sonntag. Sie werden alles geben um uns zu guten Zeiten zu verhelfen. Michi Ott wird mich hoffentlich ebenfalls einen grossen Teil des Rennens begleiten, so dass wir uns gegenseitig pushen können.» Der Genfer Julien Lyon, welcher sich mit einer gelaufenen Zeit von 65:34 für die EM im Halbmarathon empfahl, wird morgen sein Marathondebüt geben. Zudem werden einige gute Läufer aus dem Ausland am Start sein. «Ich erwarte eine Gruppe von rund zehn Läufern, welche sich um uns herum gruppieren wird. Einige werden während dem Rennen zurückfallen, andere werden schneller laufen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird. Alleine laufen, werde ich wohl kaum.»

«Erst auf den letzten zehn Kilometern spielt die Limite eine Rolle»

Um in Rio dabei zu sein, muss Ädu seine im Herbst anlässlich des Berlin Marathons aufgestellte Bestzeit von 2:15:08 um 68 Sekunden steigern. Dass die Form stimmt, zeigte er in den vergangenen Monaten mehrfach auf. Anfangs April gelang ihm in Berlin über die halbe Distanz eine Steigerung der Bestzeit um 48 Sekunden auf 64:29. «Für mich wird es extrem wichtig sein, dass ich mich während dem Rennen an meinen Fahrplan und meine Aufgaben halte. Ich muss die Strecke mental gut segmentieren und mich nicht von irgendwelchen Gedanken ablenken lassen. Um die Olympia-Limite geht es erst auf den letzten zehn Kilometern. Davor ist alles auf das Marathonlaufen ausgerichtet. Es nützt nichts, wenn ich bereits zu Beginn zu viele unnötige Gedanken und Energie verschwende. Es gilt möglichst energiesparend zu laufen. Auf dem Schlussabschnitt sollen mich die Gedanken an die Limite dann zusätzlich motivieren.»

Alles geben – unabhängig von den äusseren Bedingungen

Zu einem wichtigen Faktor könnte am Sonntag auch das Wetter werden. Der Wetterbericht hat Regen und teilweise sogar Schnee gemeldet. Davon irritieren lassen, will sich Ädu jedoch nicht. «Ich kann das Wetter weder beeinflussen noch ändern. Ich werde bei allen möglichen Bedingungen versuchen, die Limite von 2:14 anzugreifen, so dass ich mir am Ende sicher nicht vorwerfen muss, nicht alles gegeben zu haben. Viktor Röthlin ist beispielsweise bei fünf Grad Schweizer Rekord gelaufen.» Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es am Sonntag während dem Rennen trocken bleibt. «Es kommt wie es kommen muss. Ich werde mich voll und ganz auf mein Rennen konzentrieren und das Beste daraus herausholen. Ich habe keine zweite Chance und ich will auch keine. Ich will diese letzte Chance packen und mir meinen grossen Traum erfüllen.»

Startzeit: 8:30
Strecke
Start- und Rangliste
Blick, BZ

Zürich Marathon

 


15.04.2016 – Trainingslager Medulin

Eine Woche gute Stimmung und Sonne tanken

Ädu weilte für eine Woche mit der LV Langenthal, dem TV Welschenrohr, der LV Wettingen-Baden und vereinzelten Athleten aus verschiedenen Clubs in Medulin, Kroatien. Bei tollen äusseren Bedingungen absolvierte er die letzten härteren Einheiten vor dem bevorstehenden Zürich Marathon.

In einer Woche ist es so weit. Am kommenden Sonntag, 24. April, will Ädu seinen grossen Traum vom Start in Rio de Janeiro realisieren. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen von der LV Langenthal zog es den 26-Jährigen für die letzten Vorbereitungen nach Medulin. Insgesamt nahmen rund 60 Athleten und Betreuer am Trainingslager teil. «Die Stimmung unter den Athleten war grossartig. Den Jungen zuzuschauen und zu beobachten, wie gut trainiert wurde, hat mich selber extrem motiviert.» Gemeinsam mit Fabian Kuert, der ebenfalls in Zürich an den Start gehen wird, absolvierte Ädu die letzten intensiven Einheiten. «Anfangs Woche standen zwei, drei knackige Trainings auf dem Plan. Am Donnerstag folgte dann das Abschlusstraining auf der Bahn.» Ädu darf auf eine erfolgreiche Woche zurückblicken. «Die letzten Trainings liessen alle Zweifel verfliegen. Fäbu und ich haben super trainiert und befinden uns in der Form unseres Lebens. Bleibt zu hoffen, dass wir in Zürich ideale Bedingungen vorfinden und unsere Leistung abrufen können.» Dementsprechend gross ist die Vorfreude auf den bevorstehenden Marathon.

Weitere Fotos und Tagesberichte auf www.lvl-runners.ch

Trainingslager Medulin

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Fotos von Lucca Blum und Team


03.04.2016 – Berliner Halbmarathon

1:04:29 – Geglückte Hauptprobe in Berlin

Allen widrigen Umständen zum Trotz konnte Ädu gestern anlässlich des Berliner Halbmarathons überzeugen. In 1:04:29 verbesserte er seine persönliche Bestleistung, welche er im Vorjahr an gleicher Stätte aufgestellt hatte, um 48 Sekunden und klassierte sich als bester Schweizer auf dem zwölften Rang.

Der Start am Berliner Halbmarathon stand für Ädu unter keinem guten Stern. Seit Ostern fühlte er sich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und konnte während den Belastungen nicht die gewohnte Lockerheit abrufen. Auch am Wettkampftag fühlten sich die Beine schwer an. «Dementsprechend tief waren meine eigenen Erwartungen.» Beim Technical Meeting am Vorabend waren drei Pacer angekündigt worden, welche Kilometerabschnittszeiten von 2:51, 3:01 und 3:04 laufen sollten. Der dritten Gruppe wollte sich auch Ädu anschliessen. «Doch nach dem Start lief ich ohne viel zu überlegen einfach drauflos und hängte mich an Christian Kreienbühl ran. Plötzlich fand ich mich in der zweiten Gruppe wieder.» Auf Höhe des Brandenburger Tors nach ungefähr drei gelaufenen Kilometern, habe er erstmals mit dem Gedanken gespielt, sich zurückfallen zu lassen. «Da ich mich wirklich gut fühlte, entschied ich mich jedoch dagegen und lief weiter am Ende der Gruppe mit. Nach sechs Kilometern liess ich mich dann zurückfallen.» Schon bald bekundeten weitere Läufer Mühe mit dem hohen Tempo und mussten ebenfalls abreissen lassen. So holte Ädu zuerst zwei vor ihm liegende Läufer und danach auch Christian Kreienbühl ein. In der Folge lief er lange Zeit gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen und dem Deutschen Nico Sonnenberg. «Wir harmonierten gut und teilten uns die Führungsarbeit im Gegenwind fair auf.» Bei Kilometer 15 griff Ädu zum Bidon und hatte in der Folge Mühe, an der Gruppe dranzubleiben. Er kämpfte sich jedoch erfolgreich zurück und lief gemeinsam mit seinen beiden Kontrahenten an den aus Deutschland stammenden Philipp Pflieger heran.

Selbstvertrauen für den Marathon getankt

Ädu begann sogleich zu pushen und konnte sich in der Folge von seinen Begleitern absetzen. Nach 19 Kilometern merkte er, dass nur noch Nico Sonnenberg auf seiner direkten Verfolgung war und orientierte sich fortan nach vorne. «Ich konnte sogar noch einen afrikanischen Läufer einholen und bin danach voller Vorfreude auf meine neue Bestzeit mit einem super Gefühl Richtung Ziel gelaufen. Mit der Zeit von 1:04:29 habe ich meine eigenen Erwartungen übertroffen. Damit habe ich nach der letzten Woche wirklich nicht gerechnet.» Wie stark diese Zeit einzuschätzen ist zeigt die Tatsache, dass in den Jahren 2015 und 2016 mit Tadesse Abraham, der vor zwei Wochen den Schweizer Rekord im Marathon auf 2:06.40 verbessert hat, und dem bereits für den Olympia-Marathon qualifizierten Christian Kreienbühl, erst zwei Schweizer schneller gelaufen sind als Ädu. Nach der Heimreise in die Schweiz gestern Abend liegt nun der Fokus voll und ganz auf dem Zürich Marathon vom 24. April. «Ich freue mich über meine starke Zeit, die mir im Hinblick auf den Marathon eine grosse Portion Selbstvertrauen gibt. Doch diese Freude ist von kurzer Dauer. Bereits heute geht die Marathonvorbereitung weiter. Um mir meinen grossen Traum von einem Start bei den Olympischen Spielen zu erfüllen, muss in den nächsten drei Wochen alles stimmen.»

Bericht Swiss Athletics
Resultate

Berliner Halbmarathon

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Der kleine Ädu und der grosse Alex


01.04.2016 – Vorschau Berliner Halbmarathon

Mit guten Erinnerungen zurück in die Hauptstadt

Nach einem einmonatigen Trainingslager in Kenia und einem vierwöchigen Aufenthalt im eigenen Höhenzimmer möchte Ädu am kommenden Sonntag, 3. April, seine starke Form unter Beweis stellen. Anlässlich des 36. Berliner Halbmarathons greift er über die Distanz von 21.098 Kilometer die 65 Minuten-Grenze, mit welcher er die EM-Limite erneut unterbieten würde, an.

«Drei Wochen lang habe ich perfekt trainiert. Ich habe unheimlich viel Umfang gemacht und auch qualitativ auf sehr hohem Niveau gearbeitet. Dies gab mir sehr viel Selbstvertrauen und ich war überzeugt, dass ich in Berlin eine starke Leistung zeigen kann», so Ädu zu seinem Formstand. Über die Ostertage reduzierte er das Trainingspensum und gönnte sich und seinem Körper etwas Erholung. «Das hat meiner Form im Nachhinein wohl nicht gut getan. Ich bin aus dem Trainingsrhythmus gefallen und mein Körper hat auf Sparflamme geschaltet. Seither bekunde ich Mühe, wieder richtig auf Touren zu kommen.» Die harten Einheiten seien ein «Krampf» gewesen und er habe zu zweifeln begonnen. «Alles in allem ist die Situation nicht beunruhigend. Es ist normal, dass man bei solchen Umfängen, die ich momentan absolviere, in ein Loch fallen kann. Die grosse Frage ist nun, ob ich es schaffe, bis am Sonntag wieder in alter Stärke hinter der Startlinie zu stehen.»

Hauptprobe für den Zürich Marathon

Voraussichtlich wird er das Rennen am Sonntag dennoch auf Bestzeit-Kurs anlaufen und alles daran setzen, die Ziellinie unter 65 Minuten zu passieren. «Ich bin mir aber bewusst, dass ich das Tempo vielleicht nicht bis am Schluss durchziehen kann. Doch auch dann werde ich versuchen, das Beste aus der Situation herauszuholen.» Viel wichtiger als der Halbmarathon vom kommenden Sonntag, ist für Ädu der Start am Zürich Marathon. Am 24. April möchte er sich seinen Kindheitstraum erfüllen und die Limite für die Olympische Spiele in Rio de Janeiro unterbieten. «Egal wie das Rennen am Sonntag ausgeht, grossen Einfluss auf den Marathon hat es nicht. Bei dieser Hauptprobe geht es darum, gewisse Dinge wie beispielsweise die Ernährung für den Marathon auszuprobieren.» Trotz der schlechten Trainingswoche ist die Vorfreude auf den Wettkampf beim 26-Jährigen gross. «Berlin ist eine coole Stadt, an die ich nur gute Erinnerungen habe. Bisher konnte ich mich jedes Mal wenn ich in der Hauptstadt gestartet bin über eine neue Bestzeit freuen und meine eigenen Erwartungen übertreffen. Das gibt mir Mut, dass es auch am Sonntag wieder klappen kann.»

Infos, Start- und Ranglisten
Live-Ergebnisse


22.03.2016 – Trainingslager Bern

Ein Tag im Höhenzimmer

Um sich optimal auf den bevorstehenden Zürich Marathon vorzubereiten, wo Ädu die Unterbietung der Olympia-Limite anstrebt, lebt er für vier Wochen als Profi im selbst eingerichteten Höhenzimmer im Liebefeld. Ein Einblick in einen typischen Trainingsalltag.

7:00 Tagwache

Bereits um 7 Uhr heisst es raus aus den Federn. Da mein Mitbewohner und Trainingspartner Ändu Kempf am Vormittag arbeiten muss, trainieren wir heute früher als üblich. Nach dem Aufstehen ziehe ich mich an und verlasse mein Höhenzimmer. Ich trinke ein Glas Wasser und bereite meine WINFORCE-Getränke vor. Genau wie im Marathon selbst, trinke ich bei einem Training wie heute ein Gemisch aus Carbo Basic Neutral und Carbo Basic Peach. Um den Magen zu zwingen die Kohlenhydrate während der Belastung aufzunehmen, trainiere ich mit leerem Magen. Gemeinsam mit meinen beiden Mitbewohnern Ändu und Chrigi fahre ich los Richtung Flughafen Belp. Das Thermometer zeigt kalte ein Grad Celsius an. Trotz leichtem Nebel sind die Berge bereits erkennbar. Beim Einlaufen bleibt Zeit, diese tolle Morgenstimmung und die Ruhe vor dem Sturm zu geniessen.


8:30 Start der Belastung

Um halb neun gilt es langsam aber sicher ernst. 18 Kilometer in 3:20 pro Kilometer stehen heute auf dem Plan. Zum Vergleich: Um meinen Traum von den Olympischen Spielen in Rio zu realisieren, muss ich über die Distanz von 42.195 Kilometer einen Kilometer-Schnitt von 3:10 abspulen… Chrigi läuft nach seiner langen Verletzungspause so lange mit wie es geht, während Ändu und ich das Training bis zum Schluss gemeinsam durchziehen. Nach 3.5. und 10 Kilometer nehme ich mein Marathon-Getränk zu mir, um so meinen Magen zu trainieren. Nach der erfolgreichen Einheit trinke ich sofort einen Bidon voll mit WINFORCE Powerprotein, um so den Regenerationsprozess zu beschleunigen.


10:00 Frühstück

Zurück im Liebefeld geht es zuerst unter die Dusche. Danach steht das Auffüllen meiner Energiespeicher auf dem Plan. Mein Frühstück besteht heute aus Haferflocken, Waldbeeren-Müesli, Nüssen, Kernen, Weinbeeren, Pflaumen und Nature Joghurt. Ein Schuss Goldmelissensirup und ein feiner Kaffee runden mein perfektes Frühstück ab. Ich geniesse diese Mahlzeit im Bett und schaue dazu ein Spiel meiner geliebten Golden State Warriors.


Die Sauerstoff-Sättigung in meinem Zimmer beträgt nach dem morgendlichen Lüften nun rund 17.4 Prozent, was einer Höhe von 1900 Meter über Meer entspricht. Nach dem Frühstück verfasse ich einen Post für unsere Facebook-Fanseite. Danach gilt mein Fokus der Erholung. Auf der Shaktimatte gönne ich mir eine Stunde Schlaf.


14:00 Mittagessen mit Aussicht

Das Mittagessen, welches heute aus Pasta mit Karotten-Sauce und Reibkäse besteht, geniesse ich auf dem Balkon mit Sicht auf die Rundbahn im Liebefeld-Stadion. Am Nachmittag entsorge ich gemeinsam mit meinem Mitbewohner Chrigi diverse Abfälle. Danach geht es ins Bauhaus und zum Einkaufen. Unter anderem decken wir unseren Haushalt mit neuen, frischen Kräutern ein. Später absolviere ich meine zweite Laufeinheit. Begleitet von meinen beiden Mitbewohnern laufe ich lockere neun Kilometer in einem 4:25er-Schnitt.


20:30 Zurück im Zimmer

Nach dem Nachtessen bestehend aus Curry-Reis mit Poulet, geht es wiederum ins Höhenzimmer. Der Sauerstoffgehalt ist nun auf 16.2 Prozent gesunken, was einer Höhe von 2500 Meter über Meer entspricht. Somit hat mein Zimmer die gewünschten klimatischen Bedingungen erreicht. Ich beantworte am Computer einige Mails und koordiniere Einsätze mit meinen Sponsoren. Nach einer Dehn- und Blackroll-Session heisst es um 22:30 Lichterlöschen. 15 Stunden habe ich heute in meinem Zimmer verbracht.


Noch bis am Freitag 1. April versuche ich dank der Spitzensportförderung der Armee, welche mich von meinem Berufsalltag befreit, möglichst viel Zeit in meinem Höhenzimmer zu verbringen. Dank einem Generator kann ich ein Bergklima simulieren, welches den gleichen Effekt wie das Höhentrainingslager herbeiführen soll. Am 3. April werde ich anlässlich des Berliner Halbmarathons meinen aktuellen Formstand überprüfen.


27.02.2016 – Bremgarter Reusslauf

Starker zweiter Rang in Bremgarten

Anlässlich des Bremgarter Reusslaufs startete Adrian im Elite-Feld über elf Kilometer. Mit Rang zwei in 33:12 gelang dem 26-Jährigen ein starkes Rennen.

Der renommierte Reusslauf im aargauischen Bremgarten lockte auch in diesem Jahr zahlreiche Läufer an. Rechtzeitig zum Start des Elitefeldes meldete sich auch die Sonne und sorgte für etwas Wärme an diesem ansonsten eher kalten Wintertag. Für Adrian galt der Bremgarter Reusslauf als erstes wettkampfmässiges Training nach dem vierwöchigen Trainingsaufenthalt in Kenia. Die Beine waren aufgrund der harten Trainingswoche nicht die Frischesten, am Donnerstag hatte er 35 Kilometer in einem 3:29-er Schnitt absolviert. «Seit ein paar Tagen kann ich so richtig von meiner in Kenia erarbeiteten Form profitieren und dementsprechend super trainieren», so Adrian zu seiner zurzeit tollen Verfassung.

Hohe Pace von Anfang an

Für die Elite-Läufer galt es elf Kilometer entlang der Reuss gespickt mit mehreren kleinen Steigungen zu absolvieren. Von Beginn weg bildete sich eine fünfer Spitzengruppe bestehend aus dem Marathonläufer Michael Ott, der für Tempo sorgte, gefolgt von Fikru Dadi, Kadi Nesero, sowie Adrian Lehmann und Andreas Kempf. Die ersten fünf Kilometer lief das Quintett gemeinsam in schnellen 14:41, ehe Kadi Nesero und Adrians Mitbewohner Andreas Kempf abreissen lassen mussten. Nach acht Kilometern bekundete Michael Ott Mühe mit dem Tempo. Das Duo Dadi/ Lehmann nutzte Otts Schwäche sofort aus und konnte sich von ihm lösen. Nach neun Kilometer zog der Äthiopier das Tempo an, nun hatte Adrian Mühe, die Pace aufrecht zu halten. «Zuerst dachte ich, Fikru Dadi will einfach ein wenig mit dem Tempo spielen. Jedoch wurde der Bülacher in der Folge nicht langsamer.» Adrian musste eine Lücke aufreissen lassen, setzte aber alles daran, den Abstand nicht zu gross werden zu lassen um den Führenden in einem möglichen Schlussspurt noch abfangen zu können.

«Darf wirklich zufrieden sein»

Dazu kam es dann aber nicht. «Der letzte Kilometer war ein harter Kampf. So musste ich bereits relativ früh einsehen, dass der Sieg heute ausser Reichweite lag und nahm etwas Tempo raus. Dementsprechend konnte ich die letzten Meter und den Zieleinlauf geniessen.» Mit 16 Sekunden Rückstand durchquerte der Langenthaler das Ziel als Zweiter in starken 33:12 und somit mehr als 90 Sekunden schneller als bei seiner Premiere am Reusslauf vor vier Jahren. Marathonkollege Michael Ott benötigte rund 21 Sekunden mehr als Adrian und wurde Dritter. «Das war ein sehr gutes Rennen. Nach der harten Trainingswoche darf ich mit der gelaufenen Zeit und dem zweiten Rang in diesem starken Feld wirklich zufrieden sein», so der 26-Jährige.

Resultate
Infos zum Lauf

ASICS Bremgarter Reusslauf

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Start - Foto von www.reusslauf.ch


13.12.2015 – Cross Europameisterschaften in Hyères

Alles geht nicht

Zum Jahresabschluss startete ich am vergangenen Wochenende in Hyères an den Cross Europameisterschaften. Im Gegensatz zum letztjährigen eher abgelegenen Austragungsort Samokov, einem Skiort in Bulgarien, zog das mediterrane Städtchen deutlich mehr Zuschauer und auch stärkere Konkurrenz an. Beim Analysieren der Startliste wurde mir bald klar, dass ich einen Exploit erbringen müsste, um wieder in die Top 30 zu laufen. Wie ich halt bin, setzte ich mir das auch zum Ziel.

Trotz der hohen Zielsetzung war ich nach dem Start ganz hinten am Feld auf Rang 70. Eigentlich wollte ich mich schon auf der ersten Runde nach vorne orientieren, doch die horrende Pace von 2:52 Minuten pro Kilometer machte mir zu schaffen. Ich erwies mich als geduldig und blieb hinten. Bereits nach der ersten Runde wurde das Tempo langsamer und ich begann einige Ränge gut zu machen. Nach sechs Kilometern warf ich einen Blick auf meine Uhr und sah, dass ich knapp über 18 Minuten passierte. Rangmässig war ich an 58. Stelle. Die Tatsache, dass ich immer noch so weit hinten im Feld war, nagte an meiner Moral. Das Schlimmste daran war, dass ich schon über meinem Limit lief und mühe bekundete, das Tempo aufrecht zu halten. Zwischenzeitlich gab ich mich etwas auf und dachte, mein Ziel sei schon ausser Reichweite. Dennoch machte ich weitere Ränge gut. Als ich dann eine Runde vor Schluss in die Top 50 lief, versuchte ich mich nochmals aufzuraffen, um möglichst viele Konkurrenten zu fressen. Doch auch die setzten zu. Auf dem letzten Kilometer konnte ich dann doch noch eine kleine Gruppe vor mir ein- und überholen und kämpfte mich mit einem beherzten Schlussspurt auf Rang 46.

Im Ziel war ich anfangs einigermassen zufrieden, da ich einige starke Konkurrenten hinter mir lassen konnte. Mit gewonnenem Abstand bin ich aber enttäuscht. Auf dem schnellen Kurs im Hippodrom hätte ich einen besseren Schnitt als 3:07 Minuten pro Kilometer laufen können, wenn ich am Anfang langsamer gestartet wäre. Es braucht aber Mut und viel Selbstvertrauen das ganze Feld auf dem ersten Kilometer ziehen zu lassen und die Gewissheit zu haben, sie im Verlauf des Rennens wieder einzuholen. Im Nachhinein bin ich mir aber ziemlich sicher, dass ich so eine bessere Rangierung hätte erreichen können.

Leider kann ich das Rennen nicht noch einmal laufen. Ich kann nur daraus lernen und es nächstes Mal besser machen. Einmal mehr sehe ich mich auch der Frage konfrontiert, ob es richtig ist zwischen den Marathonblöcken einen Cross EM zu planen. Denn immer in Form kann auch ich nicht sein. Jetzt lass ich erstmals etwas Gras darüber wachsen, geniesse die Weihnachtszeit und ziehe dann meine Schlüsse.

Cross EM

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Die europäische Spitze. - Foto von Claude Eyraud


28.11.2015 – Basler Stadtlauf

Das Optimum herausgeholt

Wie jedes Jahr präsentierte der Basler Stadtlauf ein hochkarätiges Elitefeld. Zu favorisieren war Tadesse Abraham, gefolgt von den zahlreichen Afrikanern. Ich setzte mir zum Ziel, hinter Tade zweitbester Schweizer zu werden und möglichst lange den Kontakt zur Spitzengruppe aufrecht zu erhalten.

Tade übernahm von Anfang an die Führung. In seinem Windschatten liefen all die Afrikaner und ich als erster Weisser. Die Freie Strasse herab lief ich das hohe Tempo locker mit. Erst beim Anstieg beim Rheinsprung bekam ich die Intensität so richtig zu spüren. Dennoch konnte ich vorerst den Anschluss halten. Als wir zum zweiten Mal den Marktplatz überquerten, schaute Tade einmal über seine Schulter und beschleunigte spielend. Diese Tempoverschärfung durfte ich nicht mitgehen. Das wäre Selbstmord gewesen. Bei einer weiteren Rheinsprung-Passage löste sich die Spitze dann definitiv vom Feld ab. Dahinter führte ich die Verfolger-Gruppe an. Einige Ausländer, Eric Rüttimann und Michael Ott blieben dicht an meinen Fersen. Ohne den Sog der Spitze fiel es mehr schwer das Tempo aufrecht zu erhalten. Aber die etwas langsamere Pace gab mir die Gewissheit, ohne Einbruch bis ins Ziel zu kommen. Nach drei von viereinhalb Runden holten wir den zurückfallenden Äthiopier Fikru Dadi ein. Er wollte sich nicht überholen lassen und blieb die Freie Strasse hinunter an meiner Seite. Das letzte Mal den Rheinsprung hinauf ging ihm aber die Puste aus. Ebenso Eric Rüttimann und allen anderen Verfolgern. Allen ausser Michael Ott. Mein Marathon-Kollege überholte mich eine halbe Runde vor dem Ziel vor dem Münster. Ich kannte die Stärken und Schwächen von Michi und wusste, dass ich keine Lücke aufgehen lassen durfte, sonst wäre es um mich geschehen. Ich biss auf die Zähne. Obwohl Michi alles versuchte und mir alles abverlangte, blieb ich dran. Erst als der Marktplatz wieder in Sichtweite kam und das Ziel wenige Meter von uns entfernt war, setzte ich zum Spurt an und zog an Michi vorbei.

Als Sechster overall und als zweiter Schweizer kam ich nach 22:21.5 Minuten 37 Sekunden hinter dem Sieger, Tadesse Abraham, ins Ziel. Rangmässig habe ich sicherlich das Optimum herausgeholt. Mehr ist für mich noch nicht möglich.

Hier kannst du das ganze Rennen sehen.

Foto von Athletix.ch

Foto von athletix.ch


22.11.2015 – Warandeloop Tilburg

Zufrieden und dennoch weit hinten

Um mich für die Cross-EM aufzudrängen, musste ich nach Holland reisen und in einem internationalen Top-Feld eine starke Leistung erbringen. Normalerweise studiere ich jeden einzelnen meiner Gegner. Doch in diesem Fall legte ich nach gut 15 Namen die Startliste zur Seite. Denn sofort war mir klar, dass hier einfach die besten Europas auf mich warteten.

Das gut 100-köpfige Teilnehmerfeld sprintete nach dem Startschuss los. Um dem Matsch auszuweichen und Rempeleien aus dem Weg zu gehen, lief ich ganz aussen im Feld. Wie immer hielt ich mich anfangs etwas zurück und reihte mich relativ weit hinten ein. Bereits in den ersten kurvigen Passagen begann ich aber mit dem Überholen. Ich wollte diesmal offensiver laufen. Auf der ersten langen Geraden konnte ich mir einen Überblick verschaffen und stellte fest, dass sich vor mir eine lange Schlange an Athleten aufreihte. Ich drückte weiter aufs Tempo und machte wieder einige Ränge gut. Nach der ersten langen Runde begann ich mich an Andreas Vojta zu orientieren. Der österreichische Olympiateilnehmer lief unweit vor mir. Kontinuierlich machte ich auf ihn Boden gut. Nach Rennhälfte war ich an ihm dran und zog sogleich an ihm vorbei. Bei meiner Aufholjagd wurde ich von einem dänischen Steeple-Spezialisten begleitet. Ole Hesselbjerg und ich pushten uns gegenseitig nach vorne. Einmal führte er, dann wieder ich. Auf der fünften und letzten Runde schlossen wir zu zwei weiteren Konkurrenten auf. Diesmal blieben die zwei an uns dran. Es war Ronald Schroer aus Holland, der das Tempo einen Kilometer vor dem Ziel anzog. Ich konnte als einziger an ihm dran bleiben. Im Schlussspurt fing ich den 10‘000m-Spezialisten mit einer PB von 28:32min kurz vor der Ziellinie noch ab.

Ich klassierte mich auf Rang 28, 1:22min hinter dem deutschen Sieger Richard Ringer. Mit meiner Leistung war ich grundsätzlich zufrieden. Aber die Tatsache, dass noch 27 andere schneller waren als ich, stört mich dennoch. Fazit: Ich muss besser werden!

Foto von Ine van der Voort, Carl Remmers und Jaap Bouwens.

Foto von Ine van der Voort, Carl Remmers und Jaap Bouwens


14.11.2015 – Langenthaler Stadtlauf

Vierter Heimsieg in Folge

Die Ausgangslage veränderte sich schlagartig, als ich von Marcel Hammel informiert wurde, dass sich Fikru Dadi kurzfristig nachgemeldet hatte. Eigentlich wollte ich den Streckenrekord angreifen und von Anfang an voll aufs Tempo drücken. Mit der Teilnahme des starken Äthiopiers musste ich meine Taktik über den Haufen werfen, da er dieses Tempo auch hätte laufen können und mich dann möglicherweise in der Endphase hätte schlagen können. Und der Sieg war mir mindestens so wichtig wie ein möglicher Streckenrekord.

Nach dem Startschuss legten die eingeladenen Flüchtlinge aus dem Durchgangszentrum Aarwangen ein flottes Tempo vor. Nach 500m war bei ihnen die Luft aber bereits draussen und ich übernahm die Führung. Das Feld klebte mir im Nacken. Ich spürte den Respekt meiner Konkurrenten, da keiner die Führung übernehmen wollte, obwohl ich das Tempo immer mehr drosselte. Ich wollte für Dadi nicht den Hasen spielen. Tefera Mekonen hatte nach einem Kilometer genug von meinen taktischen Spielchen und überholte mich. Ich folgte dem Äthiopier und versuchte in der Marktgasse mit ein paar Blicken meine Konkurrenten abzuchecken. Wir waren eine Gruppe von etwa zehn Läufern. Tefera lief nun ein regelmässiges aber zügiges Tempo. Jedoch zu langsam für den Streckenrekord. Nach der zweiten Runde übernahm ich wieder die Spitze und verschärfte das Tempo. Sofort wurde die Zahl meiner unmittelbaren Verfolger kleiner. Als ich dann merkte, dass meine Gegner Mühe bekundeten, mir zu folgen, legte ich nochmals einen Zacken zu. Tatsächlich ging die Lücke auf und ich verschaffte mir einen kleinen Vorsprung. Ich realisierte plötzlich, dass Dadi anscheinend doch nicht gestartet war, da ich ihn nirgends sehen konnte. Von da an lief ich viel befreiter. Ich versuchte nochmals etwas Zeit auf den Streckenrekord gut zu machen. Aber der Rückstand von gut 20 Sekunden liess sich nicht so einfach weg machen. Ich akzeptierte diese Tatsache und konzentrierte mich fortan auf den Sieg. Mit regelmässigen Rundezeiten baute ich meinen Vorsprung immer mehr aus. Schlussendlich gewann ich in 21:54.8 Minuten vor meinem Vereinskollegen Fabian Kuert. Dritter wurde der Portugiese Bruno Albuquerque.

Im Ziel freute ich mich über den vierten Sieg in Folge. Die Tatsache, den Streckenrekord um 21 Sekunden verpasst zu haben, ärgerte mich trotzdem ein bisschen.

Langenthaler Stadtlauf

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Vor dem Start gaben Martina Strähl und ich eine Autogrammstunde. - Foto von Hansruedi Bucher


01.11.2015 – Joker+ Crosscup Mol

Einstieg in die Crosssaison

Das Selektionskonzept für die Cross Europameisterschaften von Swiss Athletics sah vor, dass wir am ersten November in Mol am Joker+ Crosscup unser Können unter Beweis stellen sollten. Mit dem Wissen, dass ich erst seit zwei Wochen wieder am Trainieren war, erhoffte ich mir eine ähnliche Leistung wie im Vorjahr erbringen zu können und mich in den Top 10 zu klassieren.

Das Rennen wurde wie bei den meisten Crossläufen zu schnell gestartet. Nach den ersten 200m durch den Sandstrand vom Silvermeer fand ich mich beinahe an letzter Position wieder. Danach pendelte sich das Tempo ein und ich begann Rang um Rang gut zu machen. Vor allem im Waldabschnitt, wo der Boden gut zum Laufen war, konnte ich überholen. Im Sand bekundete ich an diesem Tag mühe. Wahrscheinlich fehlte es mir noch an Kraft, um auch in diesem Segment aufholen zu können. Bis zu Rennhälfte arbeitete ich mich auf Zwischenrang zwölf vor und war 20 Sekunden hinter der Spitze. Anstatt aber von da an die vor mir laufende Konkurrenz anzuvisieren und weiter aufzuholen begann ich zu stagnieren. Ich lief in einem Rhythmus und konnte nicht mehr wirklich ausbrechen. Dennoch kam ich eine Runde vor Schluss als zehnter beim Ziel vorbei. Die zurückfallenden Konkurrenten kamen mir wortwörtlich entgegen. Zu viert kamen wir zur letzten Sandbankpassage. Ich fühlte mich gut und war mir ziemlich sicher, dass ich die Andern auf den letzten Metern hinter mir lassen könnte. Dummerweise begann mein Magen zu rebellieren als ich die Frequenz erhöhte. Das aufstossende Gefühl bremste mich aus und war schlussendlich ausschlaggebend, dass ich auf den 13 Rang zurückviel.

Im Ziel war ich ziemlich enttäuscht. Ich spürte, dass ich noch nicht auf dem gleichhohen Intensitätsniveau laufen konnte, wie ich das normalerweise kann. Daher wusste ich, dass noch deutlich mehr möglich gewesen wäre, als „nur“ einen Top 10 Platz. Der Gedanken daran frustrierte mich.

Im Nachhinein sehe ich das Ganze wieder etwas klarer. Es ist nichts als logisch, dass ich nach zwei Trainingswochen noch nicht auf dem gleichen Level bin wie vor der Trainingspause. Und die Tatsache, dass ich fünf Sekunden schneller war als letztes Jahr bestätigt meine gute Ausgangslage. Von dem her bin ich gespannt auf die weiteren Wettkämpfe.

Joker+ Crosscup Mol


30.10.2015 – Trainingslager Tenero/Bern

Zwischenziel Cross EM

Nach dem Berlin Marathon genoss ich mit meiner Freundin eine Woche Ferien. Wir blieben einige Tage in der Deutschen Hauptstadt. Auch in der Woche nachher verzichtete ich noch gänzlich auf Sport und arbeitete für einmal etwas mehr als meine „normalen“ 15 Stunden in der Woche.
Mit Ochsner Sport Travel reiste ich dann eine Woche nach Giverola. Dort war ich ein Teil des Leiterteams und durfte mit Viktor Röthlin und Sascha Gwerter den Laufbereich leiten. Über 300 Gäste waren mit uns dabei, welche sich an jedem Abend für ein Sportprogramm für den nächsten Tag einschreiben konnten. Ab und zu hatte ich auch einen freien Halbtag und konnte mich selber für Kurse einschreiben. So kam es, dass ich schwingen, stand up paddeln, tauchen, Basketball spielen, fechten, Rennvelo fahren, Tennis und Beach Volleyball spielen war. Das klingt, als hätte ich ständig frei gehabt, ich weiss. Aber Raphael Salm, der mit mir mitreiste und die Woche als Gast geniessen durfte, und ich nutzten einfach jede freie Sekunde. Eine richtig coole Woche!
Zurück in der Schweiz reiste ich direkt weiter nach Tenero. Dort fand bereits die zweite Woche des Vorbereitungstrainingslager für die Cross EM statt. In einem eher kleinen, aber hochkarätigen Team trainierten wir die Cross spezifischen Fähigkeiten. So liefen wir zum Beispiel für einmal nicht auf der Bahn unsere Intervalle, sondern auf dem Rasen auf einer kurvigen Strecke rund um die Bahn. Die Woche ging sehr schnell vorbei.
Da ich erst richtig ins Training gestartet war und die Cross Saison bereits am Sonntag mit dem ersten Qualilauf startet, bat ich die Spitzensport Förderung der Armee mich um eine weitere Woche zu militarisieren. Zu Hause in Bern konnte ich nochmals eine Woche als Profi in meinem gewohnten Umfeld trainieren. Unterstützt von Marcel Berni lief ich zwei weitere harte Belastungen.
Nun bin ich gespannt, was am Sonntag für mich möglich ist. In Form bin ich noch nicht wirklich und meine Konkurrenten in Mol sind sehr stark, so viel steht fest. Aber mit einem gut eingeteilten Rennen hoffe ich dennoch einen Top 10 Platz erreichen zu können.

Trainingslager Tenero

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Bella Lago Maggiore


27.09.2015 – Berlin Marathon

Traumlauf durch Berlin

Bereits vier Wochen ist es her, als ich in Berlin nach 2:15:08 Stunden die Ziellinie des 42. Berlin Marathons überquert hatte. Nun endlich habe ich genug Distanz gewonnen und finde Zeit diesen Bericht zu schreiben.

An einem sonnigen Sonntagmorgen starteten wir um neun Uhr die 42.195 Kilometer lange Stadtbesichtigung. Ich war positiv angespannt und voller Vorfreude. Auf den ersten Metern musste ich mich zügeln, um nicht zu schnell zu starten. Mein Ziel war es, die ersten 15 Kilometer in einer 3:14-Pace zu laufen. Trotz allem passierte ich den ersten Kilometer nach 3:08 Minuten. Es ist unglaublich schwer, von Anfang an den richtigen Rhythmus zu finden, da es sich so locker anfühlt. Nach dem zweiten und dritten Kilometer fand ich aber zu meiner gewünschten Pace. Gut 100 Meter vor mir bildete sich eine grosse Gruppe. Dahinter waren vereinzelte Läufer und ich alleine unterwegs. Ich spielte mit dem Gedanken, kurz etwas Gas zu geben, um den Anschluss herzustellen. Doch ich hielt mich zurück. Geduld war meine Devise. Der Vorteil war, dass ich mich so an meinen Plan halten konnte. Immer öfters lief ich 3:13 statt 3:14. Aber solange die Differenz nicht grösser wurde, gab ich mich mit dieser Abweichung zufrieden. Beim 14. Kilometer wurde ich von einem Irländer und einem Briten eingeholt. Die Jungs zogen sogleich an mir vorbei. Mein Plan sah vor, dass ich nach 15km auf eine 3:11 Pace beschleunigen sollte, also hängte ich mich an ihre Fersen. Die Zwischenzeiten waren von da an etwas unregelmässig, einmal 3:15 und dann wieder 3:08. Für mich fühlte es sich aber immer gleich an und ich begann zu zweifeln, ob die Kilometertafeln richtig aufgestellt wurden. Egal, mein Körpergefühl war wichtig, und das war gut. Im Windschatten der beiden holten wir langsam die Gruppe vor uns auf. Nach 19 Kilometern hatten wir es geschafft und reihten uns hinten im Feld ein. Ich prüfte die Läufer und stellte mit Freude fest, dass Falk Cierpinski und Christian Kreienbühl ebenfalls hier mitliefen. Als wir auf die Zwischenverpflegung beim 20. Kilometer zuliefen, setzte ich mich an die Spitze, um problemlos meine Flasche greifen zu können. Bis zur Halbmarathonmarke blieb ich vorne und sorgte für das Tempo. Die Zwischenzeit war 1:07:37 Stunden. Ich realisierte in dem Moment gar nicht wie schnell ich unterwegs war. Es fühlte sich einfach alles gut an. Dennoch liess ich mich im Feld etwas zurückfallen, um nicht alles im Wind laufen zu müssen. Ich ging den Trott des Feldes einfach mit. Bis zum 30. Kilometer erlebte ich dann gefühlsmässig alles. Von „Phu, halte ich das wohl bis zum Ende durch?“ bis zu „soll ich nach vorne gehen und das Tempo etwas anziehen?“ ging mir alles durch den Kopf. Schlussendlich resultierte immer das Selbe: Ich ging einfach mit. Unsere Gruppe wurde mit der Zeit immer kleiner. Speziell als sich Christian vorne an der Spitze stark machte. Nach 32 Kilometern lief ich neben ihm und wollte ihn eigentlich nur bei der Führungsarbeit unterstützen. Seite an Seite wurden wir schneller und lösten uns von der Gruppe ab. Zwei Kilometer später drückte er nochmals aufs Tempo. Diesmal war es auch mir zu viel. Ich sah wie er davonzog, obwohl ich doch auch verdammt schnell unterwegs war. Im ersten Moment dachte ich: „warte nur, dich hole ich schon wieder.“ Aber da hatte ich mich schwer getäuscht. Mit einem unglaublichen Schlussspurt von knapp zehn Kilometern preschte Chrigi zur Olympialimite. Dahinter war ich von da an alleine unterwegs. Es wurde richtig hart. Jeder leichte Windstoss fühlte sich gnadenlos hart an. Mir war bewusst, dass ich sensationell im Rennen lag und selbst wenn ich ein bisschen langsamer werden würde, gäbe es eine super Zeit. Ich wehrte mich gegen das Einbrechen. Die letzten zwei Wochen vor dem Marathon hatte ich mir Argumente überlegt, warum ich in diesem Moment nicht langsamer werden sollte. Diese Gedanken und vor allem mein mitgereistes Team gaben mir nochmals Kraft. Nach 40 Kilometern spürte ich, wie meine Hamstringansätze zu verkrampfen drohen. Immer wieder zuckte es. Das machte mir Angst, denn ich wusste, ein Krampf könnte mich viel Zeit kosten. Als ich dann vom Irländer überholt wurde, mit welchem ich schon am Anfang lief, ging ich das Risiko des Krampfs nicht ein und lies ihn einfach ziehen. Irgendwie stand ich es durch und als ich unter dem Brandenburger Tor durchlief zog es mir meine Mundwinkel nach oben. Halb lachend, halb weinend kam ich 2:17 Minuten schneller als je zuvor ins Ziel. Die Emotionen waren unbeschreiblich. Als ich dann erfuhr, dass Chrigi die Olympialimite unterboten hatte, Marcel Berni seinen ersten Marathon gefinished hatte, Maja Neuenschwander einen neuen Schweizer Rekord aufgestellt hatte und Martina Strähl eine neue PB realisiert hatte steigerte sich meine Freude schier ins unendliche. Ein perfekter Schweizer Marathontag.

Mit meiner Zeit von 2:15:08 liege ich aktuell auf dem 16. Rang in der ewigen Schweizer Bestenliste. Zur Olympialimite fehlen mir noch eine Minute und acht Sekunden. Ich bin zuversichtlich, dass ich das im kommenden halben Jahr noch packen kann. Komme es wie es wolle, ich gebe auf jeden Fall alles dafür.

Ein grosses Dankeschön an mein mitgereistes Team. Ihr wart für die gute Stimmung verantwortlich und habt mir viel Kraft gegen! Herzliche Gratulation an Chrigi, Marcel, Maja und Martina!

Hier einige bewegte Bilder vom Rennen: MySports
So berichteten meine Partner und die Medien: BZ, Schumacher Sport, Bernhard Polybausrf, running.COACH, Swiss Athletics, Fanclub

Berlin Marathon

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Foto von marathonfoto.com


06.09.2015 – Switzerland Marathon light

Misslungene Hauptprobe

Unmittelbar nach dem Sieg am Münsiger Louf folgte ein zweiter Höhentrainingsblock. Dafür reiste ich für einmal nicht nach St. Moritz oder sonst wohin, sondern trainierte zu Hause in Bern. Da unsere WG mickrige 550m über Meer liegt, musste nachgeholfen werden. Vom BASPO im Magglingen konnte ich einen Generator ausleihen, der der Luft beliebig viel Sauerstoff entziehen kann. So wird ein Bergklima simuliert und der Effekt eines Höhentrainings herbeigeführt. Ich dichtete mein Zimmer ab, schloss den Generator an und hatte während vier Wochen so wenig Sauerstoff wie auf 2500m.ü.M. Leider war die Aussicht nicht ganz die gleiche. Ein weiterer Nachteil war, dass ich nur einmal am Tag lüften konnte. Es dauerte danach gut sieben Stunden, bis mein Zimmer wieder Höhenluft hatte. So wurde es an den heissen Tagen auch in meinem Zimmer ziemlich heiss. Trotz geschlossenen Jalusien musste ich des Öfteren bei 27° schlafen. Abgesehen davon lief sonst alles optimal. Die vier Wochen wurden militarisiert, somit war ich von meiner beruflichen Tätigkeit befreit und konnte mich voll auf das Training konzentrieren. Die ersten drei Wochen trainierte ich sehr intensiv. Ich kam ab und zu an meine Grenzen und war mir nicht mehr sicher, ob die Zeit zur nächsten Belastung ausreichen würde, um vollständig zu regenerieren. Meistens ging es aber just auf. Wenn nicht, dann musste ich mir etwas genervt die Müdigkeit eingestehen und das angefangene Training etwas lockerer zu Ende bringen. In der vierten Woche konnte ich mich endlich etwas erholen. Ich trainierte reduziert und bereitete mich auf den Abschlusstest am Sonntag vor.

Am Switzerland Marathon light in Sarnen startete ich über die Halbmarathondistanz. Ich kannte sie Strecke aus dem Vorjahr, wo ich sie mit Viktor Röthlin locker gejoggt war und wusste, dass die feinen Steigungen nicht zu unterschätzen sein würden. Trotzdem startete ich schnell. Vorneweg liefen vier Kenianer, dahinter ein Deutscher, Eric Rüttimann und ich. Auf den ersten drei Kilometern führte ich unsere kleine Gruppe an. Wir liefen eine 3:05 Pace. Dann löste mich der Deutsche Stefan Hubert mit der Führungsarbeit ab. Er hielt das Tempo hoch. Bei Kilometer sieben verabschiedete sich Eric. Er konnte nicht mehr mithalten und fiel sofort zurück. Hubi, so stand sein Namen auf seiner Hose geschrieben, lief so schnell, dass es auch mir Mühe bereitete. Nach neun Kilometern musste ich ihn ziehen lassen. Ich dachte anfangs noch: “Wart du nur, dich hole ich schon wieder.” Doch die Lücke wurde immer grösser. Ich bekundete ungewohnte Probleme. Ich hatte Schwierigkeiten mich an mein Leistungslimit zu bringen und mich zu quälen. Mein Motor war wie abgeriegelt. Als ich bei Kilometer zwölf meine Zwischenzeit sah, zog ich meine Uhr aus und reichte sie Ueli, welcher mich auf dem Fahrrad begleitete. Ich versuchte immer wieder aufzudrehen, doch kurze Zeit später fiel ich wieder ins alte Muster zurück. Es war frustrierend. Mit der Zeit fand ich mich damit ab. Es blieb mir nichts anderes übrig. An diesem Tag ging einfach nicht mehr. Enttäuscht lief ich nach einer Stunde sieben Minuten und 28 Sekunden als bester Schweizer über die Ziellinie. Ich war müde, aber nicht ausgepumpt. Niedergeschlagen fragte ich im Ziel Viktor nach Rat. Er versicherte mir, dass das normal sei direkt nach dem Höhentraining. Manchmal hat man unendlich Power und manchmal geht gar nichts. Das sei kein Grund zur Unruhe. Ich solle mich nun gut erholen und in drei Wochen in Berlin werde ich parat sein. Ich hoffe, er hat Recht und das Sprichwort, eine misslungene Generalprobe führt zu einem gelungenen Auftritt, bewahrheitet sich. Gestern wurde Viks Aussage erstmals unterstrichen. In Magglingen liess ich meine Blutwerte untersuchen und stellte mein Blutvolumen fest. Freudig erfuhr ich, dass die Werte nochmals deutlich besser sind als nach dem Trainingslager in Kenia. Und das will was heissen. Ich bin also gespannt auf den Berlin Marathon in drei Wochen…

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Foto von http://www.switzerland-marathon-light.ch/fotogalerie-2/fotogalerie/


08.08.2015 – Münsiger Louf

Erfolgserlebnis auf dem Weg nach Berlin

Nach zwei ruhigen Trainingswochen, in denen die Erholung vom Trainingslager in St. Moritz im Vordergrund stand, wusste ich nicht genau wo ich aktuell stehen würde. Die Trainings liefen zwar gut, dennoch zweifelte ich, ob ich schon erholt sei. Der Münsiger Louf sollte Klarheit schaffen. Wie in jedem Jahr standen starke Afrikaner am Start. Der Goldsprint, das Preisgeld und die Prämie für den Streckenrekord lockten in diesem Jahr auch einen österreichischen Manager mit seinen kenianischen Athleten an. Ich wusste, es würde ein schnelles und hartes Rennen geben.

Auf dem ersten Kilometer verlor ich bereits den Anschluss und war rund zehn Meter hinter der Spitzengruppe. Mit der Durchgangszeit von 2:57min wusste ich aber, dass ich gut unterwegs war. Ich hielt mein Tempo und überholte die übermotiviert Gestarteten. Beim dritten Kilometer fand ich den Anschluss an die Spitzengruppe, welche etwas langsamer wurde. Von da an liefen wir zu fünft. Ich hielt mich im Windschatten der Gruppe. Kurz später wurde das Tempo verschärft. Wir näherten uns dem Goldsprint. Ich ging die erste Tempoverschärfung mit, welche uns einen Vorsprung auf die zwei Kenianer verschaffte. Da ich den Gesamtsieg wollte, liess ich dann Simon Tesfay und Abera Dadi den Sprint unter sich ausmachen. Der Sieger, Simon Tesfay, verlangsamte dann auch sofort und liess sich mit dem Goldvreneli in der Tasche zurückfallen. Derweilen kämpfte ich mich zurück an die Spitze und lief mit dem Äthiopier vorneweg. Ich spürte, dass er beissen musste und setzte mich bereits beim sechsten Kilometer etwas ab. Von da an einsam an der Spitze war der Durchhaltewille gefragt. Dadi war geschlagen, dass spürte ich, aber der Kenianer Simon Muthoni lief konstant hinter mir. Die Hitze nagte an mir und ich musste auf die Zähne beissen. Doch mein Wille zum Sieg war stark. Ich hielt so gut es ging durch und verschaffte mir einen Vorsprung von 100m, welcher ich bis zur Ziellinie nicht mehr hergab. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als ich in 30:32min als Erster das Ziel erreichte.

Nach dem Rennen kamen viele Leute auf mich zu, gratulierten mir und fragten überrascht, wie ich all die Afrikaner schlagen konnte. Ich wusste es selber nicht genau, da der zweitplatzierte, Simon Muthoni, eine Halbmarathon Bestzeit von 1:03:07 und der Dritte, Abera Dadi, 1:03:57 stehen hatten. Alles was ich nun weiss, ich bin erholt, ich bin in Form und ich werde voll motiviert die nächsten vier harten Trainingswochen in Angriff nehmen.

Münsiger Louf

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Die kenianischen Athleten vor dem Start. - Foto von Res Reinhard bern-ost.ch


24.07.2015 – Ägeriseelauf

Gelungener Trainingslagerabschluss

Nach vier Wochen St. Moritz hiess es Koffer packen. Ich verliess den Trainingsstützpunkt im Oberengadin mit einem guten Gefühl. Denn ich wusste, ich hatte jeden Tag das Beste gegeben und hart an mir gearbeitet. Doch ganz abgeschlossen hatte ich mit dem Trainingslager noch nicht. Als Pünktchen auf dem I wartete noch der Ägeriseelauf auf uns. Gemeinsam mit Tadesse Abraham und Marcel Berni fuhren wir am Freitagnachmittag direkt nach Oberägeri, wo wir gut 90min vor dem Start ankamen.

Wir wurden vom OK-Präsidenten Bruno Schuler herzlich empfangen. In den Räumlichkeiten des Segelclubs nahmen wir unsere Startnummern entgegen und bereiteten uns auf das Rennen vor. Zum Glück sahen uns nur wenige, als wir wie tote Fliegen auf den Bänken herumlagen. Wir waren müde von der Reise und vor allem von den harten Trainings. Eine Stunde vor dem Start scheuchte uns Ueli auf und schickte uns zum Einlaufen. Die ersten Schritte fielen schwer, danach kamen wir aber alle in den Wettkampfmodus.

Das Rennen wurde schnell gestartet. Tade führte das Feld gemeinsam mit vier Afrikanern an. Im Schlepptau liefen Marcel und Eric Rüttimann mit. Ich hielt mich etwas zurück und war alleine in der Verfolgung. Nach zwei Kilometern konnte ich zu Marcel, Eric und einigen Afrikanern aufschliessen. Nur Tade und Estefanus Hailemichael zogen vorne davon. Ich wollte die Lücke zu den beiden nicht zu gross werden lassen und übernahm die Spitze in der Verfolgung. Dabei verloren die zu schnell gestarteten Afrikaner den Anschluss. Nur Marcel und Eric blieben an mir dran. Beim fünften Kilometer gab es eine Zwischensprintwertung, wo die ersten Drei ein kleines Sackgeld gewinnen konnten. Marcel griff mich zwar noch an, aber ich konnte erfolgreich kontern und gewann den Zwischenrang. Tade hatte sich längst vorne abgesetzt und Estefanus verlor an Boden. Bei Rennhälfte, nach sieben Kilometern, war es um ihn geschehen und wir zogen an ihm vorbei. In diesem Moment verschärfte ich das Tempo und holte mir einen kleinen Vorsprung auf Marcel heraus. Doch so einfach liess sich Marcel Berni nicht schlagen und schaffte einen Kilometer später wieder den Anschluss und überholte mich sogar. In seinem Windschatten lief ich eine Weile mit. Erst als wir in ein Waldstück kamen griff ich erneut an. In Crossläufer-Manier zog ich auf dem Trail an ihm vorbei. Ich hielt die Pace hoch und konnte mich diesmal entscheidend absetzen. Von da an lief ich alleine an zweiter Stelle. Tade war auf und davon und weit ausser Reichweite. Er gewann überlegen und verpasste den Streckenrekord von Viktor Röthlin nur gerade um zehn Sekunden. Als Zweiter passierte ich die Ziellinie. Zu meinem Erstaunen war ich sogar eine Sekunde schneller als im Vorjahr, wo ich bereits in Topform und besser erholt gestartet war. Elf Sekunden hinter mir gewann Marcel Bronze.

Wir freuten uns gemeinsam, als Tade, Marcel und ich aufs Podest steigen durften. So oft hatten wir doch im Lager vorher zusammen gelitten und uns gegenseitig gepusht. Wir nahmen diesen Zwischenerfolg als Lohn und freuten uns auf unsere Marathons. Doch jetzt ist erst mal Erholung angesagt.

Ägeriseelauf

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Achtung...Fertig... - Foto von Urs Kühne kuehnetexte.ch


22.07.2015 – Trainingslager St. Moritz

Basisarbeit für den Berlin Marathon

In einer 16-wöchigen Trainingsphase bereite ich mich auf den Berlin Marathon vor. Zweimal vier Wochen davon verbringe ich in der Höhe im Trainingslager, um am 27. September mehr rote Blutkörperchen zur Verfügung zu haben. Diese sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Wenn dieser Transport schneller funktioniert, werde ich leistungsfähiger. So zumindest in der Theorie…

Den ersten Höhenblock verbringe ich hier in St. Moritz. Das Oberengadin bietet mit einem Plateau auf 1800m über Meer nahezu optimale Trainingsbedingungen. Die vielen gut gepflegten Waldwege sowie die wundervolle Natur, mit den vielen kleinen Seen, machen das Läuferparadies perfekt. Darum trifft man hier oben im Sommer auch immer wieder auf weltklasse Athleten, was auf mich sehr inspirierend wirkt.

Das Training lief bisher hervorragen. Ich trainierte am Limit. Der Umfang in Kombination mit der Intensität führte teilweise zu einem drohenden Erschöpfungszustand. In diesen Situationen musste ich auf meinen Körper hören und mir einen ruhigeren Trainingstag gönnen. Danach kam das gute Gefühl wieder zurück und ich konnte mit gewohnter Pace weitermachen. So bin ich bis jetzt in 24 Trainingstagen 635km gelaufen. Der längste Lauf war 41km, der Kürzeste 7km.

Am kommenden Freitag reise ich direkt von St. Moritz nach Oberägeri, um mit dem Ägeriseelauf mein erstes Trainingslager abzuschliessen.

Fazit: Bis jetzt läuft das Training nach Plan und ich bin auf Kurs.

St. Moritz

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Bahntraining mit Marcel Berni, Christian Kreienbühl und Jorge Garcia. - Foto von www.strava.com


27.06.2015 – Hellebardenlauf in Sempach

Ritterschlag am Hellebardenlauf

Vor meinem vierwöchigen Trainingslager in St. Moritz stellte ich mich am Hellebardenlauf in Sempach der Konkurrenz. Meine härtesten Konkurrenten waren auf dem Papier die beiden Äthiopier Guta Fikru und Netserab Mesfun sowie mein Clubkollege Fabian Kuert.

Nach der ersten kurzen Runde in der Altstadt setzten wir vier uns sogleich vom Feld ab. Ich lief an der Spitze und diktierte das Tempo. Meine Absicht war es, noch bei Rückenwind einen kleinen Vorsprung auf meine Konkurrenten herauszuholen, damit sie später nicht von meinem Windschatten profitieren könnten. Dies gelang mir auch nach vier Kilometer. Ich setzte mich leicht ab und verschärfte das Tempo erneut. Von da an lief ich das ganze Rennen alleine. Nur die streckenweisenden Fahrradfahrer und mein Coach, ebenfalls auf dem Velo unterwegs, begleiteten mich weiterhin. Im starken Gegenwind war mein Vorsprung bereits genügend gross, sodass tatsächlich keine Gefahr mehr drohte. Ich konnte meinen Vorsprung sogar weiterhin vergrössern.

Schlussendlich überquerte ich mit 39 Sekunden Vorsprung auf Guta Fikru die Ziellinie. Fäbu sicherte sich mit einer starken Leistung den dritten Rang. Belohnt wurde mein Gesamtsieg mit einer Hellebarde, mit welcher ich später von meinen WG-Kollegen zum Ritter geschlagen wurde.

Hellebardenlauf

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Abkühlung war schon vor dem Start wichtig. - Fotos von Daniel Werthmüller


13.06.2015 – 10‘000m Schweizermeisterschaften Langenthal

Heimsieg

Grosse Ziele hatte ich mir für die 10‘000-m-Schweizermeisterschaften im Heimstadion gesetzt. Ich wollte nichts weniger als den Sieg und wenn möglich sogar noch den Vereinsrekord. Den hält seit dem Jahr 1979 immer noch Guido Rhyn. Seine 29:46.68 sind fällig, dachte ich mir, und organisierte meinen WG-Kollegen Andreas Kempf als Pacemaker. Er sollte die ersten 5km in 14:45 anführen. Danach würden Michael Ott, Julien Lyon und ich das Rennen übernehmen. Wir hatten uns im Vorfeld abgesprochen, dass wir bis zu einem gewissen Punkt zusammenarbeiten und einander an der Spitze ablösen, um eine schnelle Zeit zu realisieren.

Leider spielten die äusseren Bedingungen am vergangenen Wochenende nicht mit. Andreas Kempf führte tapfer die ersten vier Kilometer an und hielt sich ziemlich genau an meine Vorgabe. Gerade einmal vier Sekunden zu langsam waren wir als Ändu das Rennen verliess. Die Hitze und vor allem der Wind hatten aber auch ihm derart zugesetzt, dass er seine Tempomacher-Dienste bereits beenden musste. Ich übernahm die Führung und merkte sogleich, dass Julien Lyon, mein einziger Verfolger, Mühe bekundete, mein Tempo mitzugehen. Ich selbst spürte, dass das Tempo wohl zu hoch war, um es bei dieser Witterung bis zur Ziellinie durchziehen zu können. Trotzdem wusste ich auch, dass es für Julien mental extrem schwierig werden würde, wenn ich ihm jetzt schon davon ziehen würde. Also hielt ich das Tempo nochmals 800m aufrecht. Als mir bei Rennhälfte die Zwischenzeit von 14:56 zugerufen wurde, kam in mir nicht einmal der kämpferische Gedanke auf, die zweite Hälfte nochmals so schnell oder sogar noch schneller zu laufen. Der Gegenwind auf der Gegengerade war zu stark gegen. Also begann ich, meine Energiereserven bestmöglich zu verwalten. Von Runde zu Runde liess ich mir meinen Vorsprung zurufen. Solange er grösser wurde oder gleich blieb, hielt ich mich etwas zurück und blieb ruhig. So gut wie möglich, versuchte ich mich mit wassergetränkten Schwämmen herunter zu kühlen und baute meinen Vorsprung Schritt für Schritt aus. Erst einen Kilometer vor dem Ziel war ich mir sicher, dass mich wohl keiner mehr einholen würde und begann den Schluss zu „geniessen“. Nicht etwa, dass es für mich locker gewesen wäre, ich war am Anschlag. Noch einmal kämpfte ich mich an meinem Fanclub vorbei und auf die Zielgerade, wo mich die Langenthaler Zuschauer ins Ziel trugen.

Mit einem Vorsprung von 21 Sekunden und einer Endzeit von 30:24.58 gewann ich souverän vor Julien. Dritter im SM-Klassement wurde mein Vereinskollege Fabian Kuert, knapp geschlagen vom Briten Neil Burton. Trotz des verpassten Vereinsrekords bin ich natürlich zufrieden. Es war schliesslich mein erster Sieg an einer Schweizermeisterschaft auf der Bahn in der Elite-Kategorie. Guidos Rekord werde ich bei der nächsten Gelegenheit wieder attackieren.

10'000m SM

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Die ersten zehn Runden führte Ändu als Pacemaker vor Julien und mir. - Foto Eva Lehmann


27.05.2015 – Mini-Internationales Koblenz

Wieder der Alte

Nach der ersten Standortbestimmung am Auffahrtsmeeting in Langenthal über 3000m wusste ich, dass ich unten raus noch immer schnell laufen kann. Aber ich wusste auch, dass ich mit wenigen zusätzlichen Trainings noch viel schneller sein könnte. So kam es, dass ich voller Hoffnung nach Koblenz reiste. Den Ort, an dem ich vier Mal über 5000m angetreten bin, und jedes Mal eine neue persönliche Bestleistung aufstellte. In diesem Jahr wollte ich unbedingt unter 14 Minuten laufen und wenn möglich sogar noch das Rennen gewinnen.

Leider erfuhren wir erst vor Ort, dass es in diesem Jahr keine Pacemaker geben würde. Da fünf bis zehn Läufer am Start waren, die unter 14 Minuten hätten laufen können, hoffte ich, dass wir uns an der Spitze harmonisch abwechseln würden und so trotzdem eine super Zeit realisieren könnten. Leider war das nicht der Fall. Das Rennen war von der ersten Runde an zu langsam. Keiner wollte sich vorne im Wind opfern. Stattdessen hoffte jeder, dass es ein Anderer machen würde. Wir liefen 69er bis 70er Runden anstelle von 67er. Nach 1200m hatte ich genug. Ich befreite mich von der Innenbahn, lief von Position fünf bis an die Spitze und verschärfte das Tempo. Meine Runde war in 66 Sekunden dann sogar etwas zu schnell. Mein WG-Kollege Andreas Kempf, der nur vier Tage zuvor sensationelle 14:02 in Belgien gelaufen war, löste mich ab. Seine Runde war mit 67 Sekunden perfekt. Dann gab ich einem Deutschen das Zeichen, dass er an der Reihe war und eine Runde führen soll. Er übernahm tatsächlich die Spitze. Doch als in mir gerade die Hoffnung aufflammte, das Rennen organisiert zu haben, wurde er wieder langsamer. Mittlerweile liefen an meiner Seite wieder andere Läufer, die mir den Weg an die Spitze versperrten. So konnte ich bei der Temporeduktion nur untätig zusehen. Es folgten mehrere Rempeleien, das Rennen wurde noch unregelmässiger. Als ich die 3000m in 8:35 passierte, anstatt wie geplant in 8:23, wusste ich, das Rennen war gelaufen. Die 14-Minuten-Traummarke konnte ich mir abschreiben. Ich wollte nur noch gewinnen. Von da an wurde ich passiv und hielt mich an fünfter, sechster Stelle in Lauerstellung. Auf dem letzten Kilometer, wurde das Rennen zum Steigerungslauf. Ich hatte ähnliche Gedanken, wie schon in Langenthal, als ich die Konkurrenz ziehen liess, aber diesmal ging ich nicht darauf ein und blieb an der Spitze dran. Ich wollte gewinnen. Eine Runde vor Schluss wurde ich erneut an der Innenbahn eingeklemmt und von einem Läufer vor mir ausgebremst. Ich musste verlangsamen, überholen und das kleine Loch, das dabei aufgegangen war, wieder zu laufen. Ich war an dritter Stelle, genau an der richtigen Position. 200m vor Schluss kickte ich, um die zwei Äthiopier vor mir anzugreifen. Ich kam an sie heran, doch dann kickten sie ebenfalls und zogen davon. Auf den letzten 100m war ich so blau, wie schon Ewigkeiten nicht mehr. Ich wurde von einem Deutschen noch angegriffen, konnte dem aber nichts mehr entgegensetzen und wurde mit dem undankbaren vierten Platz belohnt.

Zu meinem Erstaunen wurde meine Zeit bei 14:07.09 gestoppt, womit ich nur zwei Sekunden über meiner PB blieb. Ich war etwas frustriert, da ich genau wusste, dass ich an diesem Tag eine Zeit unter 14 Minuten hätte laufen können, wenn das Rennen von Anfang an regelmässig schnell gewesen wäre. Aber mit meinen letzten zwei Kilometern und vor allem mit meiner letzten Runde war ich sehr zufrieden. Dort spürte ich, dass ich wieder sprinten kann wie früher.

Wie immer perfekte Bedingungen im Oberwerth Stadion in Koblenz.

Wie immer perfekte Bedingungen im Oberwerth Stadion in Koblenz.


14.05.2015 – Auffahrtsmeeting Langenthal

Saisoneinstieg am Auffahrtsmeeting

Vom Zürich Marathon hatte ich mich sehr gut erholt. In der ersten Woche nach dem grossen Rennen verzichtete ich komplett auf Sport, um meinem Körper für einmal Ruhe zu gönnen. In der Woche darauf lief ich nur wenig und probierte neue Sportarten aus. Der Spass stand im Vordergrund. Bei der Badmintonpartie gegen meine Freundin flammte mein Ehrgeiz zwar zwischenzeitlich wieder auf, wurde aber von ihr wortwörtlich niedergesmasht.

Am Zunzger Waldlauf startete ich dann mit zwei lockeren Läufen in die neue Trainingsphase. Es ist eigentlich eine Übergangszeit zwischen dem Zürich Marathon und dem Start des Marathon-Trainings für Berlin. Diese Zeit möchte ich nutzen, um meine Grundschnelligkeit wieder zu verbessern und neue Reize zu setzen. Schon beim ersten schnellen Bahntraining mit meinem Mitbewohner Andreas Kempf merkte ich, dass viel Arbeit auf mich wartete.

Am Donnerstag Morgen wollte ich die Arbeit anpacken und eine fünf Mal 1000m Session im Hard machen. Als ich im Stadion ankam, liefen die Vorbereitung fürs Auffahrtsmeeting bereits auf Hochtouren. Das hatte ich nicht bedacht. Kurzfristig entschied ich mich, anstelle des Bahntrainings beim 3000m-Lauf des Auffahrtsmeetings anzutreten. Sechs Stunden später stand ich an der Startlinie. Fast zwei Jahre war es her, als ich zum letzten Mal zu einem Bahnrennen startete. Entsprechend angespannt war ich auch. Ich hatte keine Ahnung wie schnell ich laufen könnte. Mein Plan war zu starten und mal zu schauen was sich ergibt. Gesagt, getan. Unser Pacemaker Jari Piller zog das Feld sofort in die Länge. Ich konnte mich ohne Rempeleien an der Innenbahn einordnen und fand ziemlich schnell einen guten Rhythmus. Im Windschatten von Adriano Engelhardt lief ich die ersten 1000m in 2:47min. Kurz darauf machte sich vor Adri und Thomas Huwiler eine kleine Lücke auf. Ich zögerte nicht lange, überholte und lief das Loch zu. Von nun an lief ich in der Spitzengruppe an dritter Stelle. Als Jari nach 1500m das Rennen verliess, übernahm Mohammed Boulama die Führung. 1000m vor Schluss übernahm dann Andreas Kempf das Zepter. Ich wollte Ändu eigentlich unterstützen und in an der Spitze ablösen, aber mir fehlte die Kraft. Auf den letzten 800m machten sich meine Defizite bemerkbar. Das Laktat lähmte mich. Ich wollte zulegen und in alter Manier an meinen Konkurrenten vorbeiziehen, aber ich konnte nicht mehr. Auf der letzten Runde wurde ich von zwei Mitstreitern überholt und kam immerhin noch mit 8:21.31 ins Ziel. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht. Im zweiten Moment sah ich aber ein, dass ohne Training nicht mehr zu erwarten war und ich immerhin die zweitbeste Zeit meiner Karriere realisierte.

Auffahrtsmeeting

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Pacemaker, Jari Piller, führt das ganze Feld zu guten Zeiten. - Foto von athletix.ch


19.04.2015 – Zürich Marathon

Bestzeit im Alleingang

Beim Abendessen in Kenia schmiedeten Michael Ott und ich Pläne, wie wir zusammen den Zürich Marathon laufen könnten. Ich war in meiner Zielformulierung eher zurückhaltend, da ich ein gebranntes Kind war vom EM-Marathon und ausserdem war Michi erst noch deutlich besser in Form. Dennoch hofften wir zumindest die erste Hälfte gemeinsam laufen zu können, um voneinander zu profitieren. Wie so oft kam alles anders, als wir dachten.

Michi zerrte sich zwei Wochen nach dem Trainingslager bei einem Bahntraining den Hamstring und verpasste deswegen zahlreiche Trainings. Seine gute Form war dahin. Er startete trotzdem, musste aber bei Kilometer 19 aussteigen. Schade! Ich wünsche dir gute Besserung Michi.

Ich ahnte schon am Start, dass ich grosse Teile der Strecke alleine laufen werden muss. Nach dem Start und den ersten beiden Kilometern fragte ich zwei Deutsche, was sie sich zum Ziel setzten. 2:24 war ihre Antwort. Das diente mir leider auch nichts. Ich setzte mich ab und war von da an alleine Unterwegs.

Die ersten 15km hatte ich mit Ueli geplant in einer 3:16 Pace zu laufen. Es rollte ganz leicht. Ich versuchte mich zu entspannen und die ersten lockeren Kilometer zu geniessen. So konnte ich sogar meinem Fanclub zulächeln, als ich bei ihnen vorbei kam. Der neue Marathon Nationaltrainer Luigi Nonella begleitete mich auf dem Fahrrad. Er war jedoch nicht als mein persönlicher Betreuer dabei, sondern als Beobachter vom Verband. Seine Anfeuerungsrufe beschränkten sich darum auf die letzten paar Kilometer.

Nach 15 Kilometern war mein Motor warmgelaufen. Ich durfte leicht beschleunigen und lief von nun an eine 3:12 Pace. Es fühlte sich immer noch locker und leicht an. Der Seitenwind kam zu diesem Zeitpunkt auch eher von hinten. Von meiner Familie und Freunden bekam ich rund alle vier Kilometer meine Winforce Flasche gereicht. Die Verpflegung klappte während dem ganzen Rennen einwandfrei. Die Hälfte der Distanz legte ich in 1:08:21 zurück und hatte somit einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Fahrplan. Ich schob das auf den Rückenwind und liess mich keineswegs beirren. Im Gegenteil, ich hoffte lange Zeit auf eine Endzeit unter 2:17.

Als ich dann in Meilen nach 25 Kilometer Kehrtwende machte, spürte ich erstmals den Wind von vorne. Er war nicht stark, aber dennoch stets spürbar. Ab und zu kam eine Böe, die mich mehr bremste. Alles in allem waren die Bedingungen aber nicht schlecht. Wie geplant lief ich von da an eine 3:15 Pace. Ich hoffte eigentlich anfangs von diesem Abschnitt mich nochmals etwas entspannen zu können, doch gefühlsmässig gab es kaum einen Unterschied zu den 3:12 mit leichtem Rückenwind. Es schlichen sich ab und zu langsamere Kilometer ein. Ich sagte mir immer wieder, dass ich einen leichten Vorsprung habe und das kein Problem sei. Der nächste Kilometer musste einfach wieder passen. Zwischen 30 und 37 Kilometer litt ich am meisten. In diesem Abschnitt war ich noch nicht zurück in Zürich und das Ziel schien mir noch weit weg. Dort verlor ich dann meinen Vorsprung auf meinen Zeitplan, handelte mir sogar einen kleinen Rückstand ein. Zurück in der Stadt wurde ich von den Häusern vor dem Wind geschützt. Ich konnte nochmals zulegen. Mein Fanclub peitschte mich nochmals richtig an. Es sträubte sich zwar jede Zelle in mir gegen eine erneute Beschleunigung, dennoch versuchte ich es. Gedanklich suchte ich die Leichtigkeit vom Anfang. Tatsächlich kam ich nochmals besser ins Rollen und konnte 200m vor dem Ziel einen zurückfallenden Afrikaner überholen. Im Ziel wurde für mich als schnellster Schweizer nochmals das Zielband gespannt. Ein wunderschönes Gefühl, dieses durchlaufen zu dürfen.

Die Uhr blieb bei 2:17:25 stehen. Damit verbesserte ich im Alleingang meine persönliche Bestzeit um fast eineinhalb Minuten. Hinter sieben Afrikanern, einem Japaner und drei Europäer wurde ich Zwölfter, womit ich sehr zufrieden bin. Mit einem Pacemaker wäre ich sehr wahrscheinlich noch etwas schneller gewesen, aber vorerst gebe ich mich mit dem Erreichten zufrieden. Der nächste Marathon folgt ja schon im Herbst in Berlin.

So berichteten die Medien: BAZ, NZZ, Swiss Athletics, Fanclub

Zürich Marathon

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Bereits nach dem zweiten Kilometer allein auf weiter Flur. - Foto von Herbert Schnetzler


11.04.2015 – Trainingslager Medulin

Feinschliff

Die letzte richtige Trainingswoche vor meinem dritten Marathon verbrachte ich mit 70 anderen Athleten in Kroatien. Das Lager, organisiert von Hansruedi Mägli und Samuel Geissbühler, führten Läufer von der LV Langenthal, vom TV Welschenrohr, vom LC Luzern und zahlreichen anderen Vereinen zusammen, mit dem Ziel die Bahnsaison vorzubereiten. Es motivierte mich zu sehen, wie Alt und Jung gemeinsam an ihrer Form arbeitete. Die gute Stimmung steckte mich an, was sich positiv auf meine harten Trainingseinheiten auswirkte. Vom Longrun, über 3000m-Läufe, bis zu 400er war alles dabei. Hauptsache, die Beine kamen richtig ins Rollen. Unsere kleine Langstrecken-Gruppe wurde von Coach Ueli geleitet. Er war meistens mit dem Velo dabei, führte uns durch Kraft- und Dehnprogramme und motivierte uns bei schnellen Läufen zu Höchstleistungen. Es tut mir immer gut, wenn er beim Training dabei sein kann.

Ausserdem ist die Region Istrien sowieso eine Reise wert. Die kleinen Halbinseln und Buchten bieten wunderschöne Laufrouten der Küste entlang. Wenn uns nicht gerade der Wind verwehte, war es ein richtiger Genuss. Danke für die tolle Woche und die einwandfreie Organisation.

Ich fühle mich parat und freue mich auf den Zürich Marathon am kommenden Sonntag.


29.03.2015 – Halbmarathon Berlin

Perfektes Rennen zur PB

Für all die vielen Trainingskilometer wurde ich am vergangenen Sonntag mit einer persönlichen Bestzeit belohnt. Und dies, obwohl die unmittelbare Vorbereitung nicht optimal verlief. Eineinhalb Wochen vor dem Berliner Halbmarathon, musste ich drei Trainingstage auslassen, da ich wieder gesundheitlich angeschlagen war. Und auch die letzten Trainings waren schlecht. Der Puls zu hoch, das Tempo zu tief. Ich befürchtete, dass meine hochgesteckten Ziele ausser Reichweite sein würden.

Am Tag vor dem Rennen wurden wir am Technical-Meeting darüber informiert, dass die vierte Gruppe einen Pacemaker bekommt, der die ersten zehn Kilometer auf 30:50min anlaufen sollte. Das wäre für mich perfekt, wenn ich in Topform wäre, dachte ich. Trotz den Zweifeln entschied ich in Absprache mit Coach Ulei, dass ich das Tempo versuche mitzulaufen, sofern ich mich dabei gut fühle. Auch deshalb weil wir wussten, dass uns auf der ersten Streckenhälfte ein starker Wind entgegen blasen würde.

Tatsächlich fühlte ich mich am Wettkampftag sensationell. In den Tagen zuvor hatte ich intensiv an meiner mentalen Einstellung gearbeitet. Das schlechte Gefühl und die schlechten Gedanken konnte ich verdrängen. Ich wollte einfach nur das bestmögliche aus mir herausholen. Nach dem Start auf dem Alexanderplatz bogen wir nach dem Fernsehturm links ab und liefen der Karl-Liebknecht Strasse entlang. Dort fand ich zu meiner Gruppe. Es waren gut zehn Läufer, die dem kleinen kenianischen Pacemaker hinterher liefen. Ich reihte mich ganz hinten ein, um von der ganzen Traube vom Wind geschützt zu werden. Wir rannten unter den Linden durch, durchs Brandenburger Tor, durch den Tiergarten. Bei der Siegessäule passierten wir die Fünf-Kilometer-Marke in 15:21min. Das Tempo war mir ein wenig zu schnell, aber ich hatte keine andere Wahl. Die Gruppe war perfekt. Hinten merkte ich fast nichts vom starken Gegenwind. Vorne bekamen sie ihn sichtbar mehr zu spüren. Denn bis zum Schloss Charlottenburg bei zehn Kilometer büssten wir an Zeit ein. Die 10-km-Zwischenzeit wurde bei 31:03min gestoppt. Dort stand auch meine Mutter. Sie reichte mir meine WinForce-Flasche, von welcher ich neue Energie tanken konnte.

Von der Stärkung und vom Rückenwind beflügelt, überlegte ich mir eine kurze Zeit, ob ich beschleunigen sollte. Ich fühlte mich super. Aber der Gedanke kam anscheinend nicht nur mir. Die Gruppe wurde wieder schneller. Plötzlich stürzte mitten im Getümmel der Däne Jesper Faurschou. Im letzten Moment konnte ich noch ausweichen. Die nassen Strassen waren zwischenzeitlich richtig rutschig geworden. Speziell in den Kurven mussten wir aufpassen. Fünf Kilometer vor dem Ziel stand meine Freundin, die mir die zweite Zwischenverpflegung gab. Wie schon bei der ersten trank ich Carbo Basic Plus. Wegen der Ermüdung hatte ich diesmal mehr Mühe das Getränk aufzunehmen und verlor gemeinsam mit zwei anderen Läufern den Anschluss. Als ich die 18-km-Tafel sah, holte ich das Letzte aus mir heraus. Ich wollte die Gruppe vorne wieder aufholen. Der Österreicher Valentin Pfeil, welcher mit uns in Kenia weilte, konnte mir folgen. Gemeinsam holten wir auf. Bis zum Ziel konnten wir noch einen oder zwei Athleten überholen, doch das spielte in dem Moment keine Rolle mehr. Beide von uns wollten vor dem Anderen ins Ziel kommen. Vali beschleunigte und setzte sich wenige Meter ab. Doch mit einem Schlussspurt konnte ich ihn knapp vor dem Ziel doch noch abfangen.

Die Uhr blieb bei 1:05:17 Stunden stehen. Das bedeutet neue persönliche Bestzeit, 52 Sekunden schneller als vor eineinhalb Jahren. Der 26. Rang hinter 14 Afrikanern, einem Amerikaner und zehn Europäern ist nebensächlich. Die gute Zeit ist die Hauptsache und gibt mir ein gutes Gefühl für den Marathon in Zürich.


15.03.2015 – Trainingslager zu Hause

Spitzensportförderung der Armee macht’s möglich

Mit dem Trainingslager in Kenia ging der erste harte Trainingsblock zu Ende. Es folgte eine Erholungswoche, bevor ich den zweiten nicht weniger harten Block in Angriff nahm. Da in den ersten zwei Wochen vom neuen Block wieder Trainingsumfänge von +/-200km auf mich warteten, stellte ich bei der Spitzensportförderung der Armee den Antrag, dass ich diese zwei Wochen als Trainingslager von zu Hause aus machen kann. Der Antrag wurde angenommen und somit diese 15 Tage militarisiert. Für mich bedeutete das, dass ich von meiner beruflichen Tätigkeit befreit wurde. Ich hatte also von morgens bis abends Zeit zum trainieren und regenerieren. Perfekte Bedingungen im gewohnten Umfeld. By the way, ich kann maximal 130 solche WK Tage beziehen. 100 davon sind freiwillig und werden nicht angerechnet.

Die Trainings verliefen sehr gut. Herausstreichen kann ich wieder die beiden Longruns. Jeweils am Samstag lief ich 35km. Die letzten zwei respektive fünf Kilometer davon lief ich in meiner gewünschten Marathonpace. Von Woche zu Woche wird jetzt der schnelle Teil am Ende länger, währenddem der langsamere Abschnitt kürzer wird. So werde ich gut zwei Wochen vor dem Marathon einen Longrun mit 20km Wettkampfpace laufen. Wenn ich das geschafft habe, dann bin ich ready.

Absolutes Trainingshighlight war ein zehn Kilometer Testlauf im MaxFit auf dem Laufband. Wie schon im Januar versuchte ich diese Distanz möglichst schnell zu laufen. Ich stellte die Geschwindigkeit auf 20.3km/h ein. Schon nach der Hälfte spielte ich mit dem Gedanken zu beschleunigen. Da der Hammermann immer auf dem zweiten Teil der Strecke wartet, hielt ich mich noch zurück. Ich fühlte mich genial. Nach siebeneinhalb Kilometer beschleunigte ich um 0.2km/h. Nach acht Kilometer wieder um 0.1km/h. Der letzte Kilometer lief ich dann schon mit 21km/h, bis ich zum Schlussspurt das Laufband ans Limit von 25km/h brachte. Es resultierte eine Endzeit von 29:22.7min. Damit war ich 26 Sekunden schneller als noch im Januar. Und das obwohl ich eine ordentliche Vorbelastung in den Beinen hatte. Kenia hat also seine Spuren hinterlassen. Sehr gut!


28.02.2015 – Cross SM Lausanne

ckr zu stark

Eine Woche nach meiner Rückkehr aus Kenia lief ich bereits mein erstes Rennen. In Lausanne wurden die Cross Schweizermeisterschaften ausgetragen und ich startete im Langcross (10km). Da einige Tage nach dem Höhentrainingslager ein „Höhenloch“, also eine Formschwäche infolge der Rückanpassung ans Flachland, droht, hatte ich keine Ahnung wie ich das Rennen angehen sollte. Die starke Konkurrenz machte mir diese Aufgabe auch nicht gerade leichter.

Auf den ersten drei Kilometer waren es die beiden St.Galler Eric Rüttimann und Fabe Downs, die das Rennen anführten und das Tempo kontrollierten. Direkt hinter ihnen hielt sich das ganze Feld auf. In den Kurven gab es immer wieder Rempeleien, wie das im Crosslauf so üblich ist. So setzte ich mich auf der vierten Runde an die Spitze, wo es etwas friedlicher zu und her ging. Bis Christian Kreienbühl angriff. Ziemlich genau nach Rennhälfte, zog er an mir vorbei und verschärfte das Tempo schlagartig. Nur der Äthiopier Tolossa Chengere und ich vermochten ihm zu folgen. Chrigi hielt die Pace in beeindruckender Manier aufrecht. Nach sieben Kilometer war aber auch ich geschlagen und musste die beiden ziehen lassen. Einen Kilometer später war es auch um Tolossa geschehen, Chrigi gewann ungefährdet. Ich versuchte auf der zweitletzten Runde nochmals aufzudrehen, um Tolossa einzuholen. Bald merkte ich aber, dass sein Vorsprung zu gross und mein Tank zu leer war. Die Lücke nach hinten war jedoch gross genug, so dass ich das Rennen ausklingen lassen konnte.

Als Overall-Dritter, mit 32 Sekunden Rückstand, lief ich über die Ziellinie. An der Siegerehrung der Schweizermeisterschaft konnte mich mein Fanclub sogar als Silbermedaillengewinner feiern. Im gleichen Rennen wurde auch noch ein CISM-Länderkampf ausgetragen, bei welchem wir die Team-Wertung vor den Belgiern und den Franzosen gewinnen konnten.

Mit dem Erreichten muss ich zufrieden sein, mehr als Silber war an diesem Tag nicht möglich. Aber wie das im Leben eines Sportlers ist, will man immer gewinnen und ist nur zu 100% zufrieden, wenn man zuoberst auf dem Treppchen steht.

Cross SM

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Warm eingepackt vor dem Start


25.02.2015 – Trainingslager Kenia Teil 2

Run. Eat. Sleep. Repeat.

Nach der ersten Woche, die der Angewöhnung an die Höhe diente, startete mein Trainingslager erst so richtig. Die Dauerläufe wurden schneller, meist intensiver und länger. Ich kam so richtig ins Rollen. Nur die Belastungen fühlten sich nie wirklich gut an, denn die dünne Luft machte mir bei der hohen Intensität zu schaffen. Es fiel mir schwer, meine Trainings richtig einzuteilen. Meistens begann ich etwas zu schnell, was ich gegen Ende des Trainings büssen musste. Nach solchen Trainings zweifelte ich auch manchmal an meiner Form oder an meinen Fähigkeiten, mit der Höhe umzugehen. Meist kehrte nach ein paar Stunden das gute Körpergefühl aber wieder zurück, die Erholung schien also gut zu funktionieren. Besser erging es mir bei den Longruns. Wir liefen einmal 35km in der zweiten und einmal 38km in der dritten Woche, welche beide nach Plan verliefen. Diese Schlüsseltrainings gaben mir Sicherheit.

Am Freitagmorgen vor der Heimreise schlossen Chrigi Kreienbühl, Michi Ott und ich, uns den Einheimischen an. Wir versammelten uns noch im Dunkeln um 6.15 Uhr im Dorf. Wenige Minuten zu früh dort, waren wir zunächst vielleicht etwa 15 Athleten. Auf einmal kamen aber immer mehr Leute den Hügel herunter, so dass wir zum Trainingsstart sicher 50 Läufer waren. Auf den ersten lockeren Kilometern kamen immer mehr dazu, bis zwischenzeitlich ca. 100 Läufer gemeinsam unterwegs waren. Niemand von uns kannte das Trainings-Programm und ich fragte auch bewusst nicht nach, denn es sollte eine Überraschung werden. Mit der aufgehenden Sonne konnte man die Löcher und Steine auf der Strasse besser erkennen, und automatisch wurde auch das Tempo kontinuierlich höher. Das Laufen in einer so grossen Gruppe war gar nicht so einfach, konnte man doch kaum einen Abstand zum vorderen Läufer lassen, ohne dass schon ein Anderer die Lücke füllte. Steine und Löcher kamen so meist sehr spät und überraschend zum Vorschein, was eine hohe Reaktionsfähigkeit beim Ausweichen erforderte. Man musste also stets aufmerksam den Boden beobachten und hatte kaum Zeit den Kopf zu heben und die Gedanken schweifen zu lassen. Gut, Gedanken schweifen lassen war sowieso nicht angesagt. Denn die erste von vielen Überraschungen kam nach 15min. An jedem Anstieg wurde die Intensität erhöht. Anfangs noch im vernünftigen Rahmen, später ähnelte die Situation einem Wettkampf. In einem kurzen flachen Abschnitt liefen wir 3:20 pro Kilometer, bis sich die Herren an der Spitze gemeinsam anschnauzten und das Tempo glücklicherweise wieder reduziert wurde. Nach einer Stunde hatte ich genug. Ich wollte mich am letzten Tag nicht überbelasten und lies die Gruppe inklusive Michi und Chrigi ziehen. Eine Viertelstunde später traf ich dann wieder auf die Gruppe, die ihr Training beendet hatte. Von meinen Schweizer Kollegen erfuhr ich, dass das Training mit einem Schlussspurt geendet hatte. Zum Glück waren wir nur bei einem Dauerlauf dabei. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, wie die Jungs sich bekämpfen, wenn sie ein Belastungstraining machen…

Mittlerweile bin ich zurück in der kalten Schweiz. Die Kontrollmessungen in Magglingen zeigten einen sehr guten Effekt in meinem Blut. Mein Körper hat sich gut an die Höhe angepasst und mehr rote Blutkörperchen produziert. Jetzt bin ich gespannt auf die kommenden Wettkämpfe und die weitere Entwicklung.

Iten

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Für jedes Training mussten wir zuerst diesen 1km langen Anstieg unter die Füsse nehmen


08.02.2015 – Trainingslager Kenia Teil 1

Endlich angekommen

Die Woche, die ich länger zu Hause bleiben musste, habe ich so gut wie möglich genutzt. Als Ergebnis darf ich ASICS als meinen neuen Ausrüster vorstellen. Mich hat vor allem das MIX UP YOUR RUN-Konzept überzeugt. Für jeden Untergrund und jede Trainingsart hält ASICS den optimalen Schuh bereit. Durch die Vielfalt im Training vermeide ich eine einseitige Belastung des Körpers und kann so das Verletzungsrisiko senken. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die neuen Produkte.

Eine Woche verspätet trat ich schlussendlich die Reise nach Kenia dann doch noch an. Ich flog von Zürich nach Nairobi, blieb dort für eine Nacht, um am nächsten Morgen früh weiter nach Eldoret zu fliegen. Dort nahm ich mir ein Taxi und fuhr eine gute Stunde bis nach Iten. Die Reise verlief problemlos, obwohl die kenianische Art Auto zu fahren schon gewöhnungsbedürftig ist. Verkehrsregeln gibt es nur in der Theorie.

Was in Iten von Anfang an ins Auge sticht, sind die vielen Läufer. Überall wird gerannt. Praktisch jeder trägt einen Trainingsanzug. Am Strassenrand, zwischen den kleinen Verkaufsläden und den umhergehenden Schafen, wird gedehnt. Eine solche Anzahl an Athleten habe ich noch nirgends sonst gesehen. Es kommt mir vor, als wäre das ganze Dorf ein grosses Trainingszentrum.

Die dünne Luft auf 2400müM fordert eine gewisse Akklimatisationszeit. So nahm ich die ersten Trainings auf den trockenen staubigen Strassen ruhig in Angriff. Das gab mir die Möglichkeit, die wunderschöne Natur zu geniessen. Die Kombination der rotbraunen Erde mit den grünen Büschen und den farbenfroh angezogenen Menschen ergibt wunderschöne Bilder.

Leider bekam ich bereits am Montag die Schattenseite von Kenia zu spüren. Mein Magen rebellierte, da er sich an die exotische Küche noch nicht gewöhnt hatte. Am Dienstag lag ich einen ganzen Tag flach. Mir war übel und ich hatte leichtes Fieber. Zum Glück klang die Krankheit so schnell ab, wie sie gekommen war. Ab dem Mittwochnachmittag war ich im Training wieder mit dabei.

So richtig wohl fühle ich mich erst seit diesem Wochenende im Training. Meine Verdauung hat sich endgültig normalisiert. Der Puls hat sich gesenkt und ist somit an die Höhe angepasst. Mein Körper hat sich an Kenia gewöhnt. Jetzt bin ich endlich angekommen und bin ready to go.

Wie es mir in den kommenden zwei Wochen ergeht, werde ich in einem zweiten Teil berichten.

home of champions

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Goodbye Switzerland


23.01.2015 – Kenia muss warten

Krankenbett statt Dirt Road

Leider kämpfe ich seit einer Woche mit Krankheiten. Zwei Tage vor der geplanten Abreise ins Trainingslager in Kenia entschieden wir, die Reise zu verschieben. Ich werde eine Woche später nachreisen.

Dabei hatte das neue Jahr so gut angefangen. Ich hatte das Training nach der Pause voll motiviert wieder aufgenommen. Dank den guten Vorsätzen nahm ich mir für jedes Training viel Zeit. Doch leider waren die 98km vom Montag bis am Mittwoch von letzter Woche zu viel für mein Abwehrsystem. Ich holte mir die Magen-Darm-Grippe. Als ich mich schon fast davon erholt hatte, flatterte gleich der nächste Virus rein. Diesmal hatte ich Fieber und meine Nase lief ununterbrochen. Das Glück war definitiv nicht auf meiner Seite.

Naja, Trübsal blasen bringt nichts. Jetzt werde ich schnell wieder gesund und dann geht’s ab nach Afrika!


14.12.2014 – Cross EM Samokov

Aufwärtstrend

An die Cross Europameisterschaften in Samokov, Bulgarien, reisten wir mit einer Delegation von vier Athletinnen und fünf Athleten. In der Elite Kategorie bei den Männern stand ich leider als einziger Schweizer am Start. Die Ausgangslage war hart. 75 Läufer, davon 25 schneller, 25 in meinem Bereich und 25 langsamer als ich. Mit diesen Voraussetzungen setzte ich mir zum Ziel, in die Top 30 zu kommen. Um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, musste ich taktisch clever laufen. Ich nahm mir vor, wie in den Qualiläufen, nicht zu schnell zu starten, um auf den letzten Runden das Rennen voll durchziehen zu können.

Bei strahlendem Sonnenschein und schon beinahe frühlingshaften Temperaturen wurde das Rennen gestartet. Wie immer sprinteten alle los. Diesmal machte ich auf den ersten paar hundert Metern das Spielchen mit, denn als Letzter wollte ich nicht aus den ersten beiden kurzen Runden herauskommen. Ansonsten müsste ich auf den folgenden acht grossen Runden viel zu viele Ränge gut machen, was mich zu viel Kraft kosten würde. Zwischenzeitlich lief ich auf Rang 45 in Mitten des Feldes. Als wir dann erstmals auf die lange Runde kamen, machte ich auf dem ersten abfallenden Abschnitt einige Ränge gut. Aufwärts hängte ich mich an den Läufer vor mir und versuchte dranzubleiben. Ich hörte, wie mir der Schweizer Nationaltrainer Fritz Schmocker vom Streckenrand zurief, dass ich auf Rang 39 war. Ich versuchte mich weiter nach vorne zu arbeiten. Jeder Rang war ein Kampf. Als ich aber Hassan Chahdi, ein französischer Cross EM Medaillengewinner überholen konnte, wurde ich für meinen Einsatz belohnt. Leider zog er auf der nächsten Runde wieder an mir vorbei, bis er kurz später im Schlamm stürzte und ich ihn endgültig abhängen konnte. Als wir den sechsten von zehn Kilometern passiert hatten, begann sich meine Strategie auszuzahlen. Ich konnte mein Tempo einigermassen halten und machte dabei immer mehr Ränge gut. So konnte ich bis zwei Runden vor Schluss zum Deutschen Benedikt Karus aufschliessen. Wir sind schon öfters gegeneinander gelaufen, wobei ich meistens den Kürzeren ziehen musste. Auch jetzt legte er zu, als er bemerkte, dass ich an ihm dran war. Gemeinsam zogen wir eine ganze Gruppe hinter uns her. Fritz schrie mir Rang 29 zu. Wir kamen auf die letzte Runde. Ich wusste, ich bin genau da, wo ich sein wollte. Beni zog mir davon, er war einfach zu stark. Aber da waren genügend andere Läufer, an denen ich mich orientieren konnte. Hinter dem Belgier Stijn Garain, der in Roeselare Dritter wurde, lief ich den Hügel herunter. Aufwärts musste ich richtig beissen, doch das Ziel war nur noch 500m entfernt. Meine Erinnerung an den Schlussaufstieg ist sehr verschleiert. Das Blut war definitiv nicht mehr in meinem Kopf. Ein Brite zog noch an mir vorbei. Dafür konnte ich Stijn hinter mir lassen und in einem fulminanten Schlussspurt fing ich auf der Ziellinie ein Irländer ab.

Voller Freude erfuhr ich im Ziel, dass ich mich auf Rang 28 klassiert habe. Sensationell! Damit habe ich alle meine Ziele erreicht. Nach Rang 46 vor zwei Jahren, bin ich ein gutes Stück weiter nach vorne gekommen. Das macht richtig Hunger auf mehr.

Cross EM

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Im Aufstieg versuchte ich meinen Platz zu halten. - Foto von Heinz Zurbrügg


30.11.2014 – Lotto Crosscup Roeselare

Nur noch eine halbe Minute

Nach dem ersten Qualirennen in Mol, an dem ich auf den 9. Rang gelaufen war, war meine Erwartungshaltung hoch. Ich nahm mir erneut vor in die Top Ten zu laufen, wobei das Feld noch besser besetzt war. Neu mit dabei waren zum Beispiel Atelaw Bekele, der Cross Europameister von 2011. Oder der junge Isaac Kimeli, amtierender U20 Cross Europameister. Oder Mats Lunders, 10’000m Bestleistung von 28:35min. Leider fehlte verletzungsbedingt Koen Naert.

Ich erwischte nicht den besten Start, obwohl ich doch etwas offensiver starten wollte als in Mol. In den ersten Kurven wurde ich immer wieder ausgebremst und musste den weiteren Weg aussen rum laufen. Als sich das Feld auseinander zog, konnte ich endlich ein paar Ränge gut machen. Besser gesagt überholte ich den „Gros“ des Feldes und positionierte mich hinter der Spitzengruppe. Als wir auf die zweite von sechs Runden kamen, zogen wieder einige an mir vorbei. In dieser ca. zehn Mann starken Gruppe blieb ich dann bis zwei Runden vor Schluss. Ab da wurde das Tempo forciert. Ich ging mit und sah wie einer nach dem andern das Tempo nicht mehr halten konnte. Als auch Mats Lunders abreissen musste, wusste ich, dass ich genial unterwegs war. 1000m vor Schluss ging es noch mehr zur Sache. Ich musste beissen, hielt aber mit. Wir holten den zurückfallenden Atelaw Bekele ein, was mir nochmals Schub gab. Auf der schlammigen Zielgerade überspurtete ich diesen und alle anderen meiner Gruppe. Nur Drijs Basemans blieb noch wenige Zehntel vor mir. Schlussendlich klassierte ich mich auf Rang sieben mit 28 Sekunden Rückstand auf den Sieger Pieter Jan Hannes.

Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Vor mir sind nur noch grosse Namen, mit einem nicht all zu grossen Vorsprung. Jetzt muss ich mich gut erholen und mich mental optimal auf die Cross Europameisterschaften im hochgelegenen Samokov einstellen. Dann werden wir sehen…

Lotto Crosscup Roeselare


22.11.2014 – Langenthaler Stadtlauf

Hattrick

Mwangi Wandangi, Kenia. „Äch shit“ dachte ich, als ich die Startliste ein paar Tage vor dem Rennen studierte. Über all-athletics.com fand ich heraus, dass er im letzten Jahr 1:05:22 in einem Halbmarathon in Italien gelaufen war. Ok, nicht ab der Welt, aber sehr wahrscheinlich lief er in der Spitzengruppe auf 1:03, bis es ihn aufstellte. Naja, dann muss ich wohl mit den anderen starken Konkurrenten um Rang zwei laufen.

Am Start war ich voller Vorfreude. Ich liebe es am Langenthaler Stadtlauf zu laufen. Ich kenne jeden Ecken und fast jedes Gesicht. In der ersten Startreihe standen einige Afrikaner. Ich wünschte jedem Glück, damit ich ihnen kurz in die Augen schauen konnte. Alles Äthiopier, kein Kenianer, dachte ich. Ist Wandangi nicht hier? Wir liefen los und ich setzte mich, ohne viel dafür zu tun, an die Spitze. Ich wusste, dass ich im Moment schnelle Beine habe und mich im Schlussspurt nicht verstecken müsste. Darum hielt ich das Tempo tief. Dem entsprechend folgte mir das ganze Feld. Erst in der zweiten Runde griff einer an. Es war Wandangi. Ich musste ihn am Start übersehen haben. Er drückte aufs Tempo, doch ich fokussierte seinen Rücken und ging mit. Den Sieg schenken werde ich ihm nicht. Nach 500 schnellen Metern folgten wieder einige langsame. Dann kam ein Äthiopier. Wieder schnell, dann wieder langsam. Wieder Mwandagi, wieder nicht mehr. Bis zur vierten Runde ging das Spielchen so weiter. Ich fühlte mich gut und mir machten die Tempowechsel nicht zu schaffen. Ab da kam mein Vereinskollege Fabian Kuert. Er lief ein sensationelles Rennen und zeigte allen was er drauf hat. Er überholte und hielt das Tempo hoch. Die Spitzengruppe, bestehend aus sechs, sieben Läufer folgten nun ihm. Erst auf der sechsten und letzten Runde nahm ich das Zepter wieder in die Hand und beschleunigte nochmals leicht. Ich versuchte Reserven zu sparen für den alles entscheidenden Angriff. Erst 400m vor Schluss war es der Portugiese Bruno Albuquerque der anzog. Ich war der einzige, der ihm folgen konnte. Mit drei Meter Rückstand kam ich auf die Zielgerade. Jetzt kickte ich richtig. In meiner schnellsten „Märitgasse-Gerade“ holte ich mir Bruno und gewann zum dritten Mal in Folge. Come on!

Schlussspurt!

Schlussspurt!


09.11.2014 – Lotto Crosscup Mol

Auf gutem Weg

Um sich für die Cross Europameisterschaften im Dezember zu qualifizieren, stellte uns Swiss Athletics die Aufgabe, zwei europäisch top besetzte Cross Rennen in Belgien oder in Holland zu absolvieren. Anhand der Resultate entscheidet die Selektionskommission, ob wir das Potenzial haben an der EM in die erste Ranglistenhälfte zu laufen, oder nicht.

Für mein erstes Qualirennen reiste ich mit neun anderen Schweizern nach Mol. Voll motiviert studierte ich die Startliste und sah, dass viele starke Läufer am Start stehen. Besonders gespannt war ich auf den Vergleich mit Koen Naert. Der gleichaltrige Belgier hat eine 10‘000m Bestzeit von 28:32min und gehört damit zu den besten in unserem Alter in Europa.

Da Crossläufe generell zu schnell gestartet werden, hielt ich mich anfangs zurück. Meine Konkurrenz sprintete los, so dass ich beinahe zuhinterst war. Kein Grund zur Sorge, dachte ich. Nicht weit vor mir war der 14. vom EM Marathon, Abdelhadi El Hachimi. Ich erkannte ihn sofort. Als er sich aufmachte einige Ränge gut zu machen, versuchte ich es ihm gleichzutun. Er zog mir zwar davon, aber dank seiner Initialzündung war ich nun vorderster Schweizer und in einer guten Gruppe. Wir mussten sechs Mal einen Rundkurs absolvieren, von dem gut 500m durch einen künstlichen Sandstrand führten. Die Aufholjagt und vor allem der Strand kostete viel Kraft. Ich versuchte mich zeitweise zu schonen, vergeblich. Auf dieser Strecke gab es kein Rhythmus und somit auch keine Erholung. Das Gute war, da die andern noch schneller starteten konnte ich permanent Ränge gut machen. Ich holte sogar gegenüber Koen Naert auf. Auf der letzten Runde kam ich sogar bis auf wenige Meter an ihn heran, als er dann den Schlussspurt lancierte war ich zu erschöpft um mitzuhalten.

Als Neunter, mit 32 Sekunden Rückstand auf den Sieger, kann ich jedoch sehr zufrieden sein. Und die sieben Sekunden auf Naert hole ich schon noch auf. In drei Wochen sehen wir uns wieder in Roeselare.

Cross Mol

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Entlang am Strand vom Zilvermeer von Mol. - Foto von Heinz Zurbrügg


12.10.2014 – Halbmarathon SM Colombier

Erster Schweizermeistertitel

Die zwei Trainingswochen seit dem Iffigenalp Lauf haben mir gut getan. Ich spürte, dass ich deutlich besser in Form war, als ich an die Halbmarathon Schweizermeisterschaft nach Cortaillod reiste. Das Ziel war klar, ich wollte erstmals Schweizermeister werden.

Da ich mir noch keinen Tempolauf vom Start bis ins Ziel zutraute, hielt ich mich auf den ersten fünf Kilometer zurück und wollte eigentlich die andern schalten und walten lassen. Nur war teilweise das Tempo so tief, dass ich trotzdem ab und zu führte. Nach dem fünften Kilometer wurde es dem Marokkaner Mohammed Boulama zu bunt. Er verschärfte das Tempo schlagartig. Von da an waren wir nur noch zu zweit an der Spitze, da sich der Rest der Konkurrenz dieses Tempo nicht zumutete. Gut drei Kilometer lang lief ich in seinem Windschatten, bis er sich zu mir wendete und mich fragte, ob wir alle zwei Kilometer die Führung wechseln wollen. Ich empfand diesen Vorschlag nichts als fair. In Tat und Wahrheit liefen wir dann meistens nebeneinander. Erstmals beim zwölften Kilometer teste ich Mohammed und schob einen Kilometer in 3:03min ein. Doch er hielt mit. Immer wieder versuchten wir uns abzuschütteln. Erfolglos. Unser Duell war sehr respektvoll. Beim Getränkeposten machte er mir immer Platz und als er einmal nichts erwischte, gab ich ihm meine Flasche. Als wir schlussendlich dem Ziel entgegen kamen und es um die Entscheidung ging, lies ich mich zurückfallen und lief wieder in seinem Rücken. Mit viel Geduld hielt ich mich zurück und wartete bis wir ins Stadion einbogen. Dort setzte ich zum alles entscheidenden Schlussspurt an. Mohammed war chancenlos, als ich aus seinem Windschatten an ihm vorbeipreschte.

Mit zwei Sekunden Vorsprung gewann ich das Rennen und meinen ersten Schweizermeistertitel. Ziel erreicht! Noch mehr freute ich mich, als ich sah, dass Fabian Kuert, mein Vereinskollege, als zweiter Schweizer die Ziellinie überquerte und Silber gewann. Doppelsieg für die LVL! Christian Ackeret, der erstgerade von seiner Weltreise zurückgekehrt war, komplettierte unser Team, so dass wir auch noch Team Silber gewannen. Was für ein Rennen!

Halbmarathon SM

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Noch alle zusammen. - Foto von athletix.ch


28.09.2014 – Iffigenalp Lauf

Comeback

Nach vier Wochen Trainingspause war meine gute Form von vor der EM dahin. Ich hatte die Erholung aber absolut nötig. Erst nach zwei Wochen Training startete ich bereits am Iffigenalp Lauf, einen kleinen Berglauf an der Lenk.

Im flachen ersten Teil der Strecke fühlte ich mich recht gut. Von Beginn an löste ich mich von der Konkurrenz ab und lief ein einsames Rennen an der Spitze. Am Schluss des flachen Abschnitts, nach 2.5km, war ein Goldsprint angesetzt. Den holte ich mir ungefährdet. Von da an ging es auf den nächsten 6km rund 500 Höhenmeter aufwärts. Ich versuchte mich konstant zu pushen und eine hohe Frequenz den Berg hoch zu laufen. Doch gerade in den steilen Streckenteilen merkte ich meinen Trainingsrückstand gut. Es reichte dennoch relativ klar für den Tagessieg.

Fazit: Ich bin froh nach der Pause zurück zu sein. Es wartet aber noch viel Arbeit auf mich…

So hoch, fast schon in der Sonne.

So hoch, fast schon in der Sonne.


17.08.2014 – EM Marathon Zürich

Unvergesslich

Einen Bericht über einen Wettkampf zu schreiben, auf den ich mich drei Jahre lang vorbereitet und gefreut habe, ist schwierig. Noch jetzt, nach drei Wochen, fällt es mir schwer all die Emotionen in ein paar Zeilen umzuwandeln. Dennoch versuche ich es:

Die Sonne strahlte über Zürich, wie sie die ganze EM Woche noch nie strahlte. Mit dem Shuttlebus fuhren wir vom Team Hotel in Richtung Zürcher Innenstadt. Im Bus war es ruhig. Alle waren konzentriert und fokussiert. Ich ging in meinen Gedanken meine Ziele durch und stellte mir vor, wie das Rennen ablaufen könnte. Als wir aus dem Bus stiegen und der Bahnhofstrasse entlang Richtung See liefen, lief es mir das erste Mal kalt den Rücken runter. Aus allen Seitengassen strömten Zuschauer an die Strecke und riefen uns begeistert zu. Das Einlaufen wurde zum Schaulaufen. Obwohl ich von all den Leuten ein erstes Mal überwältigt wurde, versuchte ich mich zu entspannen, um locker starten zu können. Die Anspannung war nichts desto Trotz riesig. Wahrscheinlich auch wegen meinen hohen Zielen. Ich wollte den Zuschauer zeigen, dass ich zurecht die Schweizer Nachwuchshoffnung im Marathon bin. Ich verlangte von mir eine persönliche Bestzeit, ein Zählresultat für das Schweizer Team und wenn möglich sogar eine Team-Medaille.

Endlich ging das Rennen los. Gefühlsmässig startete ich ruhig und kontrolliert. Da im Gedränge vom Start ein anderer Athlet meine Uhr stoppte, verpasste ich die erste Zwischenzeit nach 1000m. Glücklicherweise sah ich noch das führende Auto mit der Zeit auf dem Dach. Nach 5min startete ich mein Uhr neu und konnte von dort an meine Kilometerabschnitte überprüfen. Beim ersten Aufstieg holte ich meinen Teamkollegen Michael Ott auf und zog leichtfüssig an ihm vorbei. Das war die Position die ich wollte, ging mir durch den Kopf. Als dritter Schweizer ein Zählresultat fürs Team. Ein zweites mal überwältigt wurde ich, als wir von der Polyterrasse die Rämystrasse runter liefen und auf den Sechseläutenplatz kamen. Die Zuschauermenge tobte. Ich fühlte mich wie ein Skispringer, der in mitten der Menschenmenge landet. Vorübergehend hatte ich leichten Tinitus. Nach 8km und dem hinter mir liegenden Polyterrasse-Anstieg kontrollierte ich meine Zwischenzeit. Ich war gut im Rennen, sogar ein paar wenige Sekunden zu schnell. Meine Beine liefen aber locker und leicht und darum lies ich es Rollen. Die ersten 10km passierte ich in 32:03min. Nun realisierte ich, dass ich zu schnell unterwegs war und nahm etwas Tempo raus. Ich versuchte mich zu entspannen und die Atmosphäre zu „geniessen“. Überall sah ich „Hopp Adi“ Fahnen und hörte zurufe. Was die einzelnen Personen sagten und wer die Stimme dafür gab verstand ich selten. Manchmal blickte ich kurz in die Richtung sah einem bekannten Gesicht entgegen, doch die Registrierung blieb weg. Mein Fokus war aufs Rennen und auf mich gerichtet. Nach dem ich die Polyterrasse ein zweites Mal überquert hatte, fand ich im flachen Streckenteil meine Lockerheit nicht mehr. Kurz vor 20km merkte ich, dass ich vor einem Jahr in Berlin bei dieser Marke viel entspannter lief. Die schlechten Gedanken machten sich in meinem Kopf breit. Was ist wenn ich  heute einbreche? Nein, denk nicht daran! Geh einfach weiter! Entspann dich! Den Halbmarathon passierte ich genau so schnell, wie wir das für den optimal Fall geplant hatten. 1:08:32. Ich wusste aber auch, dass ich am Anfang schneller unterwegs war und darum bereits jetzt etwas unter der erhofften Pace lief. Doch mein Körpergefühl lies zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu. Kurz später holten mich Christian Kreienbühl und Michael Ott wieder ein. Irgendwie wusste ich, obwohl ich es nicht wahrhaben wollte, dass ich nicht lange mit ihnen mitlaufen werden könnte. Dennoch heftete ich mich an ihre Fersen. Ich suchte in mir wieder die Lockerheit, die Freude am laufen und freie Energie. Aber immer wieder kamen die schlechten Gedanken. Ab dem 25. Kilometer verkrampfte sich ein Muskel an der Aussenseite meines rechten Fusses. Es war zum verzweifeln. Jede Belastung des Fusses schmerzte. Am Hügel versuchte ich wieder zu powern, doch ich fand den nächsten Gang nicht mehr. Obwohl ich energetisch noch Reserven hatte, konnte ich sie nicht freisetzen. Michi und Chrigi liefen mir davon. Nun versagte mein ganzes System. Die schlechten Gedanken siegten. Ich nahm wieder Tempo raus und versuchte die letzte Runde so gut wie möglich zu laufen. Leider trat der „worst case“ ein. Ich bekam Krämpfe im Hamstring. Bei 34km hielt ich zwangsläufig an und dehnte kurz. Nach dem Anstieg bei Kilometer 36 verkrampfte er nochmals und erneut war ich zum Anhalten gezwungen. Sobald ich schneller als ein bestimmtes Tempo lief, zog der Krampf wieder an. Also hielt ich mich an mein körperliches Limit und joggte dem Ziel entgegen. Ich versuchte nicht mal mehr etwas entgegen zu setzen, als mich Patrick Wieser überholte. Mein Rennen war gelaufen. Froh endlich anhalten zu dürfen überquerte ich die Ziellinie in 2:26:37 auf Rang 46. Total enttäuscht setzte ich mich am Rand an eine Werbebande und zog mir meine Schuhe aus. Meine Füsse schmerzten höllisch. Der verkrampfte Muskel am Fuss stand wie ein Buckel raus. Doch das spielte mir keine Rolle. Ich war zu enttäuscht. Erst als Chrigi strahlend zu mir kam und mir sagte, dass wir Team Bronze gewonnen hatten, vergass ich meine Enttäuschung vorübergehend. Ich umarmte meine Teamkollegen und bedankte mich bei ihnen, fürs Gewinnen der Medaille.

Als wir am Nachmittag ins Letzigrund Stadion gebracht wurden, legte ich meine Enttäuschung endgültig für den Rest des Tages zur Seite. Gemeinsam mit meinen Teamkollegen wollte ich diesen unvergesslichen Moment geniessen. Die Leute jubelten uns von den Rängen zu und machten Fotos. Überall blitzte es. Als wir die Medaille umgehängt bekamen, ging ein Traum von mir in Erfüllung.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an all meine Betreuer und Sponsoren. Ohne euch hätte ich all das nie erleben dürfen. Ganz speziell möchte ich mich auch bei meinem Marathon Team für die unglaubliche Zeit, von der Vorbereitung bis zur Schlussfeier, bedanken. Ihr seid wahre Champions!

EM Zürich

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Noch locker unterwegs. - Foto von athletix.ch


02.08.2014 – Biegu św. Dominika Gdańsk

I’m ready

Meinen letzten Wettkampf vor der Heim-EM lief ich, gemeinsam mit Viktor, im polnischen Danzig. Auf einer 940m langen Runde durch die Altstadt stellten wir uns starker Konkurrenz, die um den Titel des polnischen 10km Strassen-Meisters kämpfte.

Von Beginn an ging die Post ab. An der Spitze des 50-köpfigen Elitefeld bildete sich eine grosse Spitzengruppe mit gut 20 Läufern. Ich hielt mich anfangs zurück und reihte mich am Ende dieser Gruppe ein. Ich wusste, dass ich bei dem heissen Wetter mit einem konstanten Renntempo viele Plätze gut machen würde. Bereits nach drei Kilometern bewahrheitete sich das auch. Einen nach dem Andern konnte ich überholen. Auf dem eckigen Rundkurs, mit teilweise löchriger Strasse, war keine gute Zeit in Aussicht, somit konzentrierte ich mich auf einen Rang in den Top Ten. Nach dem ich einen Konkurrenten hinter mir liess konzentrierte ich mich sofort auf den nächst Vorderen. Dies ging so bis zum siebten Kilometer. Von dort an klaffte eine grössere Lücke, von gut 100m, zwischen mir und Viktor Röthlins Gruppe. Die Kraft, um den Rückstand im Alleingang zu zulaufen, fehlte mir. Ich kam zwar zwischenzeitlich näher, aber als vorne der Turbo gezündet wurde, um die Ränge drei bis sieben untereinander auszumachen, verlor ich wieder an Boden. Ich kämpfte dennoch weiter und konnte tatsächlich 500m vor dem Ziel einen weissrussischen Athleten aufholen, der zurückfiel. In einem haarsträubenden Schlussspurt mit mehreren Führungswechseln Rang ich Ilya Slavenski nieder.

Als gesamt Siebter erreichte ich einen hervorragenden Rang in 30:42. Die Zeit ist nichts aussagend und darf nicht überbewertet werden. Viel eher der Rückstand von gut einer Minute auf den kenianischen Sieger, Francis Lagat oder die 28 Sekunden, die ich auf Vik verlor, der mit dem vierten Rang das Podest knapp verpasste. Ich bin zufrieden und freue mich nun auf die EM in zwei Wochen!

Bald geht es los.

Bald geht es los.


18.07.2014 – Ägeriseelauf

Erfolgreicher Formtest

In mitten des letzten intensiven Trainingsblocks vor der EM lief ich am Freitag in Oberägeri einen ersten Testwettkampf. Mit Viktor Röthlin, Tadesse Abraham, Marcin Chabowski und mir war das Elitefeld gut überschaubar. Gegen die scheinbar übermächtigen Gegner rechnete ich mir keine grossen Chancen aus und wollte die 14.14km rund um den Ägerisee mit einem guten Gefühl laufen.

Direkt nach dem Startschuss setzte sich Tade an die Spitze und machte seine Ambitionen auf den Sieg klar. Der polnische Marathonmann lief die ersten paar Kilometer mit, musste Tade aber irgendwann ziehen lassen. Viktor folgte den Beiden mit einem kleinen Sicherheitsabstand. Nochmals gut 15 Meter hinter Vik passierte ich den ersten Kilometer in 2:57min. Ich konnte die Lücke zu Vik anfänglich konstant halten, und kam ihm mit der Zeit sogar wieder näher. Nach drei Kilometer schaffte ich den Anschluss. Von hier an arbeiteten wir gut zusammen und wechselten uns in der Führungsarbeit ab. Zwischen uns ist in den vergangenen Wochen eine echte Freundschaft entstanden. Als wir bei Kilometer fünf auf den Zwischensprint zu liefen und den dritten Zwischenrang untereinander ausmachen sollten, winkte mich Vik nach vorne. Danke! Wir passierten die Marke in 14:57min. Wegen den heissen 30°C begleitete uns Ueli mit dem Velo und verpflegte uns nach fünf Kilometer zum ersten Mal. Ich fühlte mich gut. Die Beine liefen wie im Training, nur war ich schneller unterwegs. Mit dem Gedanken, Vik zu helfen Marcin aufzuholen, führte ich unser Verfolgerduo an. Doch stellte ich bald fest, dass es nicht der Tag von Viktor Röthlin war. Er hatte Mühe den Anschluss zu halten und musste mich nach acht Kilometer ziehen lassen. Bei Kilometer zehn erhielt ich wieder mein Getränk von meinem Coach. Die Erfrischung tat gut und ich versuchte neue Energie zu tanken. Die Beine wurden langsam schwerer, doch der Gedanke, dass ich vor dem aktuellen Europameister laufe, trieb mich an. Ich kämpfte mich durch und hielt den Rhythmus hoch. Mit 43:10min kam ich schlussendlich in einer sehr guten Zeit als Dritter ins Ziel. Tade gewann vor Marcin. Viktor wurde enttäuschter Vierter. Doch wie ein wahrer Champion mochte er Tade und mir den Erfolg gönnen und kündete an, dass er gestärkt zurückschlagen wird.

Für mich war dieser Lauf ein Erfolgserlebnis. Dennoch ist das gute Resultat nicht überzubewerten. In vier Wochen in Zürich ist die Strecke dreimal so lang…

Schaut auf Tades T-Shirt: Auf mich zeigt der Pfeil adidas (adi does), auf Marcin world und famous kann Tade für sich beanspruchen. Passt! ;)

Der würdige Sieger Tadesse Abraham vor Marcin Chabowski und mir..